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Börsengänge : Bavaria Industriekapital lockt mit hohen Dividenden

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Interesse, aber für Bavaria „noch eine Nummer zu groß”: Daimler-Tochter Smart Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Beteiligungsgesellschaft Bavaria Industriekapital strebt in den Entry Standard. Besonders interessant machen den Wert die in Aussicht gestellten Dividendenzahlungen.

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          Jahrelang herrschte Börsengängflaute auf dem deutschen Parkett. Seit dem vergangenen Jahr ist alles wieder anders, neue Publikumsgesellschaften drängen schier unaufhörlich auf den Markt. Grundlage des neu erwachten Interesses ist der „Entry Standard“, der höchst geringe Anforderungen an die Unternehmen vor allem in puncto Emissionsgröße und Publizität stellt.

          Erster Kandidat für das neue Jahr ist Bavaria Industriekapital. Die Münchener Beteiligungsgesellschaft will am 26. Januar zum ersten Mal im neuen Wachstumssegment gehandelt werden. Die Geschichte des Unternehmens ist relativ rasch erzählt, denn es wurde erst vor drei Jahren gegründet. Bislang kauft Bavaria jedes Jahr drei bis vier Unternehmen, so daß sich das Portfolio mittlerweile auf zehn Beteiligungen summiert hat.

          „Turn-Around-Investor“

          Das Unternehmen versteht sich selbst als „Turn-Around-Investor“ und investiert auf diese Weise vor allem in sanierungsbedürftige Firmen. Größte Beteiligung ist die am am Autozulieferer Paulman & Crone, einem Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 70 Millionen Euro. Ebenfalls dazu gehört der Küchenhersteller Alma Küchen, der Schwerpunkt liegt mit vier Beteiligungen allerdings im Maschinenbau.

          Noch bis zum kommenden Mittwoch werden insgesamt 575.000 Aktien zum Preis von 22 bis 26 Euro zur Zeichnung angeboten. 500.000 Stück stammen aus einer Kapitalerhöhung. „Die Mehrzuteilungsoption von 75.000 Anteilsscheinen kommt vollständig aus dem Besitz von Altaktionären“, sagte Bavaria-Vorstand Jan Pyttel der Nachrichtenagentur Reuters.

          Der Emissionserlös liegt bei einer erfolgreichen Zeichnungsphase brutto zwischen 12,65 und 14,95 Millionen Euro. Vorstandsmitglied Reimar Scholz rechnete gegenüber der F.A.Z. mit netto acht Millionen Euro.

          Sprunghaftes Wachstum

          Die frischen Mittel will Bavaria zum Kauf größerer Beteiligungen verwenden. „Die Daimler-Chrysler-Tochter Smart ist noch eine Klasse zu groß für uns, aber das ist die Klasse, wo wir hinkommen wollen.“, sagte Vorstand Reimar Scholz der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings werde Bavaria auch künftig nicht mehr als drei bis vier Unternehmen im Jahr kaufen. „Erfolg ist nicht beliebig multiplizierbar“, betonte Scholz. Nach dem Börsengang befänden sich 28,4 Prozent der Anteile im Streubesitz, rund zwei Drittel verblieben beim Management.

          Nach einem ungeprüften Zwischenbericht hat die Bavaria bis zum Stichtag 7. Oktober im vergangenen Jahr 688.700 Euro und damit 4,7mal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres umgesetzt. Indes bestand der Hauptzufluß bei der Beteiligungsgesellschaft in den „sonstigen betrieblichen Erträgen“, so daß die Gesamtleistung 2,41 Millionen Euro betrug. 2004 waren es noch 441.527,92 Euro.

          Netto bleiben dabei 2,04 Millionen Euro hängen, wobei der wesentliche Abzug in den gezahlten Steuern besteht. Bavaria kommt bislang mit drei Mitarbeitern aus und hat kaum nennenswerte Verbindlichkeiten von zuletzt gerade einmal 356.883,49 Euro, fast ausschließlich gegenüber den Beteiligungsgesellschaften.

          Eingeschränkt vergleichbar mit Arques Industries

          Laut den Daten der Emissionsstudie der den Börsengang begleitenden Concord Effekten ergibt sich ein Emissions-KGV zwischen 17,3 und 20,5 auf Basis der Schätzungen für 2006 und von 11,2 bis 13,2 für 2007.

          Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sieht Vorstand Pyttel als Wettbewerber die im Kleinwerteindex SDax gelistete Arques Industries. Diese ist aktuell mit einem KGV von rund zehn für das gerade angebrochene Geschäftsjahr bewertet.

          Indes schränkt Pyttel die Vergleichbarkeit ein. Durch eine „ausgeklügelte Struktur“ sei das Risiko für Bavaria extrem gering. So beteilige sich die Gesellschaft nur über Zwischenholdings, wodurch sie die Verluste der Unternehmen nicht mittragen müsse. Dagegen würden die Gewinne an Bavaria voll ausgeschüttet. Zusätzlich erhalte die aus drei Mitarbeitern bestehende Gesellschaft Beratungsgebühren von den Portfoliounternehmen.

          Concord Effekten weist zudem daraufhin, daß Arques Konzernabschlüsse nach IFRS bilanziere, Bavaria dagegen eine AG-Bilanz nach HGB aufstelle. Dennoch spricht Concord dem KGV „eine gewisse Aussagekraft“ zu.

          Wichtig ist die Wahl der Zukäufe

          Demgegenüber gibt es bei Bavaria natürlich auch einige Riskofaktoren. Concord Effekten nennt hier den fehlenden personellen Unterbau und die Abhängigkeit von Beratern, die sich zwangsläufig aus dem fehlenden Unterbau ergibt. Den fairen Wert siedelt die Emissionsbank bei 27,50 Euro an.

          Ausschlaggebend für die Zukunft dürfte aber die Qualität der Zukäufe sein. Angesichts der noch geringen Größe des Unternehmens, könnte ein Fehlgriff sich als hohe Belastung erweisen, zumal man ja mit den Mitteln aus dem Börsengang jetzt gerade größere Zukäufe anstrebt. Eine gute Akquisition kann dagegen die derzeitgen Gewinnprognosen auf den Kopf stellen.

          Alles in allem ergibt sich also - wie für ein Wachstumsunternehmen zu erwarten - ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Dennoch zieht die Aktie vorbörslich nach einem bis zum Donnerstag mittag sehr ruhigen Geschäft eine gewisse Nachfrage auf sich. Aktuell werden bei Lang & Schwarz Kurse von 28,50 zu 29,50 Euro gestellt.

          Hohe Dividenden in Aussicht gestellt

          Beflügelt haben könnte vielleicht die Tatsache, daß Vorstand Reimar Scholz am Donnerstag für das kommende Jahr eine Verdoppelung der Dividende in Aussicht stellte. Für das laufende Jahr wolle das Unternehmen eine Dividende von einem Euro je Aktie zahlen, 54 Cent mehr als für 2005 geplant seien. Das würde dem Wert eine Dividendenrendite zwischen 3,85 und 4,55 Prozent verleihen. Demgegenüber beträgt diese bei Arques lediglich rund ein Prozent. 2007 wolle man dagegen insgesamt 20 Millionen Euro an die Aktionäre ausschütten.

          Ob Bavaria zu einem Kursrenner wird, wie es Arques im vergangenen Jahr gewesen ist, vermag derzeit nieman zu sagen. Die Ansätze sind indes gut. Vorsicht gilt vor allem aber nach der Erstnotiz. Da das Emissionsvolumen mit maximal 14,95 Millionen Euro nicht gerade riesig ist, ist es nicht unwahrscheinlich, daß es wie bei vielen anderen Entry Standard-Emissionen zunächst zu Positionierungskäufen kommt. So legte die Aktie von EOP Biodiesel zunächst über 60 Prozent zu, bevor sich der Kurs dann halbierte. Mittlerweile stiegt die Notierung wieder.

          Mit wenigen Ausnahmen laufen die „Entry Standard-Aktien“ bisher aber insgesamt gut. Auch für Bavaria sind die Voraussetzungen zunächst einmal günstig, wobei die Chancen Aktien zugeteilt zu erhalten aufgrund des geringen Emissionsvolumens eher gering sind.

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