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Börsen : Kursdesaster in den Schwellenländern

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Bild: FAZ.NET

Die internationalen Börsen stehen unter Druck, das „wahre Kursdesaster“ findet jedoch in den Schwellenländern statt. Die Märkte in China und in Russland haben in den vergangenen Monaten mehr als 60 Prozent ihres Wertes verloren.

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          Die Turbulenzen in der Finanzbranche sorgen an den internationalen Börsen zusammen mit den trüber werdenden konjunkturellen Aussichten für deutliche Kursverluste. Das „wahre Kursdesaster“ findet jedoch in den Schwellenländern statt.

          Längst hat die Kursentwicklung die noch bis vor kurzem herumgereichten Thesen widerlegt, nach welchen sich die Volkswirtschaften und die Finanzmärkte dieser Regionen von den Turbulenzen in den industrialisierten Staaten abkoppeln könnten. Die Globalisierung und die enge wirtschaftliche Verflechtung der Staaten untereinander machten solche Theorien jedoch schon immer suspekt. Immerhin landen viele der in den Schwellenländern hergestellten Waren und Dienstleistungen oder die geförderten Rohstoffe letztlich in den entwickelten Staaten mit hoher, aber inzwischen rapide sinkender Kaufkraft.

          Massive Kursverluste nicht nur in China ...

          Selbst in China zeichnen sich inzwischen Wachstumsprobleme ab. Aufgrund der fallenden Börsenkurse können die börsennotierten Unternehmen des Landes keine so hohen Gewinne mehr ausweisen, wie in der Vergangenheit. Bei einzelnen Firmen stammten sie zu einem großen Teil aus Kursgewinnen an den Börsen - und nicht aus dem operativen Geschäft.

          Nun fallen diese weg. Schon seit Monaten macht sich in China die Ernüchterung in Form von massiven Kursverlusten bemerkbar. Nach einem eindrucksvollen Kursaufschwung vom Juli des Jahres 2005 bis Mitte Oktober des vergangenen Jahres drehte der Trend. Inzwischen liegt der Shanghai Stock Exchange Composite Index 63 Prozent unter seinem Allzeithoch. Die Charttechnik legt weitere Kursverluste nahe.

          Noch rascher und noch deutlicher ging es mit den Aktienkursen in Russland nach unten. War der RTS-Index noch bis Mitte Mai des laufenden Jahres beinahe unbeirrt von allen Wirren im Trend nach oben gelaufen, so hat er in gerade einmal fünf Monaten 64 Prozent seines Wertes verloren. Zwischenzeitliche Interventionen der Regierung und die vorübergehende Schließung des Aktienmarktes konnten die Entwicklung nicht beruhigen, alleine am Montag verliert der Index 15,7 Prozent. Mit 903,2 Zählern liegt der RTS inzwischen auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren.

          ... sondern auch an der russischen Börse

          Die Kursverluste sind breit gestreut und nicht nur auf das geschwundene Vertrauen in die Banken des Landes zurückzuführen. Am Montag verliert die Aktie des Düngemittelunternehmens Uralkali knapp 35 Prozent ihres Wertes, gefolgt von den Papieren von Norilsk Nickel, der Sberbank, von Rosneft Oil und von Wimm-Bill-Dann Foods mit Tagesverlusten zwischen 32 und knapp 20 Prozent.

          Die Gewinnmitnahmen lassen sich nicht nur von der Suche nach Liquidität ableiten, sondern in Russland ist der politische Meinungsbildungsprozess intransparent und unberechenbar. Dazu kommen die Korrekturen an den Energie- und Rohstoffmärkten. Die Preise korrigieren deutlich, der Ölpreis flirtet am Montag sogar mit der 90-Dollarmarke und wird aufgrund des Abbaus spekulativer Positionen und der realwirtschaftlich nachlassenden Nachfrage mit einiger Wahrscheinlichkeit weiter nach unten laufen.

          Genau das kann die positive Entwicklung in den Schwellenländern bremsen, zumal sie in den vergangenen Jahren aufgrund der hohen Einnahmen stark investiert haben. Sollten ihre Einnahmen weiter zurückgehen, müssen sie ihre Reserven angreifen - sofern vorhanden - oder sie können in Refinanzierungsschwierigkeiten geraten. Sollte der Ölpreis tatsächlich weiter zurückfallen, gälte das selbst für die Staaten im Nahen Osten, da sie in den vergangenen Jahren ihre Ausgabeniveaus massiv erhöht haben.

          Anleger dürften dazu neigen, Schwellenländermärkte mit der notwendigen Vorsicht zu betrachten, bis sich die Entwicklung in den industrialisierten Staaten stabilisiert und schließlich beruhigt haben im Moment ist das noch nicht absehbar.

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