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Börsenfusion : Weitere Zugeständnisse an EU-Kommission

  • -Aktualisiert am

Durch weitere Zugeständnisse der Börsen an die EU-Kommission soll der Fusionsprozess an Fahrt gewinnen Bild: dpa

Deutsche Börse und Nyse Euronext haben den Verkauf von wenig bedeutsamen Geschäftsbereichen angeboten. Die Prüfung durch die Behörden soll bis mindestens Februar andauern.

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          Die Deutsche Börse und die Nyse Euronext haben der EU-Kommission weitere Zugeständnisse gemacht, damit diese die geplante Fusion genehmigt. Wie die beiden Börsenbetreiber am Dienstag mitteilten, trage der überarbeitete Vorschlag den „verbliebenen Bedenken“ der Kommission „vollumfänglich“ Rechnung. Die Generaldirektion Wettbewerb in Brüssel sieht in dem geplanten Zusammenschluss der Börsen ein Monopol im Handel mit Terminkontrakten in Europa entstehen und lehnt die Fusion in ihrer bisher geplanten Form daher ab.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon im November haben daher die Börsen vorgeschlagen, bestehende Überschneidungen bei Terminkontrakten auf europäische Einzelaktien durch den Verkauf von Unternehmensteilen zu beseitigen. Dies wäre ein kaum umsatzwirksamer Eingriff gewesen und konnte die Bedenken der Kommission nicht ausräumen. Nun haben die Börsen eine „Erweiterung der Unternehmensteile“ beschlossen, von denen sie sich zu trennen bereit sind. Bezug genommen wird dabei weiterhin nur auf Derivate auf europäische Einzelaktien. Dieser Bereich hat bei der Terminbörse Eurex im Jahr 2010 rund 5 Prozent zum Umsatz beigetragen.

          „Der kurzfristige negative Einfluss ist überschaubar“

          Am Gesamtumsatz der Deutschen Börse machte dieser Geschäftsbereich damit nur etwa 2 Prozent aus. Für die zur Nyse Euronext gehörende Terminbörse Liffe lassen sich die Zahlen nicht so eindeutig aufschlüsseln. Dort sind sowohl der Konzernumsatz wie auch die Bedeutung der Terminbörsen jedoch geringer (siehe Grafik). Analysten schätzen den Umsatz im Jahr 2010 mit Kontrakten auf einzelne europäische Aktien daher auf höchstens 30 Millionen Euro. Wie zu vernehmen ist, soll dieser Bereich der Liffe wohl komplett zum Verkauf gestellt werden. Dem fusionierten Gesamtkonzern gingen damit nicht einmal 1 Prozent seiner Umsätze verloren.

          „Der kurzfristige negative Einfluss ist überschaubar“, sagt Roland Pfänder, Aktienanalyst der Commerzbank: „Die anderen Zugeständnisse der Börsen sind dagegen eher dazu angetan, den Umsatz zu erhöhen und sollen der Kommission den Eindruck vermitteln, dass es in Zukunft überhaupt einmal zu Wettbewerb im Derivatebereich kommen könnte.“ Hier hatten die Börsen zugesichert, dem Käufer ihres Unternehmensteils den Zugang zu ihren Abwicklungsdienstleistungen zu gewähren. Überdies würden Interessenten die Lizenzen für das Eurex-Handelssystem auch bekommen. Das war allerdings bisher schon möglich, die Nachfrage danach jedoch gering.

          Börsen im Vergleich
          Börsen im Vergleich : Bild: F.A.Z.

          Die Aktie der Deutschen Börse gewann am Dienstag in einem freundlichen Marktumfeld bis zum Nachmittag 2 Prozent an Wert. In der Vorwoche waren Spekulationen über größere Zugeständnisse kursiert. Nun sprachen Marktteilnehmer von Erleichterung, dass es dazu bislang nicht gekommen ist, und äußerten die Einschätzung, dass sich die Börsen offenbar doch einigermaßen sicher seien, die Zustimmung der Kommission zu ihrem Vorhaben zu erhalten. Deren Prüffrist hat sich durch die Zugeständnisse der Börsen bis zum 9. Februar verlängert. Weitere Verschiebungen verkraftet der Zeitplan für die Fusion nur noch schwerlich. Nach der EU-Kommission muss nämlich auch noch das Hessische Wirtschaftsministerium dem Vorhaben zustimmen. Minister Dieter Posch (FDP) hat mittlerweile erstmals seine Bedenken kundgetan. Die Fusionsvereinbarung ist jedoch nur bis Ende März gültig. Danach müsste sie neu ausgehandelt werden und auch die Aktionäre nochmals abstimmen.

          Befördert werden sollen die Fusionspläne durch eine Anzeigenkampagne der Börsen. Am Dienstag erschien erstmals in deutschsprachigen Zeitungen ein ganzseitiger „Aufruf zur Schaffung einer europaweiten Börsenorganisation“. Einige lobende Sätze zur Fusion sind von 30 Europäern aus Wirtschaft und Wissenschaft unterzeichnet. „Die EU-Kommission sollte sich freuen, wenn neben London und den asiatischen Börsen eine starke Börse in Frankfurt entsteht“, sagt Unterzeichner Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts. „Das schafft Wettbewerb“, entgegnet er den Bedenken der EU-Kommission zur Entstehung eines Monopols gegenüber dieser Zeitung.

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