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Börsenlexikon : Wie vor 600 Jahren die erste Börse entstand

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Wertpapierbörsen gibt es seit mehr als 500 Jahren in Europa. Gegen die „Ur-Börse“ in Brügge ist die New York Stock Exchange in New York noch in jugendlichem Alter.

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          Es gibt Historiker, die Vorformen der heutigen Börsen schon in der vorchristlichen Zeit sehen. Doch eingerichtet wurden Wertpapierbörsen erst in der frühen Neuzeit, zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Die Anfänge des Handels mit Wertpapieren wurzeln, wie Vanessa Redak und Beat Weber in ihrem Buch „Börse“ darlegen, im ausgehenden Mittelalter. Seit 1531 gab es im belgischen Brügge ein Börsengebäude, und in einem Stadtplan aus dem 16. Jahrhundert war schon ein Platz namens „Byrsa Brugensis“ - Börse von Brügge - bezeichnet.

          Seinerzeit wurde der überregionale Handel zunehmend reger. Damit verbundene Zahlungsschwierigkeiten ließen Wertpapiere bedeutsamer werden: Vor allem so genannte Wechsel - schriftliche Verpflichtungen eines Schuldners, dem Inhaber des Wechsels bei Vorlage oder zu einem gewissen Zeitpunkt eine bestimmte Summe zu zahlen - erleichterten die Abwicklung von Handelsgeschäften. Diese Schuldscheine waren nicht an eine Person gebunden und folglich übertragbar.

          Kauf und Verkauf von Wechseln als Kern

          Auf dieser Grundlage entstand allmählich ein Handel mit diesen Papieren. Kaufleute erkannten, dass der Kauf und Verkauf von Wechseln einfacher wird, wenn er an einem bestimmten Ort abgewickelt wird. So entstanden Wechselbörsen. Der Begriff Börse geht dabei auf das niederländische Wort „beurs“ (Geldbeutel) zurück. Dieser Begriff findet sich wieder im Namen der Brügger Kaufmanns-Familie van der Beurs, die drei Portemonnaies im Wappen führte und in deren Haus sich Geschäftsleute trafen, um den Wert von Gold- und Silbermünzen als Zahlungsmittel festzulegen.

          Die erste Börse soll 1409 in Brügge, die zweite fünfzig Jahre später in Antwerpen eröffnet worden sein. In den folgenden Jahrzehnten folgten solche Institutionen in Flandern, den Niederlanden, England und Frankreich. Im 16. Jahrhundert wurden Wertpapiere auch an festen Orten auf deutschem Boden gehandelt. Wo dies zuerst der Fall war, ist strittig. Augsburg, Frankfurt, Hamburg, Köln und Nürnberg kommen infrage.

          Frankfurt entwickelte sich zur wichtigsten deutschen Börse

          „1585 wird mit der Börse ein erster behördlich kontrollierter Geldwechsel in Frankfurt eingerichtet. Am Ende des Mittelalters war Frankfurt einer der reichsten und mächtigsten Handelsorte im Zentrum Deutschlands. Der Reformator Martin Luther notierte über die Stadt: ,Frankfurt ist das Silber- und Goldloch!´" , heißt es auf der Internetseite der Stadt Frankfurt am Main.

          Und „Mainhattan“ - das damals natürlich noch nicht so genannt wurde, weil es das Vorbild Manhatten noch gar nicht gab - etablierte sich als wichtigste deutsche Börse, wie Redak und Weber hervorheben. Diese Rolle hat die Institution behalten und bis heute ausgebaut.

          Ohne Bergbau und Überseehandel keine Aktien

          Nun ist heute vor allem von Aktien die Rede, wenn es um Börsen geht. Doch der Handel mit Anteilen an Unternehmen, Aktien eben, war am Anfang ein Fremdwort. Solche Wertpapiere wurden erstmals im 18. Jahrhundert ge- und verkauft. Beispielgebend waren dabei eine englische und eine holländische Schifffahrtsgesellschaft: die East India Company und die Vereinigte Holländische Ost-Indische Kompanie, die miteinander konkurrierten.

          Beide Unternehmen gründeten für ihre Tätigkeiten in Indien jeweils so genannten Wagnisgesellschaften, an denen man sich in Form von käuflichen Anteilsscheinen beteiligen konnte. Die Bezeichnung Wagnisgesellschaft, die im Laufe der Zeit dem Begriff Aktiengesellschaft wich, deutet auf den mit Risiken behafteten, spekulativen Charakter des Vorhabens hin.

          Frühform der Aktie im deutschen Bergbau entwickelt

          Eine Frühform von Aktien in Deutschland waren die so genannten Kuxe: Anteile an Bergwerken, mit denen vor allem in Thüringen und Sachsen der Betrieb des Abbaus von Bodenschätzen finanziert wurde. Der Aktienhandel war aber zunächst ein Nebengeschäft an den Wechselbörsen, bevor eigenständige Aktienbörsen gegründet wurden.

          Zum Beispiel in New York. Ein festes Gebäude brauchten die Börsianer seinerzeit übrigens noch nicht: Sie trafen sich unter freiem Himmel, um auf Höhe von Wall Street 68 unter Bäumen mit Aktien zu handeln. Zu den Vorreitern in Sachen Aktienbörse zählte auch Berlin. Dort wurde 1739 eine Börse eingerichtet.

          Der Staat hielt sich anfangs heraus

          Ein Kennzeichen der damaligen Börsen war, dass sie von Geschäftsleuten und Händlern selbst organisiert wurden. Der Staat hielt sich aus dem Geschäft heraus. „1792 unterzeichneten 24 Händler das Buttonwood Tree Broker's Agreement, das die ersten Vorschriften für einen geregelten Börsenverkehr enthielt. Die Börse war anfangs wie ein Club organisiert. Die Händler hatten ihren angestammten Platz auf Lebenszeit“, heißt es beim Internetdienst money-msn im Rückblick.

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