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Börsengänge : Brenntag soll das Eis brechen

Brenntag: Chemieprodukte von A nach B Bild: Brenntag 2005

Wieder einmal versucht ein Unternehmen die Bahn für Börsengänge zu brechen, die derzeit durch die Kursschwankungen erschwert werden. Das milliardenschwere Börsendebüt von Brenntag sohl wohl noch vor Ostern stattfinden.

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          Der deutsche Markt für Börsengänge steht vor einer Wiederbelebung. Das hoffen zumindest die an den Aktienplazierungen verdienenden Investmentbanker sowie die Eigenkapital suchenden Unternehmen. Brenntag, Transporteur und Handelshaus für Chemikalien, soll das Eis brechen.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die frühere Tochtergesellschaft von Stinnes (Teil des Eon-Konzerns) gilt als solide und - nach mehreren Akquisitionen - auch in asiatischen Wachstumsmärkten als gut aufgestellt. Der Verkäufer, Finanzinvestor BC Partners, will noch vor Ostern Brenntag-Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro verkaufen, ist aus Finanzkreisen zu hören. Der Startschuss für den Börsengang des Chemie-Distributeurs Brenntag, der im Jahr 2008 mit 11.000 Mitarbeitern 7,4 Milliarden Euro umsetzte, dürfte dann in der kommenden Woche erfolgen.

          Optimistische Banker

          Der Markt für Börsengänge in Deutschland liegt darnieder. Die jüngsten Versuche von Hochtief Concessions und Scan Energy im vierten Quartal 2009 scheiterten an den Preisvorstellungen der Verkäufer. Die letzte größere Neuemission in Deutschland war im Juni 2008 mit 360 Millionen Euro SMA Solar - inzwischen Mitglied im Tec-Dax. Der heutige MDax-Wert Hamburger Hafen (HHLA) war im November 2007 der letzte Börsengang, bei dem mit 1,2 Milliarden Euro die Milliardengrenze durchbrochen wurde.

          Investmentbanker sind mit viel Optimismus in das Jahr 2010 gegangen, weil die Aktienkurse 2009 deutlich gestiegen sind. Somit haben börsennotierte Vergleichsunternehmen von Börsenaspiranten an Wert zugelegt. Das Vertrauen der Anleger scheint ein Stück zurück gekehrt. Daraus speist sich die Erwartung, dass auch die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern nicht börsennotierter Unternehmen jetzt eher in Einklang zu bringen sein werden als in der Krise.

          Griechenland als Rückschlag

          Hat sich allerdings ein Unternehmen für den Weg an die Börse entschieden, sind die Verkäufer zwei bis vier Wochen lang mit einer Preisspanne für die angebotenen Aktien auf dem Markt, die sich nicht mehr gesichtswahrend ändern lässt. Das ist kein größeres Problem in stabilen Kapitalmarktzeiten.

          Doch seit Mitte Januar nehmen die Turbulenzen mit den Sorgen um Griechenland zu. „Die jüngst wieder gestiegene Volatilität am Aktienmarkt wirkt sich natürlich auch auf den Markt für Neuemissionn aus“, sagt Josef Ritter von der Deutschen Bank. Deswegen habe es bei einer ganzen Reihe von Börsengängen in Europa und Amerika Anpassungen bei der Angebotsstruktur oder Verschiebungen gegeben. Den Markt für Kapitalerhöhungen schon börsennotierter Unternehmen beurteilt Ritter dagegen nach wie vor als gut. „ Wir sehen unverändert hohes Interesse.“

          Käufermarkt

          Stefan Gratzer von Credit Suisse spricht mit Blick auf Börsenneulinge von einem Käufermarkt: „Der Markt ist offen. Aber Börsenaspiranten müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Heraus sticht für die Anleger derzeit die Notwendigkeit einer über den Gesamtzyklus der Geschäftstätigkeit belastbare Bilanz.“ Die Nettoverschuldung von Industrieunternehmen sollte das Zweieinhalbfache des jährlich zu erwartenden Mittelzuflusses (“Cashflow“) nicht übersteigen.

          Wichtig sei auch, den Investoren ein eindeutiges Vergleichsunternehmen anbieten zu können. „Je risikoaverser Anleger sind, desto mehr suchen sie nach einem geeignten Vergleichswert, um eine Preisfestsetzung für den Börsenneuling vorzunehmen“, sagt Gratzer. Beim ersten Kandidaten Brenntag ist ausgerechnet das schwierig. Am ehesten vergleichbar erscheint das Geschäftsmodell mit dem in London börsennotierten britischen Büromaterialvertrieb Bunzl.

          Brenntag und andere Börsenkandidaten für 2010 wie die Berliner Wohnungsgesellschaft GSW, der Druckdienstleister Flint oder der Netzbetreiber Kabel Deutschland haben gemeinsam, dass ihr Geschäft stabile Mittelzuflüsse bietet. Verkäufer sind in der Regel Beteiligungsgesellschaften (“Private Equity“). Meist prüfen sie parallel zu einem Börsengang den Verkauf an einen strategischen Investor. Die Hauptsaison bei Börsengängen ist traditionell der April und der Mai, wenn testierte Jahreszahlen der Unternehmen vorliegen. In diesem Jahr allerdings könnte ein Großteil der Emissionen auf das zweite Halbjahr verschoben werden.

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