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Börsengang : Facebook geht lieber an die Nasdaq

  • -Aktualisiert am

Computerhandel: Facebook geht an die Technologiebörse Nasdaq Bild: dpa

Das soziale Netzwerk Facebook strebt an die Heimatbörse von Apple und Google. Analysten sehen darin einen bedeutenden Sieg für die Nasdaq.

          Die Aktien des sozialen Netzwerks Facebook sollen an der elektronischen Börse Nasdaq gelistet werden. Das berichten übereinstimmend amerikanische Medien. Damit sticht der amerikanische Börsenkonzern Nasdaq OMX seinen größeren Erzrivalen Nyse Euronext im Wettbewerb um den prestigereichen größten Börsengang eines Technologieunternehmens aus.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Nasdaq gilt seit langem als favorisierte Börse von Technologieunternehmen. Sieben der nach Börsenwert größten amerikanischen Technologieunternehmen sind dort notiert, darunter der Computerhersteller Apple, die derzeit wertvollste Aktiengesellschaft. Auch der Softwareanbieter Microsoft, das Internetunternehmen Google und der Halbleiterhersteller Intel besitzen ein Börsenkürzel der Nasdaq. Die New York Stock Exchange (Nyse) ist allerdings die Börsenheimat des nach Microsoft drittgrößten Technologiekonzerns IBM.

          Scharfer Wettbewerb unter den Börsen

          Obwohl die Nasdaq bei Technologiewerten in der Regel die Nase vorn hat, ist der Wettbewerb unter den beiden größten amerikanischen Aktienbörsen um Debütanten aus der Branche scharf. Im vergangenen Jahr war es der Nyse gelungen, das soziale Karrierenetzwerk Linkedin und das Internetradio Pandora auf das Parkett der Traditionsbörse zu holen. Andere prominente Börsenneulinge aus der Internetbranche wie der Spieleanbieter Zynga oder die Rabattplattform Groupon allerdings hatten zuletzt die Nasdaq vorgezogen. „Es ist ein starker, bedeutender Sieg der Nasdaq, was zweifellos für Schwung bei zukünftigen Listings sorgt“, sagte Analyst Richard Repetto vom Wertpapierhaus Sandler O’Neill dem „Wall Street Journal“. Facebook hatte den Börsenprospekt im Februar vorgestellt, bisher jedoch keine Angaben zum Handelsplatz gemacht. An der Wall Street wird mit einem Börsengang im Mai gerechnet. Analysten schätzen, dass Facebook Aktien im Wert von 10 Milliarden Dollar emittiert. Unter amerikanischen Unternehmen übertrafen bisher nur die Börsengänge des Kreditkartennetzwerks Visa, des Autoherstellers General Motors und der Mobilfunkgesellschaft AT&T Wireless diese Größe.

          Gebühren für das Listing von Unternehmen und damit verbundene Dienstleistungen, etwa den Verkauf von Marktdaten, sind ein wichtiger Umsatzbringer für Börsen. Bei der Nyse belaufen sich diese Gebühren für ein Unternehmen auf bis zu 500.000 Dollar pro Jahr. Die Nasdaq hat ihre Listing-Gebühren auf 100.000 Dollar begrenzt. Bei der Nasdaq OMX entfielen im vergangenen Jahr 19 Prozent der Gesamteinnahmen auf Listings. Nyse Euronext generierte 17 Prozent der Einnahmen damit.

          „Wichtig für das Prestige der Börsen“

          Obwohl der Nyse der Börsengang von Facebook entgeht, hat die Börse an der Wall Street in der Regel einen größeren Anteil an Börsendebüts. Im vergangenen Jahr waren 61 Unternehmen an die Nyse gegangen, die Aktien im Volumen von mehr als 28 Milliarden Dollar emittierten. Die Nasdaq landete 50 Börsengänge, allerdings nur mit einem Gesamtvolumen von gut 9 Milliarden Dollar. Das Emissionsvolumen der 1971 gegründeten Nasdaq übertraf nur in den Jahren 1996, 1999 und 2000 das der mehr als 200 Jahre alten Nyse. Damals hatte sich eine spekulative Blase von Technologieunternehmen gebildet, die danach spektakulär platzte.

          Auswirkungen auf die Marktanteile am Handel mit den Aktien hat ein Listing nach Ansicht von Fachleuten allerdings nicht, da Aktien nicht zwingend an ihrer Heimatbörse gehandelt werden müssen. „Es ist wichtig für das Prestige der Börsen, und ich bin sicher, dass die Nyse sehr enttäuscht ist, aber ich glaube nicht, dass das für die Marktanteile einer Börse am Handel relevant ist“, sagte Mike Bleich, Vorstandschef des Börsenmaklers Scout Trading der Nachrichtenagentur Bloomberg. In diesem Jahr wurden nur knapp ein Drittel der an Nyse und Nasdaq notierten Aktien auch dort gehandelt. Elektronische Handelsplattformen wie Bats haben den beiden größten Börsen in den vergangenen Jahren Marktanteile abgenommen.

          Nach Medienberichten hatte die Nasdaq im Wettbewerb um Facebook von Anfang an die Nase vorn. Den Ausschlag hat demnach gegeben, dass andere berühmte High-Tech-Gesellschaften dort notiert sind und der junge Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sich als neuester Vertreter innovativer amerikanischer Technologieunternehmer sieht. „Ich glaube, Mark Zuckerberg will in einem Zug mit Bill Gates, Michael Dell und Steve Jobs genannt werden“, sagte Philip Panaro, Vorstandsvorsitzender der Beratungsgesellschaft IM2 Consulting. Die Kultur von Facebook richte sich eher an diesen Gründernamen und den damit verbundenen Technologiemarken wie Microsoft, Dell, und Apple aus. „Am Ende des Tages ging es einzig um sein Vermächtnis“, meint Panaro.

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