https://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/boersengaenge-nicht-mal-die-liebe-oeffnet-das-portemonnaie-der-anleger-13921534.html

Börsengänge : Nicht mal die Liebe öffnet das Portemonnaie der Anleger

OkCupid von Match.com Bild: dpa

Match, Square und ABN Amro mühen sich an die Börse. Sie sinbd nicht die ersten und wohl nicht die letzten. Offenbar kaufen die Anleger lieber nachher.

          2 Min.

          Acht Jahre nach der Verstaatlichung ist die niederländische Bank ABN Amro an die Börse zurückgekehrt. Das Geldhaus startete erfolgreich auf dem Parkett in Amsterdam. Der erste Kurs von ABN Amro lag mit 18,18 Euro 2,4 Prozent über dem Ausgabepreis von 17,75 Euro.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit ist es auch den Niederlanden gelungen, sich ein Stück weit von Altlasten aus der Finanzkrise zu verabschieden. Der Staat hatte ABN Amro 2008 für 17 Milliarden Euro gekauft und fünf Milliarden in deren Sanierung gesteckt. Jetzt hat er für knapp ein Viertel seiner Anteile 3,3 Milliarden Euro eingenommen. Allerdings war das weniger als erhofft.

          Bis zu 20 Euro hatten die Niederlande ursprünglich für eine Aktie haben wollen. Ob sie so die Investitionen mit dem Börsengang zurück verdienen können, ist damit unsicher. Die restlichen Anteile der Bank sollen schrittweise in den kommenden Jahren an die Börse gebracht werden.

          Sex-App erst im Börsenhandel gefragt

          Nicht wirklich erfolgreich verlief auch der Börsengang von Match.com. Der Tinder-Gründer und Vorstandsvorsitzende Sean Rad ist zwar immer für einen Skandal gut. Am Vorabend des Börsengangs der Match Group, zu der die Dating-App Tinder gehört, prahlte er noch mit der Zahl seiner Sexpartnerinnen („Ist 20 niedrig?“) und damit wie ein Supermodel ihn vergebens um Sex angefleht habe. Seine App jedenfalls, eine Art Kontaktanzeige der modernen Zeit, sei, was die Welt brauche, so der 29 Jahre alte Multimillionär.

          Nicht so die Match.com-Aktie. Die Titel stießen auf eine nur schleppende Nachfrage. Sie konnten am Donnerstag beim Börsengang nur am unteren Rand der Preisspanne zu 12 Dollar ausgegeben werden, immerhin aber schloss der Handel am ersten Börsentag bei 14,74 Dollar.

          Das Unternehmen, zu dem in Deutschland die Seite Friendscout24.de gehört, kommt immerhin auf einen Börsenwert von knapp drei Milliarden Dollar. 59 Millionen Menschen nutzen die entsprechenden Dienste, 4,7 Millionen zahlen dafür. Der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres stieg um 16 Prozent auf 753 Millionen Dollar. Der Gewinn ging um 15 Prozent auf 85 Millionen Dollar zurück. Auch nach dem Börsengang, der rund 400 Millionen Dollar einspielte, bleiben 80 Prozent der Aktien in den Händen des Internetkonzerns IAC.

          Noch nicht profitabel ist indes Square, der Anbieter von Lesegeräten, mit denen Händler Kartenzahlungen auf ihren Smartphones und Tablets annehmen können. Hier war die Reaktion der Investoren noch frostiger. Zu 11 bis 13 Dollar waren die Aktien den Investoren angeboten worden. Der Ausgabepreis von 9 Dollar spricht für eine miserable Nachfrage nach den Aktien des von Jack Dorsey gegründeten und geführten Unternehmens, der zugleich auch Twitter-Vorstandsvorsitzender ist.

          Der geplante Erlös aus dem Börsengang sackte damit auf 243 Millionen von rund 350 Millionen Dollar. Erst mit Aufnahme des Börsenhandels änderte sich die Wahrnehmung der Anleger. Der Aktienkurs stieg um 45 Prozent bis auf fast 13,07 Dollar. Der Börsenwert beträgt damit allerdings immer noch nur rund 4 Milliarden Dollar. Noch vor einem Jahr war das Unternehmen bei einer Finanzierungsrunde mit etwa 6 Milliarden Dollar bewertet worden.

          Auch deutsche Börsengänge haben Hinkefüße

          Die damaligen Investoren hatten sich jedoch positive Renditen zusichern lassen (Ratchet-Klauseln, F.A.Z. vom 12. November). Sie erhalten zum Ausgleich eine höhere Zahl an Aktien. Dorsey bleibt mit einem Viertel der Anteile größter Anteilseigner. In den ersten neun Monaten des Jahres stieg zwar der Umsatz von Square um 50 Prozent auf knapp 900 Millionen Dollar. Der Verlust betrug aber 131 Millionen Dollar.

          Auch hierzulande gab es im Herbst zwar eine Reihe von Börsengängen. Covestro, Schaeffler, Hapag-Lloyd und Steilmann hatten aber alle große Zugeständnisse an die Investoren machen müssen. Nur die Scout-24-Gruppe konnte ihre Aktien in der Mitte der Preisspanne vollständig plazieren. Dabei haben die nur Autos und Immobilien und keine Liebe im Angebot.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jürgen Trittin am Mittwoch in Berlin

          Jürgen Trittin im Interview : „Wir sind noch Friedenspartei“

          Der Außenpolitiker der Grünen spricht über seine Zeit bei der Bundeswehr und erläutert, warum es richtig war, die Truppe mit mehr Geld auszustatten. International sieht er sich fest an der Seite der Vereinigten Staaten.
          Im Tarifdschungel: Reisende an Fahrscheinautomaten der Deutschen Bahn am Frankfurter Hauptbahnhof

          Entlastungspaket : Preissprung nach dem 9-Euro-Ticket

          Drei Monate lang konnte man für nur 9 Euro durch Deutschland fahren. Doch in zwei Wochen ist die große Rabattaktion im ÖPNV Geschichte. Danach kennen die Preise vor allem eine Richtung: nach oben. Wie geht es weiter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.