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Börsengänge : Wacker will hohe Kurse am Aktienmarkt nutzen

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Wacker-Chef Georg Sick: „Radikale Abkürzung” Bild: AP

Der Baumaschinenhersteller Wacker nimmt den zweiten Anlauf an die Börse und stemmt nebenbei ein Fusion. Die Anleger werden für die Aktie wohl mehr zahlen müssen, als sie im Juni 2006 geboten haben.

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          Der Baumaschinenhersteller Wacker Construction hat es eilig. Beflügelt von einem hohen Auftragsbestand und den Wachstumsaussichten durch die bis Anfang August geplante Fusion mit der österreichischen Familiengesellschaft Neuson Kramer, nimmt Wacker zum zweiten Mal binnen elf Monaten Anlauf zur Börse.

          Vorstandsvorsitzender Georg Sick ließ vor Journalisten durchblicken, dass die Erfahrungen aus dem im Juni 2006 kurzfristig abgesagten Börsengang den Zeitpunkt für den abermaligen Gang zur Börse nun mitbestimmt hätten. Im Juni 2006 waren die Aktienkurse weltweit seit mehreren Wochen auf Talfahrt gewesen. „Wir ziehen das jetzt durch“, sagte Sick. Er verwies auf die derzeit stabil hohen Aktienkurse, gab zugleich aber zu, es sei erklärungsbedürftig, dass ein Unternehmen an die Börse gehe, das einen wichtigen Zusammenschluss noch nicht vollzogen habe.

          „Wir haben die Produkte, Wacker die Märkte“

          Für Wacker wäre die Fusion mit Neuson Kramer offenkundig wegweisend. „Wir wollten seit langem in die Kompaktklasse. Dieser Zusammenschluss ist eine radikale Abkürzung in der Entwicklung unseres Unternehmens - wir gewinnen 15, vielleicht 20 Jahre“, schwärmt Sick. Bislang stellt Wacker überwiegend leichtes Baugerät wie Aufbruchhämmer und Trennschneider her.

          Das Marktwachstum in der Kompaktklasse zum Beispiel mit Radlagern war indes in den vergangenen Jahren höher als im Markt für Leichtgeräte. „Wir haben die Produkte, Wacker die Märkte“, sagte der Gründer von Neuson und künftige Aufsichtsratsvorsitzende des fusionierten Unternehmens, Johann Neunteufel, zur Logik des Zusammenschlusses. Dabei spielte Neunteufel auf das Vertriebsnetz von Wacker an. Das 1848 als Schmiede gegründete Unternehmen mit Sitz in München hat inzwischen weltweit 30 Tochtergesellschaften und 160 Niederlassungen in der Welt. Sick betonte, kein Arbeitsplatz werde wegen der Fusion mit Neuson gestrichen, da es keine Überlappungen bei den Produkten gebe.

          Vielmehr dient der Börsengang auch dem Erlös von Mitteln für einen Ausbau der Kapazitäten. Während Wacker in der Produktion von leichtem Baugerät die Mitarbeiter derzeit bis zu 48 Stunden wöchentlich arbeiten lässt, werden für die Kompaktklasse sogar neue Werke gebaut. So will Wacker 2007 nochmals mehr investieren als im Jahr 2006 mit 45 Millionen Euro. Durch den Börsengang sollen durch die Ausgabe von 8,5 Millionen junger Aktien 97,5 bis 180 Millionen Euro dem Unternehmen zufließen. Die Spanne ist so weit, um zu Beginn der Werbetour vor Anlegern den Unternehmenswert offen zu lassen. Die Preisspanne, zu der das Aktienangebot gezeichnet werden kann, soll erst am 8. Mai veröffentlicht werden.

          „Kramer“ - die „Harley“ auf dem Baumarkt

          Als sicher kann indes gelten, dass die Anleger mehr für Wacker zahlen müssen, als sie im Juni 2006 geboten haben. „Es war sicherlich eine der besseren Entscheidungen, den Börsengang zu verschieben“, sagt Sick rückblickend. Analysten hatten damals unterstellt, dass Wacker 2006 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 95 Millionen Euro erzielen würde; tatsächlich erreicht hat Wacker ein Ebitda von 100 Millionen Euro bei einem Umsatz von 620 Millionen Euro. Gemeinsam mit Neuson soll das dann als Wacker Neuson AG firmierende Unternehmen 2008 mehr als eine Milliarde Umsatz erzielen.

          Die Marke Kramer, die Sick zufolge auf dem Baumarkt einen Ruf wie „Harley“ auf dem Motorradmarkt habe, bleibe erhalten. Neuson Kramer erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 263 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 45 Millionen Euro. Analysten schätzen den Unternehmenswert nach Kapitalerhöhung, aber noch ohne Neuson auf 800 bis 1,1 Milliarden Euro, nach rund 650 Millionen Euro im Sommer 2006.

          Dieser „alte“ Unternehmenswert war indes maßgeblich, als der Finanzinvestor Lindsay Goldberg & Bessemer nach dem gescheiterten Börsengang im November 2006 seinen Anteil von 31 Prozent an die Familie Wacker verkaufte. Den vor vier Monaten für den Kauf dieser 13 Millionen Aktien aufgenommenen Kredit will die Familie nun ablösen, indem sie das Paket über die Börse verkauft. Sollten der Zusammenschluss mit Neuson und die Kapitalerhöhung klappen, wird die Familie Wacker ihren von 90 Prozent auf 34 Prozent abgeschmolzenen Anteil mit dem Anteil der Neuson-Aktionäre von 39 Prozent zusammenführen und so die Mehrheit an Wacker Neuson halten. Im Streubesitz wären dann nur noch 26 Prozent der Aktien.

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