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Börsengang : Eine halbe Milliarde für Candy Crush

Aktuell ein Hit: Kings „Candy Crush“ Bild: dpa

Der Börsengang soll dem Entwickler des Smartphone-Spielehits „Candy Crush Saga“ mehr als eine halbe Milliarde Dollar einbringen. Die Emission ist riskant.

          Wer auf dem Smartphone nicht gerade „Quizduell“ der schwedischen FEO Media spielt, der toucht und wischt bei „Candy Crush Saga“ um sein leben und Punkte. Das gilt jedenfalls für sehr viele Besitzer der klugen Mobiltelefone, ist doch Candy Crush das Gratis-Spiel, das im vergangenen Jahr am häufigsten heruntergeladen wurde. Seit ihrem Start 2012 wurde die App mehr als 500 Millionen mal installiert.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Entwickler, King Digital, kündigte vor drei Wochen seinen Börsengang an und vermeldete am Mittwoch die Preisspanne, in der die 22,2 Millionen Aktien angeboten werden. 21 bis 24 Dollar soll das Stück kosten. Das bringt Erlöse von bis zu 533 Millionen Dollar, wovon schätzungsweise bis zu 364 Millionen Dollar bei dem irischen Unternehmen hängenbleiben.

          King Digital wird damit mit 7,6 Milliarden Dollar bewertet. Candy Crush war es auch, das 2013 die Umsätze des Unternehmens förmlich explodieren ließ. Nach eher bescheidenen 164 Millionen Dollar setzte King 2013 1,88 Milliarden um. Rund drei Viertel davon entfielen auf  Candy Crush Saga, weitere 17 Prozent auf „Pet Rescue Saga“ und „Farm Heroes Saga“. Die anderen 177 Spiele des Unternehmens brachten lediglich 94 Millionen Dollar ein. Die Umsätze stammen aus dem Kauf virtueller Gegenstände, die das Spiel erleichtern. Dabei fiel ein Gewinn von 567,6 Millionen Dollar an, nach 7,845 Millionen im Jahr davor.

          Bewertet wird King damit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 11,6 und 13,3 auf Basis des vergangenen Jahres. Das wirkt zunächst recht preiswert.

          Doch es ist mehr als fraglich, ob King ein weiterer Hit gelingen wird. Dem Überraschungserfolg von Candy Crush stehen zwei mäßig aufgenommene Spiele und 177 Spiele gegenüber, mit denen das Unternehmen gerade einmal 500.000 Dollar Umsatz gemacht hat. Und immerhin ist King schon zehn Jahre am Markt.

          Zehn Jahre brauchte man für Candy Crush und die Umsätze des Spiels schwächten sich im vierten Quartal 2013 schon ab. Der Markt ist wettbewerbsintensiv und noch nicht einmal die Spielideen von King - gerade von Candy Crush - sind besonders innovativ. Dabei wäre es falsch, von einer innovativen Spielidee auf einen Markterfolg zu schließen, gilt die Spielindustrie doch als unberechenbar.

          Zynga, das einst mit „Farmville“ brillierte, verzeichnet seit zwei Jahren fallende Umsätze. Mittlerweile liegen diese wieder auf dem Niveau des Jahres 2010. Selbst Activision Blizzard verzeichnet seit Jahren im Trend kein wirkliches Wachstum. Dabei hat das Unternehmen Hits wie „World of Warcraft“ und „Call of Duty“ entwickelt, die sogar weniger angreifbar sind als „Candy Crush“. Zudem sind in der Branche „One-Hit-Wonder“ nicht selten: Harmonix brachte einst 2009 mit „Guitar Hero“ das Must-Have-Spiel des Jahres heraus. Am Ende wurde das Unternehmen für 50 Dollar verkauft.

          Das Zusammentreffen eines Überraschungserfolgs, ein rascher Börsengang und die Tatsache, dass mit einem Anteil von 48 Prozent der Finanzinvestor Apax beteiligt ist, gibt zudem Anlass davon auszugehen, dass hier vor allem rasch Kasse gemacht werden soll. Gleichwohl wird der Anteil von Apax nur auf 44 Prozent fallen - ganz so eilig haben es die Investoren also doch noch nicht.

          King Digital will die Erlöse in die Unternehmensfinanzierung und in Akquisitionen stecken. Es bleibt zu hoffen, dass das Geld gut angelegt wird. Denn auf einem Bein ist auf die Dauer schwer laufen. Vor allem dann, wenn es die Konkurrenz ständig wegzuziehen versucht.

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