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Börsengänge : An überhöhten Erwartungen gescheitert?

  • Aktualisiert am

Zu wenig Rückenwind für Neulinge, nicht nur für Scan Energy Bild: Scan Energy

Nach Hochtief Concessions muss auch der zweiter Börsenaspirant Scan Energy seinen Börsengang aufgrund mangelnden Interesses absagen. In beiden Fällen könnte aber nicht nur allgemeine Risikoscheu der Anleger, sondern schlicht ein zu hoher Preis schuld sein.

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          Börsengänge in Deutschland entpuppen sich als Desaster. Nach Hochtief Concessions hat nun auch der zweite Börsenkandidat, das dänische Wind- und Solarunternehmen Scan Energy das für Freitag vorgesehene Börsendebüt abgesagt. Als Begründung nannte das Unternehmen die Zurückhaltung der Investoren.

          Bis zuletzt hatten die Dänen um das Gelingen gekämpft und am vergangenen Sonntag den Angebotspreis auf 8 Euro je Aktie gesenkt und die Zeichnungsfrist bis Mittwoch verlängert. Ursprünglich hatte die Preisspanne bei 9 bis 13 Euro gelegen, einst war das Unternehmen nach Prospektangaben zu urteilen, sogar von 13 bis 16 Euro je Aktie ausgegangen.

          Scheitern erwartet

          Zum Ausgleich hatte Scan Energy mehr Aktien auf den Markt bringen wollen. Statt 17,5 Millionen sollten bis zu 19,7 Millionen Anteilsscheine gehandelt werden.So wollte das Unternehmen den Brutto-Emissionserlös auf den als Minimum eingeplanten 158 Millionen Euro halten.

          Anfänglich hatte alles gut ausgesehen. Der Börsenmakler Schnigge stellte für den Wind- und Solarparkbetreiber eine Kursspanne von 12 bis 14 Euro. Das dies aber kein Indiz war, zeigte auch der Umstand, dass auch der vorbörsliche Handel in der Aktie von Hochtief Concessions keinen Hinweise auf eine Gefährdung des Börsendebüts gab.

          Überraschend kam die Absage des Börsengangs von Scan Energy nicht. Mit der Absage von Hochtief Concessions fielen die vorbörslichen Umsätze praktisch auf Null, die Taxspanne auf 8,00 bis 9,50 Euro, die Preisreduktion konnte nicht s mehr retten, allzumal das Unternehmen nicht unter die Mindestbewertung der davor gültigen Spanne ging.

          Für mutige Anleger

          Aktienhändler Norbert Empting von der Schnigge Wertpapierhandelsbank prognostizierte schon am Montag, dass die beteiligten Banken und ihre Fonds vermutlich viele Stücke selbst auf die Bücher nehmen müssen würden, sollte nicht auch dieser Börsengang noch abgesagt werden.

          Nachdem die etabliertere Hochtief Concessions auf der Strecke geblieben war, fehlte für Scan Energy offenbar der Mut, der nötig gewesen wäre. Zwar hatte das Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres gegenüber der Vorjahresperiode den Umsatz um knapp 40 Prozent auf 71,2 Millionen Euro und den operativen Gewinn um rund 30 Prozent auf 47,2 Millionen Euro gesteigert. Doch hohe Abschreibungen und Finanzierungskosten hatten den Verlust fast um das Vierfache auf 8,9 Millionen Euro anschwellen lassen. Die Verlustmarge erreichte mit 12,5 Prozent einen neuen Höchststand nach 5,6 Prozent im Jahr 2008 und 0,1 Prozent im Jahr 2007.

          Demgegenüber hätte die Bewertung des Unternehmens rund 350 Millionen Euro betragen und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Schätzungen des Neuemissionsspezialisten Going Public für das kommende Jahr rund 400.

          Delta Lloyd und Vtion waren billiger

          Dies könnte durchaus als schlicht zu teuer betrachtet werden. Das gilt auch für Hochtief Concessions, deren geschätztes KGV für 2010 auf Basis der Going-Public-Schätzungen 24 bis 29 betrug. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) belief sich auf schätzungsweise 1 bis 1,3 und das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) auf 7,5 bis 9,5. Das KGV der Hochtief-Aktie wird für 2010 im Durchschnitt auf 18,5 geschätzt, das KBV auf 1,6 und das KUV auf 0,2.

          Der Börsengang des Versicherers Delta Lloyd, Anfang November an der Euronext, verlief ebenfalls nicht rund, gelang aber. Die Aktien wurden zu 16 Euro bei einer Zeichnungsspanne von 15,50 bis 20 Euro zugeteilt. Auf Basis der Analystenschätzungen betrug das KGV damit 3, das KBV 1 und das KUV 0,4.

          Und auch Vtion Wireless, bislang letzter Börsengang im amtlichen Handel in Deutschland stürmte nicht mit fliegenden Fahnen an die Börse. In der Mitte der Preisspanne zu 10,75 Euro zugeteilt, betrug das geschätzte KGV 7,3 und das KUV 2,7.

          Auch wenn Versicherungsunternehmen üblicherweise niedrige KGVs aufweisen, könnte dies als Indiz dafür gelten, dass das Scheitern der Börsengänge von Hochtief Concessions und Scan Energy möglicherweise auch auf überhöhte Erwartungen zurückzuführen war.

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