https://www.faz.net/-gv6-qh1a

Börsengänge : Kabel-Aktien auf der Zielgeraden zur Börse

  • -Aktualisiert am

Die Zentrale des Neulings Bild: Andreas Müller

An diesem Freitag legt Kabel Deutschland den Ausgabepreis für die zum Börsengang angebotenen Aktien fest. Er könnte dank anscheinend hoher Nachfrage angelsächsischer Investoren in der Mitte der Preisspanne liegen.

          2 Min.

          Der größte Börsengang in Deutschland seit zweieinhalb Jahren ist offenbar erfolgreich auf die Zielgeraden eingebogen. An diesem Freitag wird Kabel Deutschland den Ausgabepreis für die 34,5 Millionen Aktien festlegen, die im Vorgriff auf das am Montag geplante Börsendebüt angeboten wurden. In Finanzkreisen hieß es am Donnerstag, es gebe allein 30 bis 40 institutionelle, überwiegend angelsächsische „Kerninvestoren“, deren Nachfrage das Angebot übersteige.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darüber hinaus gebe es weitere mehr als 200 Kaufinteressenten. Vermutet wird, dass der Ausgabepreis in der Mitte der von 21,50 bis 25,50 Euro reichenden Preisspanne liegen wird. Damit würde Kabel Deutschland rund 800 Millionen Euro erlösen - mehr als SMA Solar im Sommer 2008, aber weniger als der Hamburger Hafenbetreiber HHLA im November 2007.

          Erste Handelstage zuletzt wenig erfolgreich

          In den vergangenen Monaten sind mehrere Börsenaspiranten am Sprung auf das Börsenparkett gescheitert. Seit Jahresanfang aber hat sich das Geschäft in Europa belebt. In Deutschland, wo es noch keinen Börsengang im Jahr 2010 gab, wollen neben dem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland auch der Modekonzern Tom Tailor, der Chemikalienhändler Brenntag und das chinesische Unternehmen Joyou noch vor Ostern an die Börse. Auch Tom Tailor wird an diesem Freitag weitere Details zu seinem Börsengang nennten.

          Allerdings haben Anleger trotz der allgemein guten Kursentwicklung mit den letzten 15 europäischen Börsengängen in diesem Jahr nur in sechs Fällen an den ersten beiden Handelstagen Geld verdient. Ein Schock war zuletzt die Aktienneuemission des russischen Metallkonzern Rusal, dessen Aktienkurs am ersten Handelstag Ende Januar um 11 Prozent einbrach.

          Viel Versprechen für die Zukunft

          Investmentbanker sind sich deshalb inzwischen im Klaren darüber, dass zu einer erfolgreichen Aktienplatzierung und einem Wiederbeleben des Marktes auch eine gute Kursentwicklung nach dem Börsengang gehört. Der Eigentümer von Kabel Deutschland seit sieben Jahren, der Finanzinvestor Providence, scheint zumindest auch darauf zu setzen, dass Kabel Deutschland an der Börse später eine Erfolgsgeschichte wird.

          Denn vor dem Börsengang schlug Providence angeblich Angebote von Finanzinvestoren aus, die Kabel Deutschland zu einem Preis von 5,5 Milliarden Euro komplett übernommen hätten. In der Mitte der Preisspanne wird Kabel Deutschland nun zum Börsengang nur mit 2,1 Milliarden Euro bewertet. Geschieht nicht noch im letzten Moment doch eine Übernahme, behält Providence nach dem Börsengang noch 62 Prozent an Kabel Deutschland und hofft, die restlichen Anteile später zu einem höheren Preis zu verkaufen.

          Der Vorstand von Kabel Deutschland hat versucht, Investoren vor dem Börsengang von einer „Mission 2-20“ genannten Wachstumsstrategie zu überzeugen. Er setzt auf deutliche Zuwächse im unterentwickelten deutschen Bezahlfernsehmarkt und Marktanteilsgewinne zulasten der Telekommunikationsanbieter im Breitbandgeschäft - beides Wachstumsfelder, die heute schon für rund ein Drittel der Einnahmen des Unternehmens stehen.

          In den kommenden fünf Jahren verspricht die KDG, den Durchschnittsumsatz je Kunde von heute 12 auf dann 20 Euro zu steigern. Von diesem Wachstum sollen 5 Euro aus dem Internet- und Telefoniegeschäft kommen und 3 Euro aus dem Fernsehgeschäft. Möglich machen soll dies das sogenannte Triple Play, also das gemeinsame Angebot von Kabelfernsehen, schnellem Internet und Festnetztelefonie.

          Damit wird die KDG zu einem Konkurrenten der Deutschen Telekom, wenngleich KDG nicht flächendeckend agiert, sondern „nur“ in 13 Bundesländern insgesamt 9 Millionen Kunden versorgt. Dafür liefert die KDG in Ballungsgebieten bereits Internet-Verbindungen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit je Sekunde, während die Telekom nur die Hälfte schafft. Einige Anleger, die die Aktien vom Kabel Deutschland zeichnen, dürften sich im Gegenzug von der Aktie der Telekom oder des Bezahlfernsehsenders Sky trennen, um ihr „Branchenrisiko“ nicht übermäßig zu erhöhen.

          Die Modernisierung des Kabelnetzes war sehr kostspielig, auf der KDG lasten mehr als 3 Milliarden Euro Schulden. Ursprünglich gehörte das Unternehmen zur Telekom, doch der frühere Monopolist musste im Jahr 2003 sein Fernsehkabel auf Druck der EU-Kommission verkaufen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.