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Börsengang Chorus Clean Energy : Ein Test für die Erneuerbaren Energien

Windpark der Chorus Clean Energy in Kemberg Bild: Chorus Clean Energy

Ist der Aktienmarkt wieder bereit für erneuerbare Energien? Der Börsengang des Wind- und Solarparkbetreibers Chorus könnte es zeigen.

          Mit Chorus Clean Energy aus Neubiberg bei München versucht sich seit Montag ein weiteres Unternehmen an einem Börsengang. Das ist in diesem Fall besonders beachtlich, weil Chorus auf den Betrieb von Solar- und Windenergieanlagen spezialisiert ist und Aktien von Unternehmen aus dem bereich der Erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren eher durch Insolvenzen als durch eine gute Wertentwicklung von sich reden gemacht haben. Betroffen waren dabei zwar vorwiegend Hersteller, aber das Sentiment für die Branche war davon negativ betroffen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Chorus hat in den vergangenen Jahren nach eigenem Bekunden Investitionen in 67 Solar- und Windparks in Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich und Finnland mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 673 Millionen Euro realisiert, die aktuell eine Gesamtleistung von mehr als 250 Megawatt erbringen.

          Darüber hinaus bietet das Unternehmen institutionellen Investoren einen Fonds sowie maßgeschneiderte Investitionsmöglichkeiten in Solar- und Windenergieanlagen sowie deren Betrieb an. Mit den Mitteln aus dem Börsengang sollen weitere Solar- und Windparks gekauft und die Vermögensverwaltung ausgebaut werden, die bislang nur einen eher geringen Umsatzanteil beisteuert.

          Von Fonds in die AG

          Ursprünglich waren die Anlagen in geschlossenen Fonds organisiert. Diese Anteile wurden auf die AG übertragen, so dass die ehemaligen Fondsgesellschafter jetzt mit rund 60 Prozent die größte Gruppe der Anteilseigner stellen. Dieser Umtausch von Fondsanteilen in Aktien ging nicht ohne Reibungsverluste ab. So waren laut Mitteilung der Rechtsanwaltskanzlei HEE einige Fonds von Förderungskürzungen in Italien negativ betroffen und zahlten keine Ausschüttungen mehr. Bei der Umwandlung in Aktien sei dann etwa beim Fonds Cleantech Solar 5. KG die Beteiligung nur noch mit gut der Hälfte des ursprünglich eingezahlten Kapitals bewertet. Zu diesem Zeitpunkt sei der Fonds nur drei Jahre alt gewesen.

          Auf Italien entfällt rund 30 Prozent der Nennleistung der Solarparks und 18 Prozent der gesamten Nennleistung. 70 Prozent der gesamten Nennleistung werden in Deutschland produziert. Gut 60 Prozent der Energie gewinnt Chorus aus  Solarparks.

          Laut Ausweis hat Chorus in dem am 17. Dezember endenden Rumpfgeschäftsjahr 2014 bei einem um 11 Prozent höheren Umsatz von knapp 55 Millionen Euro einen Überschuss von 3,73 Millionen Euro erzielt. Hierzu hätten insbesondere Erlöse aus der Stromerzeugung beigetragen.

          Alt-Anleger können gleich verkaufen

          Chorus bietet im Weg einer Kapitalerhöhung bis zum 1. Juli 12 Millionen Aktien feil. Zudem verkaufen 80 Altgesellschafter von 13 ehemaligen Fonds 737.384 Aktien. Diese stellen auch eine Mehrzuteilungsoption von bis zu 1,9 Millionen Aktien auf Leihbasis zur Verfügung. Diese sind die Grundlage dafür, dass Banken ebenso viele Aktien erwerben können. Gezeichnet werden können diese Aktien für einen Preis zwischen 9,75 Euro und 12,50 Euro. Bei unterstellter vollständiger Ausübung der Mehrzuteilung sollte sich das Bruttoemissionsvolumen auf bis zu rund 125 Millionen Euro belaufen.

          Auch wenn 12 Millionen Aktien angeboten werden, sollen eigentlich nur rund 100 Millionen Euro aufgenommen und daher voraussichtlich zwischen 8 Millionen und 10,3 Millionen neue Aktien ausgegeben werden.

          Der Anteil des Streubesitzes soll bei vollständiger Platzierung aller angebotenen Aktien circa 86 Prozent des Grundkapitals betragen. Die Gründer sowie das Management haben sich zu einer Haltefrist (Lock-up) von 18 Monaten nach dem Börsengang für ihre Anteile verpflichtet. Auch das Unternehmen wird für einen Zeitraum von sechs Monaten nach dem Börsengang keine Aktien emittieren oder veräußern. Das gilt allerdings nicht für die ehemaligen Fondsgesellschafter, die nach dem Börsengang immer noch mindestens 35 Prozent der Aktien halten werden. Deren Anteile könnten möglicherweise unmittelbar nach einem erfolgreichen Börsengang auf den Markt kommen und den Kurs drücken.

          Ausgehend vom Gewinn im Rumpfgeschäftsjahr 2014 liegt die Bewertung der Chorus-Aktie zwischen dem 75- und dem Hundertfachen des Gewinnes. Gesteht man eine weiterhin positive Entwicklung des Gewinnes und eine Abweichung aufgrund der fehlenden 14 Kalendertage zu, so erscheint das Kurs-Gewinn-Verhältnis immer noch recht hoch. Dabei ist unberücksichtigt, dass sich die Gewinnbasis durch ein umfangreicheres Geschäft in der Vermögensverwaltung und mögliche Zukäufe 2015 verbreitern kann. Hier seien Anlagen mit einer Nennlistung von 600 Megawatt in der Akquisitionspipeline.

          Es wird interessant sein zu sehen, ob nach Jahren der Krise der Aktienmarkt bereit ist, ein Unternehmen aus den Erneuerbaren Energien aufzunehmen, vor allem aber zu welchem Preis. Chorus scheint insgesamt profitabel zu wirtschaften. Nach den Förderkürzungen in Deutschland und Italien scheinen hier auch in nächster Zeit keine negativen Überraschungen mehr zu drohen.

          Ob die Zeichnung in der vorgegebenen Spanne sich aufdrängt, ist eine andere Frage. Angesichts der Marktverfassung, eines potentiellen Angebots durch Alt-Aktionäre und einer Marktkapitalisierung im unteren Bereich des SDax, kann auch die Spekulation auf spätere Kurse unter der Zeichnungsspanne aufgehen.

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