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Börsengänge : Aktie von Klassik Radio legt am ersten Handelstag zu

  • Aktualisiert am

Mit deutlichen Kursgewinnen wartet die Aktie der Klassik Radio AG bei ihrer Erstnotiz auf. Dabei ist die erste deutsche Radioaktie mit Risiken behaftet und nicht gerade niedrig bewertet.

          Die Aktien der Klassik Radio AG sind am Mittwoch erstmals im General Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert worden. Die Erstnotiz wurde mit 6,05 Euro festgestellt und im Verlauf kletterte der Kurs bis gegen 12.00 Uhr dann sogar auf 7,38 Euro. Der von der ING BHF-Bank begleitete erste Börsengang eines deutschen Radiosenders darf daher aus Sicht des Unternehmens zunächst als geglückt bezeichnet werden. Wie sich der Kurs langfristig entwickelt, bleibt aber abzuwarten. Denn der Titel, bei dem es sich um keine waschechte Neuemissionen handelt, hat durchaus seine Tücken.

          Doch der Reihe nach. Bei der Klassik Radio AG handelt es sich nach eigenen Angaben um eine unabhängige private Radio-Holding, mit drei wesentlichen Geschäftsfeldern. Im Zentrum der Aktivitäten steht der Betrieb des nationalen Hörfunksenders Klassik Radio, der täglich allein in Deutschland über eine Million Hörer erreicht. Klassik Radio sendet ein Premium-Programmformat, das speziell für die anspruchsvollere Zielgruppe der über 30 jährigen, mit hoher Kaufkraft ausgestatteten Hörer von der Klassik Radio AG entwickelt wurde.

          Darüber hinaus verfügt die Gruppe mit FM Radio Network über ein nach eigenen Angaben in Deutschland bedeutendes Radio-Syndication-Unternehmen, das sich besonders mit der Konzeption, Produktion und Vermarktung von nationalen Sonderwerbeformen befaßt. Bei FM Radio Network entsteht seit über sieben Jahren exklusiv das Bundesligaradio mit Franz Beckenbauer.

          Aktien wurden im Family & Friends-Programm für sechs Euro angeboten

          Wie der Vorstand im Vorfeld der Erstnotiz wissen ließ, soll durch die Notierungsaufnahme der Bekanntheitsgrad des Senders gesteigert werden. Zur Umsetzung dieses Vorhabens wurden im Vorfeld der Notierungsaufnahme den Mitarbeitern, Geschäftsfreunden und in begrenztem Umfang auch den Hörern von Klassik Radio rund 245.000 Aktien (etwa fünf Prozent des Grundkapitals) zu einem Preis von sechs Euro angeboten.

          Diese Aktie zusammen mit gut 251.000 Aktien aus Beständen der Altaktionäre (insgesamt gut zehn Prozent des Grundkapitals) sind ab sofort zum Handel zugelassen. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Aktien nunmehr auf 4,5 Millionen, woraus sich auf aktueller Kursbasis ein Börsenwert von über 33 Millionen Euro ergibt. Verglichen mit dem derzeitigen Umsatz erscheint das relativ viel zu sein.

          Im Rumpfgeschäftsjahr 2004 hat der Als-Ob-Konzern jedenfalls vom 1.1. bis 30.9. 2004 nur Umsätze in Höhe von 6,149 Millionen Euro erzielt. Der Überschuß belief sich gleichzeitig auf 355 000 Euro. Damit hat sich die Ertragslage zwar weiter verbessert, dennoch sollte nicht vergessen werden, daß das Unternehmen bisher nicht in der Lage war nachhaltig und dauerhaft Gewinne zu erwirtschaften.

          Starker Ergebnishebel bei gut laufenden Geschäften

          Vielmehr war das Unternehmen noch im Juli dazu gezwungen, eine Kapitalerhöhung durchzuführen, um "einer bilanziellen Überschuldung der Gruppe entgegenzuwirken und Liquiditätsengpässe zu überwinden," wie das Klassik Radio selbst eingesteht. Neben Firmenchef Ulrich Kubak, der nach der Notierungsaufnahme rund 68 Prozent der Anteile hält, ist seitdem der auch durch sein Engagement bei Borussia Dortmund bekannte Börsenspekulant Florian Homm mit rund 19 Prozent an Klassik Radio beteiligt.

          Homm setzt offenbar darauf, daß es der Gesellschaft gelingt, die theoretisch vorhandenen Potentiale zu heben. Diese bestehen neben einem Ausbau der Kundenanzahl (die Zahl der Werbekunden ist von 76 Werbekunden im Jahr 2003 auf 137 im Oktober 2004 gestiegen) in einer stärkeren Vermarktung der zur Verfügung stehenden Werbeplätze. Diese sind nämlich im Kalenderjahr 2004 nur zu etwa zehn Prozent mit Fremdkunden belegt. Gelingt künftig aber eine höhere Auslastung, gehen nach Abdeckung der Fixkosten rund 70 Prozent jedes darüber hinausgehenden Werbeerlöses als zusätzlicher Gewinn vor Steuern in die Ergebnisrechnung ein.

          Ob das aber gelingt, steht in den Sternen. Auch das Unternehmen kann dies nicht garantieren. Der Emissionsprospekt muß vielmehr noch folgende Warnung enthalten: „Sollte es der Klassik Radio AG nicht gelingen, in den kommenden Jahren Erlöse in ausreichender Höhe zu generieren, könnte dies zu einer Aufzehrung des Eigenkapitals und zu Liquiditätsengpässen führen.“ Dieser Gefahr sollten sich Anleger bewußt sein, die sich für das Papier interessieren.

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