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Börsengang : Facebooks Gewinn sinkt - die Aktie ist trotzdem interessant

Facebook hat das Potential zur zweiten Google - wenn es das Unternehmen richtig anpackt Bild: AFP

Der Gewinn von Facebook ist im Vorfeld des Börsengangs aufgrund hoher Kosten deutlich gesunken. Auch wenn dem Unternehmen nichts geschenkt wird - die Aktie könnte ein Erfolg werden.

          Selten ist wohl so viel Brimborium um einen angekündigten Börsengang gemacht worden, wie um den von Facebook. Werte von bis zu 100 Milliarden Dollar werden für das Unternehmen kolportiert, obwohl noch gar nicht feststeht, wie viele Aktien zu welchem Preis verkauft werden sollen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Indes sind die Vorschusslorbeeren immens. Immerhin machte Facebook laut Wertpapierprospekt im Geschäftsjahr 2011 einen Gewinn von 1 Milliarde Dollar, immerhin ein Plus von rund zwei Dritteln, nach einem Zuwachs von 164 Prozent im Jahr davor. Der Umsatz hatte sich auf 3,7 Milliarden Dollar knapp verdoppelt, nachdem er 2010 um rund 150 Prozent gewachsen war. Dass die Reingewinnmarge von knapp 30 auf immer noch hohe 27 Prozent gefallen war, vermag da das Bild wenig zu trüben, wenngleich Marktforscher mit deutlich höheren Umsätzen gerechnet hatten.

          Hohe Kosten drücken Gewinn

          Einen Kratzer erhält das Bild von der schönen neuen Facebook-Welt und Google II aber am Dienstag. Mit 205 Millionen Dollar liegt der Gewinn des ersten Quartals des laufenden Jahres um ein Achtel niedriger als im Vergleichsquartal des vergangenen Jahres, obgleich der Umsatz um 45 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar gewachsen ist. Die Reingewinnmarge nimmt sich mit weniger als 20 Prozent damit schwach aus.

          Ursache der Gewinnschwäche sind Kosten, die mit 677 Millionen Dollar fast doppelt so hoch ausgefallen sind wie im Vorjahr. Bei einem leicht niedrigeren operativen Gewinn von 381 Millionen Dollar hat Facebook damit für jeden Dollar Umsatz mehr 1,021 Dollar aufgewendet. Da werden schon einmal rasch Erinnerungen an die New-Economy-Ära wach, wonach nicht die Knappheit der Güter deren Preis bestimmt, sondern erst ihre universelle Verfügbarkeit und Unternehmen erst einmal wachsen müssen, bevor sie richtig Geld verdienen können.

          Und just dies ist die Ursache des Gewinnrückgangs. Dieser beruht zum einen auf dem Ausbau der technischen Infrastruktur, aber auch auf höheren Ausgaben für den Ausbau der Werbeabteilung und der zielgruppenspezifischen Werbung. Laut Facebook wird der Anteil dieser Kosten am Umsatz im laufenden Jahr höher sein als 2011. Das bedeutet, dass 2012 mit niedrigeren Margen zu rechnen ist.

          Mehr User bedeuten nicht mehr Gewinn

          Zu spüren bekam Facebook auf der Einnahmenseite zudem per saldo unveränderte Anzeigenpreise und eine Verschiebung des Anzeigenvolumens nach Asien und Südamerika. Dort sind die Preise niedriger. Da zu allem Überfluss die preise in Europa fielen, konnten auch höhere Preise in Nordamerika dies nicht überkompensieren.

          Die Facebook-Zahlen zeigen, dass im Internet mehr User nicht automatisch mehr Gewinn bedeuten. Im Gegenteil: Trotz 56 Millionen monatlich aktiver Nutzer mehr machte das Unternehmen 97 Millionen Dollar weniger Gewinn, bezogen auf die Ergebnisse des vierten Quartals 2011. Die Werbeerlöse fielen vielmehr um 71 Millionen Dollar. Allein 43 Millionen Dollar weniger nahm Facebook dabei in Nordamerika ein. Bei unveränderten Anzeigeerlösen bedeutet das, dass die Anzeigenauslieferungen gesunken sind. Facebook macht saisonale Effekte dafür verantwortlich, was insofern plausibel erscheint, als das Weihnachtsgeschäft in das vierte Quartal fällt.

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