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Börsen : Singapur bietet für Sydney

Die Australian Securities Exchange in Sydney soll mit der SGX fusionieren Bild: REUTERS

Für 8 Milliarden Dollar will die Börse des Stadtstaats Singapur die australische in Sydney kaufen. Dadurch entstünde die drittgrößte Börse der Welt.

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          In Asien entsteht die drittgrößte Börse der Welt. Die Singapore Exchange Ltd. (SGX), der Betreiber der Börse des südostasiatischen Finanzplatzes Singapur, bietet 8,4 Milliarden Dollar für die ASX Ltd., den Betreiber der Australian Securities Exchange, Sydney. Nimmt sie die Hürden der Genehmigung in Australien, kommt es im zweiten Quartal des kommenden Jahres zum ersten großen Zusammenschluss von Börsen in Fernost. Es entstünde ein Marktplatz im Wert von rund 1,9 Billionen Dollar, der für die etablierten Börsen in Tokio und Hongkong eine Herausforderung darstellt. Innerhalb der Region Asien-Pazifik wäre der neue Handelsplatz die Nummer zwei hinter Tokio mit gut 2700 Unternehmenswerten aus mehr als 20 Ländern. "Wir versuchen, in die Offensive zu gehen, um relevant zu bleiben", sagte Magnus Bocker, der Vorstandschef der SGX.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die fusionierte Börse soll unter dem Namen ASX-SGX Ltd. firmieren und an beiden Handelsplätzen börsennotiert sein. Vorstandsvorsitzender wird Bocker, der erst seit einem Jahr die Börse in Singapur führt. Er kam von der Nasdaq-OMX-Gruppe und wurde in den Stadtstaat geholt, um die Bedeutung des Finanzplatzes auszuweiten. Der Aktienkurs von ASX stieg am Montag um bis zu 26 Prozent auf 44 australische Dollar, nachdem der Handel mit den Papieren wiederaufgenommen worden war. Denn Singapur bietet mit 48 australischen Dollar für jede ASX-Aktie einen Aufschlag von 37,3 Prozent auf denjenigen Wert, den die ASX-Aktie zuletzt vor ihrem Aussetzen am Donnerstagabend besessen hatte.

          Eigene Rechtseinheiten sollen bleiben

          Die Anteilseigner von ASX erhalten 22 australische Dollar in bar sowie 3,473 Aktien des fusionierten Konzerns. Die Marktkapitalisierung des neuen Börsenkonzerns beträgt pro forma 12,3 Milliarden Dollar. Der Wert der Aktie der SGX fiel am Montag zu Handelsbeginn dagegen um 5,8 Prozent, da die Aktionäre einen zu teuren Einkauf und das Scheitern des Zusammenschlusses auf den letzten Metern fürchten. Die Singapurer sollen sich einen Kredit in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar für den Kauf gesichert haben, hieß es im Markt. 23 Prozent des Kapitals der SGX liegen über den "Entwicklungsfonds für den Finanzsektor" in den Händen der Zentralbank des Stadtstaates.

          Die Singapore Exchange Ltd. bietet 8,4 Milliarden Dollar für die ASX Ltd.

          Sowohl die Australian Securities Exchange wie auch die Singapore Exchange werden nach der Zusammenführung als eigene Rechtseinheiten erhalten bleiben und weiterhin der Regulierung ihrer jeweiligen Länder unterliegen. Unter dem designierten Konzernchef Bocker wird Peter Hiom, der heutige stellvertretende Vorstandschef von ASX, zum Chef der australischen Börse ernannt werden. Vorsitzender des Verwaltungsrates des Gesamtkonzerns wird David Gonski, der diese Stellung auch schon bei ASX innehat.

          Kauf ist ein „Befreiungsschlag“

          In der Branche herrscht Einigkeit über die Notwendigkeit der Fusion. Denn der Finanzplatz Singapur braucht eine wesentlich höhere Liquidität, die er nur über einen Zukauf erreichen kann. In Singapur kommen täglich nur 27 börsennotierte Unternehmen auf einen Handelsumsatz von mehr als 10 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Beim großen Rivalen im Norden, Tokio, liegt der Wert bei 300 Firmen. "Wir haben einen sehr kleinen Heimatmarkt mit nur 779 gelisteten Unternehmen von mehr als 22 000 in Gesamtasien", sagte Bocker erst Anfang Oktober.

          Während Hongkongs Börse auf 779 Mitglieder und London auf 400 kommt, liegt Singapur bei gerade einmal 58. Der Weg, mehr Einfluss zu gewinnen, führte bislang über Kooperationen und die Ausbildung am Handelsplatz selbst. Daran gemessen ist der Kauf der australischen Börse ein Befreiungsschlag. Die Übernahme diene dazu, auf den wachsenden Wettbewerb zu reagieren, sagten Bocker und sein Gegenüber von ASX, Robert Elstone, am Montag.

          „Wir werden nun stärker.“

          In Australien, wo der Markt zu Beginn des nächsten Jahres geöffnet werden wird, plant Chi-X Global den Aufbau einer elektronischen Handelsplattform ab März. In Singapur hat die Singapore Mercantile Exchange (SMX) im August ihre Arbeit aufgenommen. Sie macht der Singapore Commodities Exchange Konkurrenz, einem Tochterunternehmen der SGX. SMX gehört Financial Technologies (India) Ltd., die auch schon die größte Rohstoffbörse auf dem Subkontinent betreibt.

          Der Singapurer Staatsfonds Temasek Holdings seinerseits hat sich im Frühjahr für 175 Millionen Dollar mit 5 Prozent an der National Stock Exchange of India (NSE) in Bombay (Mumbai) beteiligt. Zugleich hat der mächtige Staatsfonds den früheren Chef der SGX, Hsieh Fu Hua, als Präsidenten und Berater seiner Vorstandsvorsitzenden engagiert. Die SGX besitzt einen Anteil von 5 Prozent an der Bombay Stock Exchange, dem Gegenspieler der NSE. Und die Tokyo Stock Exchange Inc. hält 4,99 Prozent an SGX. "Die Welt der Börsen verändert sich sehr rasch", sagt Bocker: "Wir werden nun stärker." Der Kauf werde den Gewinn pro Aktie von SGX um rund ein Fünftel steigern.

          In der zweiten Hälfte ihres Geschäftsjahres (30. Juni) baute ASX den Reingewinn von 141,7 auf 160,1 Millionen australische Dollar (112,92 Millionen Euro) aus. SGX weist für ihr gesamtes vergangenes Geschäftsjahr (30. Juni) einen Gewinn von 320,1 Millionen Singapur-Dollar (176,99 Millionen Euro) aus nach 305,7 Millionen Singapur-Dollar im Jahr zuvor. Australiens Aktienmarkt hat eine Marktkapitalisierung von rund 1,36 Billionen Dollar, derjenige Singapurs zählt 558,2 Milliarden Dollar. Während die SGX erst im Jahr 1999 gegründet wurde, aber die erste Börse Asiens ist, die ihre eigenen Aktien handeln ließ, gehen die Ursprünge der ASX bis auf die Börse in Melbourne im Jahr 1861 zurück.

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