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Börsenlexikon : Was Aktien zu Substanzwerten macht

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Als Gegenstücke zu Wachstumwerten, die sich meist in der Technologiebranche finden, gelten Substanzwerte. Das sind Titel, die unter anderem günstig bewertet sind - aber nicht nur das.

          In Zeiten hochfliegender Phantasien über traumhafte Umsatzzuwächse in neuen Branchen hatten sie besonders Konjunktur: die sogenannten Wachstumwerte. Als Gegenstück gelten Substanzwerte.

          Als Maßstab für die Substanz einer Aktiengesellschaft gilt gemeinhin die Differenz aus der Summe des Umlauf- und des Anlagevermögen einerseits, also fest zum Unternehmen zählender Vermögenswerte sowie Barmittel, Wertpapiere und Vorräte, und der Schulden andererseits. Je höher die Zahl ausfällt, desto mehr Substanz hat die Firma.

          Eine Reihe von Kennziffern entscheidend

          „Substanzwert“ mit Blick auf Aktien läßt sich jedoch nicht auf diesen Unterschiedsbetrag reduzieren. Vielmehr werden noch andere Kennzahlen zu Rate gezogen, um zu bestimmen, was als Substanzwert gelten kann. Analysten sehen sich auch das Verhältnis von Marktkapitalisierung und Eigenkapital an, wie Stefan Rausch, Leiter des Sektors Unternehmensanalyse bei Helaba Trust, erläutert. Hier gelte die Faustregel: je niedriger, desto besser, da dies die Bewertung an der Börse widerspiegele.

          Anhaltspunkte seien auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das sich aus dem Aktienkurs und dem Gewinn je Aktie errechnen läßt, und der Höhe der Dividendenrendite. Dieser Wert wird ermittelt, indem die Dividende durch den Aktienkurs geteilt und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird. Hier gilt wiederum: je höher, desto besser.

          Titel aus gesättigten Branchen

          Während sich Wachstumstitel vor allem (aber nicht nur) in vergleichsweise neuen Branchen finden lassen, tummeln sich Substanzwerte vor allem in der „Old Economy“, so Rausch. Meist handele es sich um Werte aus ziemlich gesättigten Wirtschaftszweigen wie dem Maschinenbau, der Bauwirtschaft oder der Automobilbranche.

          Anhand einiger Beispiele läßt sich der Unterschied von Wachstums- und Substanzwert verdeutlichen: Volkswagen weist eine Marktkapitalisierung von 10,2 Milliarden Euro auf bei einem Eigenkapital von 24,13 Milliarden, woraus sich ein Wert von 0,42 ergibt. Das Papier hat (Stand: neunter Mai) ein KGV von 5,9 und erscheint damit günstig bewertet, falls sich die Analysten nicht mit ihren Gewinnschätzungen irren. Die Dividendenrendite von 4,1 Prozent liegt um etwa 20 Basispunkte über der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, ist also recht attraktiv.

          Deutliche Unterschiede zu Wachstumswerten

          Ein weiterer Substanzwert, die Salzgitter AG, hat ein Eigenkapital von 1,1 Milliarden Euro bei einer Marktkapitalisierung von 450 Millionen Euro. Die sogenannte Price-to-Book-Ratio beträgt 0,4. Mit einem KGV von 8,9 erscheint auch diese Aktie günstig bewertet, die Dividendenrendite von 4,4 Prozent ordentlich.

          Im Gegensatz dazu SAP, ein „klassischer“ Wachstumswert: Die Walldorfer Softwareschmiede ist an der Börse rund 28,8 Milliarden Euro wert, weist jedoch nur ein Eigenkapital von 2,7 Milliarden Euro auf. Daraus ergibt sich ein Verhältnis von 10,8. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit 21,8 vergleichsweise hoch, während die Dividendenrendite von 0,65 in etwa der Rendite zehnjähriger japanischer Anleihen entspricht - und die rentieren so schwach wie niemals zuvor.

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