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Börsengang von Bastei Lübbe : Jerry Cotton geht an die Börse - wer geht mit?

  • -Aktualisiert am

Vor zwei Jahren stellte Bastei Lübbe auf der Buchmesse einen interaktiven Roman vor. Bild: Seuffert, Felix

Bastei Lübbe braucht Geld für seine digitalen Pläne. Spiele, Apps und E-Books sollen junge Leute anziehen. Das Kalkül könnte aufgehen.

          Jerry Cotton gehört endgültig zum alten Eisen. Zwar erscheinen immer noch jede Woche neue Abenteuer des FBI-Agenten, der im roten Jaguar E-Type durch Manhattan braust und Gangster jagt, und sein Umsatzanteil ist entgegen den Erwartungen überraschend stabil. Doch wenn es nach Bastei Lübbe geht, dem Verlag, den Cottons Abenteuer in den vergangenen 60 Jahren groß gemacht haben, soll die analoge Welt von Jerry Cotton der digitalen Zukunft weichen.

          Seit dem vergangenen Dienstag möchte das Unternehmen Anleger überzeugen, sich an dieser Zukunft zu beteiligen: Am 8. Oktober will der Verlag pünktlich zum Beginn der Buchmesse an die Börse gehen. Die Zeichnungsfrist für die Aktien läuft noch bis 1. Oktober.

          Den Charakter des Unternehmens dürften künftig statt Jerry Cotton eher Figuren wie Sandra bestimmen. Sandra, Hauptfigur der digitalen Serie „Coffeeshop“, die Kunden nicht nur als E-Book, sondern auch als App oder Hörbuch erwerben können, ist jung, hip und technisch versiert, also all das, was auch der traditionsreiche Kölner Verlag in Zukunft sein will. „Im digitalen Bereich sind wir ein First Mover“, sagt Geschäftsführer Thomas Schierack.

          Das Unternehmen könnte 146 Millionen Euro wert sein

          Die Aktien des Verlags sollen zwischen 9 und 11 Euro kosten. Insgesamt 5,3 Millionen Aktien will das Unternehmen ausgeben, davon stammen 3,3 Millionen aus einer Kapitalerhöhung und zwei Millionen aus den Beständen des Verlegers Stefan Lübbe. Er und seine Ehefrau werden so von Alleininhabern zu Mehrheitseigentümern mit nur noch knapp 56 Prozent Anteil. Der Börsengang soll bis zu 58 Millionen Euro in die Kassen spülen. Bestenfalls wäre das Unternehmen danach rund 146 Millionen Euro wert.

          Die Erlöse will Lübbe vor allem in die Entwicklung eigener Inhalte und in den Ausbau der Digitalsparte investieren. Rund zehn Prozent seiner Umsätze macht das Unternehmen zurzeit schon mit digitalen Produkten. Im kommenden Jahr sollen es 16 werden, 30 Prozent sind langfristig angepeilt. Ein wichtiger Wachstumsfaktor sind die E-Books. Einer Studie von Pricewaterhouse Coopers zufolge wird sich deren Marktanteil in Deutschland in den nächsten drei Jahren auf etwa 15 Prozent vervierfachen; in Amerika werden E-Books gedruckte Bücher wohl bis zum Jahr 2017 überholt haben.

          Das meiste Geld verdient Bastei Lübbe allerdings noch mit gedruckten Büchern. Bestseller wie Ken Folletts Science Fiction oder die Robert-Langdon-Romane des Amerikaners Dan Brown, den Lübbe zum Weltstar aufbaute, treiben das Geschäftsergebnis. Im ersten Quartal 2013/14 erwirtschaftete Browns neues Buch „Inferno“ allein mehr als 9 der 29 Millionen Euro Quartalsumsatz.

          Das birgt neben der Chance auf satte Gewinne auch Risiken: sollte ein Starautor beschließen, sich einen anderen Verlag zu suchen, würde das dem Unternehmen schwer zusetzen. Auch deswegen will der Verlag mit einem Teil der Börsenerlöse auch neue Bestsellerproduzenten für das Programm gewinnen. Spekulationen über den Rückzug des Verlegers Stefan Lübbe, dessen Spezialität das ist, tritt der Geschäftsführer entgegen: „Das operative Geschäft hat Stefan Lübbe ja auch in den letzten Jahren schon vermehrt der breiten Managementebene überlassen“, sagt Thomas Schierack, „er wird weiterhin das machen, was er bisher gemacht hat: sich um die kreative Seite kümmern, Kontakte zu Schriftstellern halten, neue Namen aufbauen. Dafür muss er nicht in der Geschäftsführung sein.“

          Bastei Lübbe vor dem Börsengang

          Doch Lübbe setzt auch auf Diversifizierung. Mit dem Zukauf des Geschenkartikelherstellers Räder ist das Unternehmen nun auch im schnell wachsenden Trend-Geschäft mit teuren Schreibwaren und Motto-Tassen vertreten.

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