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Börsengang : Symrise lockt mit Preisabschlag

  • Aktualisiert am

Symrise: Parfumeur bei der Arbeit Bild: Jesco Denzel

Symrise hat Preisvorstellungen für den anstehenden Börsengang gewählt, die offenbar Anklang bei vielen Anlegern finden. Altinvestor EQT verkauft weniger Aktien als gedacht, dennoch wird es der wahrscheinlich größte Börsengang des Jahres.

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          Der Geschmacks- und Aromenhersteller Symrise hat Preisvorstellungen für den anstehenden Börsengang gewählt, die offenbar Anklang bei vielen Anlegern finden. Nach den am Freitag festgelegten entscheidenden Parametern - der Zahl der angebotenen Aktien und der Zeichnungspreisspanne - ergibt sich ein Emissionsvolumen zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro.

          Damit könnte Symrise der größte Börsengang des Jahres in Deutschland werden. Nur in dem Fall, daß die Aktien in der nächsten Woche am unteren Ende der Spanne von 15,75 Euro bis 17,75 Euro zugeteilt werden und die Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) nicht verkauft wird, bliebe die seit April börsennotierte Wacker Chemie mit einem Emissionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro größter Börsengang des Jahres.

          Börsengang soll Verbindlichkeiten verringern

          Symrise fließen durch eine Kapitalerhöhung zwischen 595 und 671 Millionen Euro zu. Damit will der M-Dax-Kandidat seine gewaltigen Verbindlichkeiten in Höhe von derzeit 1,4 Milliarden Euro verringern und eine Eigenkapitalquote von rund 35 Prozent erreichen. Auf Basis der Preisspanne kommt Symrise auf eine Marktkapitalisierung von 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro. Der maßgebliche Verkäufer, der bisher knapp 80 Prozent der Anteile kontrollierende skandinavische Finanzinvestor EQT, hatte nach Informationen dieser Zeitung eine Marktkapitalisierung von rund 3 Milliarden Euro angestrebt (F.A.Z. vom 28. November). Möglicherweise ist das der Grund, warum EQT sich nur von höchstens 55 Prozent seiner Anteile trennt. Nach dem Wertpapierprospekt wäre es den Altaktionären möglich gewesen, jetzt mehr als 80 Prozent ihrer Aktien zu verkaufen.

          "Wir glauben an das Potential von Symrise", sagte ein Sprecher von EQT dieser Zeitung und verwies darauf, daß der in seinem Besitz verbleibende Anteil von nun rund 35 Prozent sechs Monate nicht verkauft werden darf. "EQT will einen erfolgreichen Börsengang von Symrise und hat sich deshalb mit den konsortialführenden Banken Deutsche Bank und UBS auf einen attraktiven Preisabschlag gegenüber Givaudan verständigt", sagte der EQT-Sprecher. Analysten im Bankenkonsortium schätzen den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von Symrise im Jahr 2007 auf 267 Millionen Euro. Marktführer Givaudan wird an der Börse mit rund dem Elffachen seines Ebitda bewertet. Ein Sprecher von Symrise bezifferte daher den Preisabschlag von Symrise gegenüber Givaudan auf 26 Prozent am unteren Ende der Preisspanne und auf 17 Prozent am oberen Ende.

          Preis für Symrise am oberen Ende der Spanne überzogen?

          Die meisten Fondsmanager jedoch, die nicht genannt werden wollen, halten den Preis für Symrise am oberen Ende der Spanne für überzogen, in der Mitte und am Ende der Spanne jedoch für insgesamt fair. In den vergangenen Monaten waren viele Börsenkandidaten mit ihren Preisvorstellungen auf keine hinreichend große Nachfrage gestoßen. Gegen Jahresende erlahmt das Interesse oft spürbar. "Es ist noch viel Kapital im Markt. Aber die Investoren sind preissensitiv", beschreibt Boris Schakowski, Fondsmanager von Union, die Marktlage.

          Daß Symrise die Preisspanne relativ eng wählte, spricht indes dafür, daß sich die Konsortialbanken nach den Gesprächen mit Investoren im Verlauf dieser Woche sehr sicher geworden sind, die Aktien plazieren zu können. Im vorbörslichen Handel kosteten die Aktien beim Wertpapierhaus Lang & Schwarz am Freitag nachmittag zwischen 16,25 bis 16,75 Euro und bei DKM 16 bis 16,50 Euro. Diese Preise liegen damit in der Mitte der Zeichnungspreisspanne.

          Symrise kommt nach Berechnungen von Branchenexperten auf einen weltweiten Marktanteil von 8,5 Prozent und liegt damit hinter Givaudan (13,2), IFF (12,5) und Firmenich (9,9) auf Platz vier im Markt der Aromenhersteller. "Wir sehen einen qualitativen Unterschied zwischen Givaudan und Symrise", sagt Fondsmanager Schakowski. Givaudan sei das etablierte Unternehmen, Symrise entstand erst 2003 aus zwei Vorgängerunternehmen. Zudem hat das Management keine Kapitalmarkterfahrung. Hinzu kommt die nach wie vor hohe Verschuldung auch nach dem Börsengang. "Symrise ist nur mit einem deutlichen Abschlag zu Givaudan interessant", sagt auch Fondsmanager Heiko Veit von Metzler.

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