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Börsengang von Bastei Lübbe : Jerry Cotton geht an die Börse - wer geht mit?

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Vor allem aber hat der Verlag damit begonnen, eigene Inhalte zu entwickeln, die digital auf unterschiedlichen Plattformen vertrieben werden. Von der sogenannten Webnovel „Apocalypsis“, einer Art digitalem Fortsetzungsroman, hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in den zwei Jahren seit der Einführung 180.000 Folgen verkauft. Ein Taschenbuch, das aus der Serie hervorging, verkaufte sich noch einmal 70.000 Mal. Diese Strategie will Lübbe weiterverfolgen. Weitere Zukäufe sind zunächst nicht geplant: „Wir wollen vor allem organisch wachsen“, sagt Schierack, „Leute einstellen, in die Technik investieren, unsere eigenen digitalen Kompetenzen ausbauen.“ Dazu gehöre auch der Aufbau einer Game-Sparte für Apps und Online-Spiele.

Die Entscheidungen der vergangenen Jahre passen zu diesen Plänen. Verleger Stefan Lübbe verließ das biedere Bergisch Gladbach, wo sein Vater, Patriarch Gustav Lübbe, den Verlag in den fünfziger Jahren aufgebaut hatte. Neuer Standort ist seit drei Jahren Kölns altes Industrie- und neues Start-up-Viertel Mühlheim. Seit kurzem gibt es einen „Concept Store“, um die unterschiedlichen Produkte des Verlags an einem Ort zu erproben.

In Zukunft will der Verlag auch international expandieren. Einige Titel werden gerade ins Englische und Chinesische übersetzt. App-basierte Konzepte wie die Coffeeshop-Serie stießen bei ersten Tests in China auf viel Zuspruch. Die Geschäftsführung verhandelt außerdem mit möglichen Kooperationspartnern vor Ort, um digitale Inhalte speziell für den chinesischen Markt zu konzipieren. Eines Tages sollen diese Entwicklungen den Verlust aufwiegen können, wenn ein Dan Brown oder Ken Follett sich einen anderen Verlag suchen sollte. „Wir arbeiten intensiv daran, unabhängiger von großen Namen und Autorenlizenzen zu werden“, sagt Schierack.

Vieles spricht dafür, dass der Verlag wachstumsstark bleibt

Wird also aus dem Familienbetrieb, dessen Verleger seine Starautoren umsorgt und zum Essen einlädt, ein internationaler Medienkonzern? Die Führung beteuert, man wolle familiär bleiben, legt aber selbst den Vergleich nahe: Als Hauptwettbewerber, vor allem in der Digitalsparte, betrachtet man die Bertelsmann-Tochter Random House, Holtzbrinck und die schwedische Bonnier-Gruppe - Konzerne mit Umsätzen in Milliardenhöhe. Familiär soll es trotzdem sein.

Es spricht viel dafür, dass Bastei Lübbe zukünftig wachstumsstark und profitabel bleibt. Verleger Stefan Lübbe hatte das einstmals kriselnde Unternehmen nach dem Tod seines Vaters Mitte der neunziger Jahre hart saniert: Er schloss Geschäftssparten, viele Mitarbeiter mussten gehen. Parallel dazu lieferte er sich einen Machtkampf mit seiner Schwester und deren Mann, die das Unternehmen schließlich verließen. Doch Lübbes Strategie ging auf: der Verlag verzeichnete zuletzt Gewinnmargen um 12 Prozent. Sollte das so bleiben, könnten Anleger auch von einer Dividende profitieren. Bis zu 50 Prozent des jeweiligen Jahresüberschusses will das Unternehmen künftig ausschütten.

Angst vor einer Erfahrung wie der des Eichborn-Verlags, dessen Börsengang vor 13 Jahren gründlich schiefging und den Lübbe nach der Insolvenz aufkaufte, hat man in Köln nicht. „Die Fehler, die damals gemacht wurden, werden wir nicht wiederholen. Wir bleiben in den Geschäftsfeldern, mit denen wir uns auskennen“, sagt Geschäftsführer Schierack.

Auch Brancheninsider finden die Strategie glaubwürdig. „Die haben in den vergangenen Jahren keinen Fuß falsch gesetzt“, sagt Buchmarktexperte Holger Ehling, „die geplanten Investitionen werden das Unternehmen fit für die Zukunft machen. Lübbe ist gedanklich viel weiter als die Konkurrenz.“ Das einzige Risiko sieht er darin, dass Verlage ihre zukünftige Entwicklung schlechter planen können als andere Unternehmen. Wenn doch mal ein Dan Brown abspringe, werde das an der Börse schnell abgestraft.

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