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Börsengang : Aktie von Schmack Biogas kommt in schwerer Zeit

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Bild: FAZ.NET

Mit Schmack Biogas wagt der erste Vertreter der Branche den Gang auf das Börsenparkett. Das Klima für die Branche ist nicht ungünstig, das für Neuemissionen schon eher. Die Aktie ist für's erste nicht preiswert. Langfristig oder spekulativ kann sie aber interessant werden.

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          Erneuerbare Energien sind an den deutschen Börsen seit Jahren ein Thema. Vor einigen Jahren verzeichneten Windenergie-Aktien eine stürmische Entwicklung. 2005 brannten die Kurse der Solarwerte lichterloh, und auch Biodiesel-Unternehmen konnten an der Börse Geld tanken.

          Ist jetzt die Reihe an den Biogaswerten? Das wird sich zeigen. Biomassefonds sind bereits seit längerer Zeit im Vertrieb. Jetzt versucht mit Schmack Biogas ein Spezialist für Projektierung, Bau und Betrieb von Biogasanlagen den Schritt auf das Börsenparkett.

          EEG fördert Umsatz

          Das Unternehmen bietet noch bis zum Dienstag insgesamt 2,3 Millionen Aktien zur Zeichnung an. 1,2 Millionen stammen aus einer Kapitalerhöhung, 800.000 aus dem Besitz der Altaktionäre. Dabei handelt es sich um eine ganze Reihe von Aktionären. Die größten Pakete geben die zu 48 Prozent von Vorstand Herbert Abel gehaltene Abel Beteiligungs-GmbH und die zum Sparkassenverbund gehörende S-Refit AG (S-Regionaler Finanzierungsfonds für Innovationen und Technologieunternehmen) ab.

          Kosten sollen die Anteilsscheine zwischen 28 und 34 Euro. Das Emissionsvolumen beträgt damit zwischen 56 und 78,2 Millionen Euro. Mit den frischen Geldern aus dem Börsengang will Firmenchef und Großaktionär Ulrich Schmack das Stammgeschäft ausbauen sowie den Einstieg in den Eigenbetrieb von Anlagen als Energieerzeuger für Strom und Gas finanzieren. Bislang beliefert Schmack Biogas vorwiegend Landwirte mit seinen Anlagen, will aber zunehmend auf professionelle Energieerzeuger umsteigen.

          Die 1995 gegründete Firma aus dem oberpfälzischen Schwandorf hatte 2005 ihren Umsatz auf 34,1 Millionen Euro verdoppelt und einen operativen Gewinn von 2,8 (2004: minus 0,5) Millionen Euro erzielt. Das Jahr war sehr gut verlaufen, sowohl Umsatz als auch Ergebnis lagen über Plan. 93 Prozent der Umsätze kamen aus dem Anlagenbau. Dabei war dem Unternehmen die Verabschiedung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im August 2004 zugute gekommen.

          Erstes Quartal witterungsbedingt negativ

          Für das Jahr 2004 findet sich im Börsenprospekt kein Lagebericht. 2003 hingegen war kein gutes Jahr gewesen - eben weil sich das EEG verzögert hatte. Aufträge konnten nicht gewonnen werden, Ausführungen verzögerten sich oder wurden storniert, so daß schließlich Gesellschafterdarlehen dem Unternehmen über die Runden helfen mußten.

          Im ersten Quartal des laufenden Jahres habe man dagegen den Umsatz um 185 Prozent auf 6,58 Millionen Euro steigern können. Der Auftragsbestand sei um 245 Prozent auf 73,3 Millionen Euro gestiegen. Im weiteren Lauf des Geschäftsjahres rechnet Schmack mit einem weiter guten Geschäftsverlauf, wenngleich dieser witterungsbedingt etwas schwanken könne.

          Indes war das Periodenergebnis mit einem Verlust 1,626 Millionen Euro negativ. Dieser stieg aber gegenüber dem Umsatzzuwachs mit plus 20 Prozent deutlich unterproportional. Witterungsbedingt komme es im ersten Quartal stets zu einer „Degression der Einspeisevergütungen“.

          „Lebhafte Nachfrage“ am Graumarkt

          Die konsortialführende Hypovereinsbank erwartet, daß die Umsatzrendite von mehr als acht Prozent im Jahr 2005 bis 2010 auf über 15 Prozent ansteigt. Bis 2010 soll das Ergebnis demnach im Schnitt jährliches um 39 Prozent steigen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis taxiert die Bank für das laufende Jahr auf 42 bis 50 und für 2007 auf 16,5 bis 20.

          Das ist mit Blick auf das laufende Jahr nicht allzu günstig, zumal die Ertragsentwicklung immer noch vom politischen Willen einerseits und von der Entwicklung der Preise konventionell erzeugter Energie abhängt. Wer nicht auf unmittelbare Zeichnungsgewinne spekuliert, sollte daher einen längeren Atem mitbringen.

          Andererseits ist das Klima für eine neuen Zweig der regenerativen Energien günstig. Das suggerieren auch die Graumarktpreise. Bei Lang & Schwarz wird die Aktie derzeit mit 37,50 zu 38,50 Euro gehandelt und notiert damit unter den jüngsten Neuemissionen am deutlichsten über der Zeichnungsspanne.

          „Es gibt lebhafte Nachfrage nach Aktien von Schmack Biogas“, sagt Stefan Chmielewski vom Brokerhaus Lang & Schwarz. Das Branchenumfeld stehe derzeit stark im Fokus. Insofern läßt sich auf Zeichnungsgewinne spekulieren.

          2006 kein gutes Jahr für Neuemissionen

          Andererseits ist das laufende Jahr für Neuemissionen in dieser Hinsicht nicht unbedingt sehr günstig verlaufen. Mit Ausnahme von SAF und Magix, die zum Ausgabepreis starteten, verzeichneten zwar alle Werte Zeichnungsgewinne - 47 Prozent allerdings unter zehn Prozent und ein Drittel zwischen zehn und 20 Prozent. Lediglich Bio-Gate starteten besser (siehe Infografik).

          Noch ernüchternder ist die längerfristige Bilanz. Nicht einmal die Hälfte der Aktien schaffte es, den ersten Kurs um mehr als zehn Prozent zu übertreffen, ein Drittel blieb unter einem Prozent. Dabei stießen die meisten noch auf ein günstigeres Umfeld, als das, mit dem es Schmack Biogas jetzt zu tun hat. Dennoch liegen nur noch 40 Prozent der Aktien gegenüber dem Ausgabepreis im Plus (siehe Infografik).

          Andererseits gehören die Gewinner allesamt zu populären Branchen: Nanotechnik, Beteiligungsunternehmen, Immobilien, Ölgeschäft - und Wacker Chemie. Legt man dies zugrunde, ist eine Spekulation durchaus möglich. Ein gewisses Risiko bleibt allemal, daher ist es nicht ungünstig, wenn man mögliche anfängliche Kursverluste auch gegebenenfalls aussitzen kann.

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