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Börsenlexikon : Wie die Börsianer zu Bulle und Bär kamen

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Bei Kindern beliebt, bei Anlegern weniger gern gesehen: Bären Bild:

In Form plüschiger Teddys erfreuen sie sich anhaltend großer Beliebtheit - doch viele Anleger sehen sie am liebsten von hinten: die Bären. Denn sie sind Sinnbilder für fallende Kurse.

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          An der Börse geht es regelmäßig tierisch zur Sache. Bären und Bullen kämpfen dort miteinander. In der letzten Zeit behielten dort meist die Pelztiere die Oberhand. Ihre gehörnte Konkurrenz, die zuvor jahrelang das Sagen hatte, ist über kurzfristige Siege nicht hinaus gekommen. Die Stimmung bleibt „bearish“ dominiert, wie die Börsianer so sagen.

          Doch während Bären in Form von Teddys in Kinderzimmern und beim Kind im Erwachsenen sich anhaltend großer Beliebheit erfreuen, sind sie unter vielen Anlegern, die ihr Geld in Anteile an Unternehmen gesteckt haben, gar nicht gerne gesehen. Denn die Marktteilnehmer spielen, wenn sie von einer „bearishen“ Gemütslage reden, in der ihnen eigenen Sprache auf allgemein fallende Aktienkurse an.

          Pelzige Pleitegeier der Aktienmärkte

          Der Bär ist mithin so etwas wie der Pleitegeier der Aktienmärkte. Dagegen sind die Bullen jene, die bei steigenden Kursen, also in einer sogenannte Hausse das Sagen haben. Bei Kampfpartner sind übrigens vor dem Börsengebäude in Frankfurt in Bronze gegossen und ein beliebtes Fotomotiv.

          Dieses Sinnbild-Paar soll auf das 16. Jahrhundert zurückgehen, wie in der Börsenliteratur zu lesen ist. Seinerzeit „besuchte ein spanischer Literat die damals dominante Börse in Amsterdam. Als er dem Treiben der Börsenhändler zusah, wurde er an eine besondere Variante des Stierkampfs in Südamerika erinnert: Dort ließ man nämlich in manchen Arenen Bullen gegen Bären kämpfen“, so Vanessa Redak und Beat Weber in ihrem Buch „Börse“.

          Wenn ein Bär nach einem Gegner oder Opfer schlägt, haut er mit der Tatze von oben nach unten. Der Bulle stößt umgekehrt mit den Hörnern von unten nach oben. Auf die Aktienmärkte übertragen heißt das: Die Bären prügeln die Kurse nach unten, während die Bullen eine Aufwärtsbewegung befördern und den Wert der Aktien nach oben wuchten.

          Bullen eine zeitgeschichtliche Erscheinung

          Bullen an den deutschen Börse können derzeit nur als zeitgeschichtliche Erscheinungen bezeichnet werden. Zumindest haben sie seit Jahren keine Dominanz mehr entwickeln können: Seit März 2000 kennt das wichtigste deutsche Börsenbarometer, der Dax, von Zwischenspielen abgesehen nur eine Richtung: ab in den Keller. Mitte März 2003 steht er auf der Höhe, die er schon zu Anfang 1996 innehatte.

          Anders ausgedrückt: Wer seinerzeit Aktien erworben und gehalten hat, der hat keinen im Durchschnitt kaum einen müden Cent verdient - weil der Dax eben seit März extrem an Wert verloren hat. 68 Prozent bis zum Freitag (14. März), um es genau zu sagen.

          Bis zum März 2000 hatte dagegen jahrelang ein Bullenmarkt vorgeherrscht. Von einem im Jahr 1998 abgesehen, war es stetig aufwärts gegangen: von 1623 Punkten vor zehn Jahren bis hoch auf den Gipfel. In dieser Zeit konnte der Dax rund 380 Prozent an Wert zulegen.

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