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Börsen : Nachgebender Euro stützt den Dax

  • -Aktualisiert am

Deutsche Exportgüter (im Foto in Hamburg): Der schwache Euro steigert die Absatzchancen Bild: ddp

Vom stark gesunkenen Euro-Kurs profitieren die deutschen Exportunternehmen. Das honorieren Anleger: Seit Jahresanfang schlägt der Dax den Euro Stoxx 50 deutlich. Analysten warnen jedoch davor, den Vorteil für Dax-Unternehmen überzubewerten.

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          Der deutlich gesunkene Euro-Kurs verbessert die Absatzchancen deutscher Exportunternehmen und stützt den deutschen Aktienindex. Der Leitindex Dax hat seit Jahresanfang besser abgeschnitten als andere Börsen-Indizes in Europa. Seit Januar liegt der Euro Stoxx 50 mit 14 Prozent im Minus, der Dax verbucht ein Minus von lediglich 0,5 Prozent. „Der Dax schlägt den Euro Stoxx 50 wegen der Euro-Schwäche“, sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarktexperte des Kölner Vermögensverwalters Flossbach & von Storch. „Besonders die deutschen Exportunternehmen erhöhen wegen des gesunkenen Euro-Kurses ihre Wettbewerbsfähigkeit.“

          Die überdurchschnittliche Entwicklung einiger Dax-Werte sei darauf zurückzuführen, dass internationale Investoren auf die Profiteure der Euro-Schwäche gesetzt haben. Die Furcht der Anleger vor einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise hat am Montag den Euro weiter in die Tiefe gezogen. Ende der der vergangenen Woche sank der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung auf 1,1933. Am Montag fiel der Kurs zwischenzeitlich bis auf 1,1876 Dollar auf ein neues Vier-Jahres-Tief.

          Auch wenn der Kursrückgang des Euro sich in den vergangenen Wochen stark beschleunigt hat, gibt es auch positive Effekte. Ein schwächerer Euro stärkt die Wettbewerbsposition europäischer Unternehmen im globalen Handel. Besonders die deutschen Unternehmen, die stark im Export sind, können profitieren. Allein wegen des tieferen Euro-Kurses gegenüber vielen anderen Währungen sind die Unternehmen in der Lage, relativ gute Gewinne ausweisen zu können. Am Montag erfreuten sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt zudem über einen soliden Auftragseingang der Unternehmen und deuteten dies als einen weiteren Beleg, dass sich die Erholung der Weltwirtschaft fortsetzt. Die Börsen in New York verbuchten zu Handelsbeginn Zugewinne.

          Energieversorger profitieren nicht so stark

          „Alle Unternehmen, die einen Umsatzanteil von 30 Prozent und mehr außerhalb der Euro-Zone haben, können gewinnen“, sagt Vorndran mit Blick auf den gesunkenen Euro-Kurs. Allerdings ist nicht nur ein hoher Exportanteil entscheidend. Wichtig sei zudem eine hohe Aktivität am Weltmarkt und einen großen Teil der Produktionskapazitäten in der Euro-Zone zu haben. Besonders die deutschen Autobauer wie Daimler, Porsche und BMW sind daher im Vorteil, wenn der Euro-Kurs sinkt - besonders wenn sie ihre Waren in einem starken Maße in den Dollar-Raum, also etwa in die Vereinigten Staaten, liefern. Die Automobilunternehmen haben wegen des starken Dollar zwar auch höhere Rohstoffkosten, aber die sind für sie weniger relevant als etwa für Stahlkonzerne in Deutschland. Diese leiden stark unter den in Dollar zu entrichtenden hohen Eisenerzpreisen und können daher weniger von der Euroschwäche profitieren.

          Energieversorger müssen höhere Preise für Öl und Gas in Dollar bezahlen, so dass sie vom gesunkenen Euro-Kurs nicht wie die Autobauer profitieren können. Der Chemiekonzern BASF ist wegen seines großen Auslandsgeschäfts ebenfalls ein Gewinner des schwächeren Eurokurses. Doch BASF beschäftigt zum Beispiel auch in Amerika viele Mitarbeiter und hat dementsprechend steigende Produktionskosten, wenn der Dollar an Wert gewinnt.

          Ein schwacher Euro kann Zeichen der Stärke sein

          Analysten warnen ohnehin davor, den Währungsvorteil für Dax-Unternehmen überzubewerten. Der Euro Stoxx 50 habe auch deshalb stärker verloren als der Dax, „weil die Kurse zum Beispiel von spanischen Bankaktien stark gesunken sind“, sagt Helaba-Aktienfachmann Christian Schmidt. „Im Zuge der Schuldenkrise haben diese Werte stark gelitten.“ Viele Investoren hätten in den vergangenen Wochen bei vielen Werten die Währungskomponente schon mit eingepreist.

          Kapitalmarktexperte Vorndran sagt, dass langfristig die Dax-Unternehmen eher ein Interesse an einem stabilen Eurokurs hätten, um Planungsicherheit zu besitzen. Zwar würde der schwächere Euro-Kurs die Exporttätigkeit stimulieren, doch die Unternehmen müssten schließlich auch in Zeiten eines starken Euro beweisen, dass sie die Produktivität erhöhen und sich somit gegen Anbieter aus Ländern mit Währungsvorteilen behaupten können. Zumal ein schwacher Euro kein Zeichen der Stärke für Europa sei: Vielmehr müssten Unternehmen wegen der Schuldenkrise mit höheren Steuern rechnen, die das Geschäft belasten.

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