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Erster Börsengang 2015 : Tele-Columbus-Aktie hat gute Chancen

Videokabel Bild: Reuters

Der erste Börsengang des Jahres steht an: Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus kommt an den Markt. Die Chancen stehen gut, die Branche ist gefragt.

          Das Geschäft mit Börsengängen ist in Deutschland mühsam, auch wenn es sich im vergangenen Jahr mit den Parkettstarts des Modehändlers Zalando, der Internet-Holding Rocket Internet oder dem Bauzulieferer Braas Monier deutlich verbessert hat.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun steht schon der erste Börsengang 2015 bevor: Der drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Tele Columbus bietet von heute bis zum Mittwoch der kommenden Woche 52,7725 Millionen Aktien zum Preis zwischen 8 und 12 Euro feil. Zudem steht noch eine Mehrzuteilungsoption von 3,75 Millionen Aktien zur Verfügung, um die das Kapital noch erhöht werden kann.

          Variable Kapitalerhöhung

          Der Umfang der Kapitalerhöhung ist variabel. Mindestens 300 Millionen Euro soll diese einbringen und bis zu 37,5 Millionen Aktien umfassen. Kann Tele Columbus die Aktien nur am unteren Ende der Preisspanne verkaufen, so wird diese in jedem Fall vollständig plaziert. Liegt der Emissionspreis höher, so werden entsprechend weniger Aktien aus der Kapitalerhöhung verkauft.

          Dagegen sollen die 15,2725 Millionen Aktien aus dem Besitz der Alt-Eigentümer in jedem Fall abgegeben werden, natürlich sofern ausreichend Nachfrage vorhanden ist. Der derzeitige Eigentümer ist eine Finanzholding von Banken und Hedgefonds, die im Zuge der Sanierung des Unternehmens im Jahr 2009 Kredite in Eigenkapital getauscht hatten. Das gesamte Angebotsvolumen liegt damit zwischen 400 und 485 Millionen Euro.

          Geld für den Schuldenabbau

          Läuft der Börsengang nach Plan, so wird der Streubesitz künftig zwischen 80 und 92 Prozent betragen. Tele Columbus hatte dem Vernehmen nach den Wertpapierprospekt schon Mitte Oktober 2014 veröffentlichen wollen und müsse sich jetzt sputen, weil ansonsten die Bilanz des Jahres 2014 vorgelegt werden müsse.

          Mit dem zufließenden Geld will die hauptsächlich in Ostdeutschland vertretene Gesellschaft ihre Schuldenlast senken und in den Ausbau der eigenen Kabelnetze investieren. Der Schuldenabbau ist bitter notwendig. Zum 30. September 2014 wies die Gesellschaft ein Eigenkapitaldefizit von 15 Prozent aus, das damit seit dem Vorjahreszeitpunkt um 6 Prozentpunkte gestiegen ist. 630 Millionen Euro betragen die Finanzverbindlichkeiten, die damit 94 Prozent der Bilanzsumme erreichen. Fällig sind sie in den Jahren 2017 und 2018, zuletzt wurden die Laufzeiten im Februar 2014 noch einmal verlängert.

          Rund 250 Millionen Euro aus dem Nettoerlös der Kapitalerhöhung sollen für die Schuldenrückzahlung genutzt werden. Bleibt alles andere gleich, so resultiert danach eine recht akzeptable Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent. Zudem würde dies auch das Ergebnis merklich entlasten. Im Geschäftsjahr 2013 fiel ein Verlust von 8,6 Millionen Euro bei einem Umsatz von 206 Millionen Euro an. Die Nettofinanzierungsaufwendungen betrugen rund 14 Prozent des Umsatzes.

          Tele Columbus verfolgt das Ziel, die Zahl der Produkte pro Kunde mittelfristig von aktuell 1,43 auf 1,7 und den durchschnittlichen monatlichen Erlös pro Kunde von 14 Euro auf 17 Euro zu erhöhen. Der Anteil der internetfähig aufgerüsteten Haushalte soll von 54 auf 70 Prozent klettern. Bloomberg-Analyst Erhan Gurses sieht in den niedrigen Erlösen pro Kunde Wachstumspotential, zumal das Netzwerk des Unternehmens auf dem neuesten technischen Stand sei.

          Nachdem die jüngsten Börsengänge wieder mehr Zuspruch verzeichneten, stehen die Zeichen für Tele Columbus ganz gut, zumal der Börsengang des Wettbewerbers Kabel Deutschland seit 2010 eine Erfolgsgeschichte ist. Auch andere Kabel-Aktien und -Börsengänge der jüngeren Zeit, so etwa der französischen Numericable, haben sich gut entwickelt.

          Analyst Gurses ging vor Veröffentlichung der Emissionsspanne von einem Unternehmenswert von 982 Millionen Euro aus, was im Rahmen des Branchenüblichen gewesen wäre. Bei der aktuellen Emissionsspanne ist das Unternehmen mit maximal 732 Millionen Euro bewertet, so dass dies recht günstig erscheint. Nichtsdestoweniger will die Verschuldung gut gemanagt sein und auch die angestrebten Erlösziele wollen erst einmal erreicht sein.

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