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Börsen : Mit EDX erwächst Eurex und Liffe neue Konkurrenz

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Bisher sah es so aus, als ob sich Eurex und Liffe den Markt für derivative Produkte in Europa teilen könnten. Mit EDX kommt plötzlich eine dritte Kraft ins Spiel.

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          Eines war schon länger klar, die europäische Börsenlandschaft muss und wird sich in Zukunft ändern. Dabei sah es lange Zeit so aus, als ob die Deutsche Börse mit ihrer innovativen Technologie und als Marktführer im Bereich derivativer Produkte gute Chancen hätte, von einer Konsolidierung am meisten zu profitieren.

          Nach dem Zusammenschluss der Börsen in Amsterdam, Brüssel und Paris zur Euronext und mit deren Übernahme der Londoner Terminbörse Liffe ist allerdings in Europa ein ähnlich starker und ähnlich aufgestellter Konkurrent entstanden. In der jüngeren Vergangenheit sah es so aus, als ob sich diese beiden Märkte in Zukunft den europäischen Börsenhandel teilen würden. Es schien nur noch eine Frage zu sein, welchem von beiden Börsenblöcken es gelingen würde, die volumenstarke London Stock Exchange (LSE) mit ins Boot zu holen. Derjenige, dem das gelingen würde, könnte den Markt dominieren, da er das größte Handelsvolumen über seine Systeme laufen lassen könnte. Denn eine gute Auslastung elektronischer Systeme führt zu geringeren Kosten pro Geschäft und damit zu hoher Konkurrenzfähigkeit.

          Aus einem Zweikampf wird ein Dreikampf

          Plötzlich tut sich eine neue Möglichkeit auf. Denn die Stockholmer Börsengesellschaft OM und die LSE gründen nun eine gemeinsame Derivate-Börse namens EDX und machen damit sowohl der Euronext-Liffe als auch der Eurex der Deuschen Börse Konkurrenz. Dabei wird OM nach eigenen Angaben 24 Prozent an EDX und die LSE 76 Prozent halten. Das Geschäft der Londoner EDX werde sich um das skandinavische Derivategeschäft von OMs Londoner Tochtergesellschaft, OM London Exchange, gruppieren. EDX London werde das Produktangebot erweitern und Neugeschäft generieren. Es sei geplant, dass EDX London 340 Millionen schwedische Kronen in bar an OM für den Transfer des Geschäfts der Londoner OM-Tochter zahlt.

          Damit zeichnet sich plötzlich ein „Dreikampf“ zwischen drei Börsenblöcken um die Hoheit über die „Welt der derivativen Produkte“ in Europa ab. Während die Deutsche Börse mit Eurex und Euronext mit Liffe schon etabliert sind, muss sich die neue EDX erst noch beweisen. Immerhin ist OM mit Übernahmeversuchen der LSE in den vergangenen Jahren gescheitert. Allerdings hat das Unternehmen Erfahrung mit dem Betrieb elektronischer Börsen und hat auf Grund der Kooperation mit der LSE Zugriff auf den Wertpapiermarkt mit der größten Liquidität in Europa. Und Liquidität ist das Maß aller Dinge für den Erfolg eines Handelsplatzes. Aus dieser Sicht und auf Grund der Abneigung englischer Marktteilnehmer, sich mit „fremdem Management“ zu arrangieren, dürften die Chancen nicht einmal schlecht stehen.

          EDX begrenzt Wachstumsfantasie bestehender Börsen

          Die Frage ist, ob drei unterschiedliche Börsensysteme in Europa sinnvoll sind. Die Entwicklung, Wartung und Anpassung an künftige Entwicklungen dreier verschiedener Systeme ist relativ teuer. Wer die Kosten am besten im Griff hat, dürfte längerfristig die besten Karten haben und Marktanteile gewinnen können. Aber nur langfristig. Denn um Marktteilnehmer dazu zu bringen, die Handelsplattform zu wechseln, müssen die Vorteile schon enorm sein.

          Die Gründung der EDX ist daher eine betrübliche Nachricht für die Aktien von Euronext und der Deutsche Börse AG. Denn die Wachstumsfantasie wird dadurch deutlich eingeschränkt. Bisher gab es immer noch die Fantasie, dass einer der beiden Börsenplätze mit der LSE ins Geschäft kommen könnte. Nun werden Marktanteile nur noch über aggressive Preiskämpfe gewonnen werden können. Das begrenzt sehr wahrscheinlich das Kurspotenzial der beiden Aktien. Sie können zwar organisch über die Einführung neuer Produkte und Ähnliches noch wachsen. Aber mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von jeweils knapp 15 für das kommende Jahr ist schon einiges an Fantasie vorweggenommen.

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