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Börsengänge : Europas Unternehmen überholen den Rest der Welt

Einer der medienwirksamsten Börsengänge in 2014 - Der Online-Händler Zalando Bild: dpa

Der europäische Markt für Börsengänge wächst in diesem Jahr besonders dynamisch. Noch im Vorjahr hinkte Europa mit Börsengängen den Vereinigten Staaten hinterher.

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          Manche Antworten liegen auf der Hand. Doch die Frage, welches in diesem Jahr der wachstumsstärkste Markt für Börsenneulinge ist, hätten vermutlich nur wenige richtig beantwortet. Es sind nicht Länder wie die Vereinigten Staaten oder China, die in der Vergangenheit häufiger vorne lagen. Besonders schwungvoll war die Entwicklung bisher vielmehr in Europa, während sie in anderen Teilen der Welt sogar rückläufig ist. Dies ergeben Daten des Informationsdienstes Bloomberg. Noch im Vorjahr hinkte Europa mit Börsengängen den Vereinigten Staaten hinterher.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Auch eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY kommt zu dem Ergebnis, dass sich Europa zum dynamischsten Markt für Börsengänge auf der ganzen Welt entwickelt habe. Insgesamt ist demnach die Zahl der Börsendebüts im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 4 Prozent von 262 auf 252 gefallen. Das Emissionsvolumen sei sogar von 47,2 auf 38,2 Milliarden Dollar (rund 35 Milliarden Euro) gesunken - ein Minus von 19 Prozent. Europa hingegen habe sich relativ positiv entwickelt. Die Zahl der Börsengänge sei hier zwar mit 51 Debüts kaum verändert. Das Emissionsvolumen sei allerdings um 9 Prozent auf 16,3 Milliarden Dollar gestiegen, sagt EY. Im ersten Quartal 2014 hätten die Börsengänger hier 14,9 Milliarden Dollar erbracht. Damit habe Europa in diesem Jahr das größte Volumen verzeichnet - vor Asien mit 15,9 Milliarden Dollar.

          Vor allem der amerikanische Markt, wo sich das Emissionsvolumen (5,6 Milliarden Dollar) und die Zahl der Börsengänge in etwa halbiert hätten, habe im ersten Quartal an Dynamik verloren, sagt EY. Die ersten drei Monate seien hier die ruhigsten seit dem Jahr 2009 gewesen, heißt es von Bloomberg. In den Vereinigten Staaten werde die erwartete Zinswende auch in den kommenden Monaten das Klima für Börsengänge voraussichtlich belasten, sagt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs Börsengänge von EY. Europa profitiere dagegen von der anziehenden Konjunktur und dem niedrigen Eurokurs, der den Euroraum gerade für angelsächsische Investoren attraktiver mache. Zudem sei der Nachholbedarf hier besonders groß. Der europäische Markt für Börsengänge habe lange unter der Schulden- und Wirtschaftskrise in Europa gelitten, sagt Steinbach. Entsprechend viele Unternehmen würden auf eine günstige Gelegenheit für einen Börsengang warten.

          Innerhalb Europas liegt bisher Frankreich vorn. Neun Unternehmen sind hier im ersten Quartal an die Börse gegangen, nach vier im Vorjahr. Der größte Börsengang in Europa fand dagegen in Spanien statt. Die Privatisierung des Madrider Flughafenbetreibers Aena im Februar sei in diesem Jahr bisher der größte Börsengang der Welt, heißt es von EY. Dieses Debüt hat 4,26 Milliarden Euro eingebracht.

          In Deutschland gab es zwei Börsengänge: den Kabelnetzbetreiber Tele Columbus (Volumen: 544 Millionen Euro) und den finnischen Kleinkreditanbieter Ferratum (111 Millionen Euro). Im ersten Quartal 2014 hatte sich kein Unternehmen an die Börse gewagt. Steinbach rechnet trotz des verhaltenen Starts hierzulande mit einem guten Jahr für Börsengänge. Es warte viel Geld darauf, investiert zu werden. Nun müssten nur noch die Kandidaten aus der Deckung kommen. Als mögliche Börsenkandidaten gelten - wenn auch wohl nicht in diesem Jahr - die Reederei Hapag Lloyd oder Siltronic, Tochtergesellschaft von Wacker Chemie, und vielleicht auch das Filialgeschäft der Deutschen Bank.

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