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Börse : Woche der Entscheidung am Aktienmarkt

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Die Verunsicherung unter den Börsianern wächst. Doch die in dieser Woche anstehenden Quartalszahlen sollen zeigen, wohin die Reise geht.

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          Die erste Runde in der Berichtssaison über das vierte Quartal 2001 ist vorbei. Großartig neue Erkenntnisse haben die Unternehmensberichte bisher nicht gebracht. Dennoch macht sich langsam Unbehagen breit unter den Marktteilnehmern. Denn die Kurse haben nach rasanter Aufholjagd wieder den Rückwärtsgang eingelegt.

          Fallen die Kurse noch etwas tiefer, würde sich die Charttechnik deutlich eintrüben. Bei einer Notiz von unter 1.875 Punkten beim Nasdaq Composite Index und von unter 1.100 Zähler beim S&P 500 Index werden einige Chartisten bestimmt die Notbremse ziehen und verkaufen.

          Auch Jens Ehrhardt, im Vorjahr immerhin der erfolgreichste Fondsmanager bei deutschen Aktienfonds, hat im Interview mit FAZ.NET (siehe Link: "Die Börse steht auf Messers Schneide") bereits angekündigt, bei Dax-Kursen unter 4.900 Punkten seine Positionen abzustoßen.

          Hohe Bewertung birgt Gefahren

          Fundamental gestaltet sich die Ausgangslage wie folgt: Die bisher vorgelegten Ergebnisse bewegten sich per saldo zwar in etwa im Rahmen der Erwartungen. Sorgen machen den Börsianern aber die meist mit einem vorsichtigen Tenor versehenen Geschäftsausblicke. Dies ist problematisch, weil sich die starken Kursgewinne der vergangenen Monate, trotz des unverändert stützenden Einflusses der hohen Liquidität, nur bei deutlich anziehenden Unternehmensgewinnen rechtfertigen lassen. Davon wagen die Unternehmen derzeit aber offenbar noch nicht zu träumen.

          Unter dem Bewertungskriterium müssen Experten daher zum Schluss kommen, dass speziell der Technologiesektor überbewertet ist. So sind die beiden Merrill Lynch-Analysten Steve Milunovich und Zhen-Hong Fan der Ansicht, dass 70 Prozent der von ihnen untersuchten 50 Techaktien gemessen an den Gewinnperspektiven zu teuer sind.

          In die gleiche Kerbe schlägt auch David Briggs, Chefhändler bei Federated Investors: "Wenn man sich die hohen Beweretung anschaut und diese nicht durch einen entsprechenden Trend bei den Umsätzen und den Gewinnen bestätigt sieht, fangen die Dinge an, gefährlich zu werden."

          Nokia und Ericsson geben den Takt vor

          Bei diesem problematischen Umfeld werden die Anleger mit Argusaugen auf die in dieser Woche Zwischenbilanz ziehenden Unternehmen achten. Nach dem Feiertag am Montag werden alleine in den USA 30 Prozent aller im S&P 500 Index vertretenen Unternehmen Rechenschaft ablegen. Darunter befinden sich Titel wie Motorola und Amazon.

          Wegweisendes wird aber vor allem aus Europa erwartet. Nachdem die Zahlen von SAP und Siemens, die ebenfalls berichten werden, bereits weitgehend bekannt sind, gilt das Hauptinteresse den Ergebnissen von Nokia (Donnerstag) und Ericsson (Freitag). "In der Phase, in der sich der Markt momentan befindet, sind deren Zahlen extrem wichtig", glaubt Ollipekka Elovainio, Fondsmanager bei Nordea Investment Management.

          Da andere Vertreter aus dem Telekomsektor wie Nortel Networks, RF Micro Devices, Perlos oder Balda, bei ihren Ergebnispräsentationen nicht gerade vor Euphorie schäumten, sondern im Gegenteil nur sehr vorsichtig in die Zukunft blickten, droht dem Aktienmarkt in der Tat eine Zitterpartie in den kommenden Tagen. Anleger sollten sich dabei mit dem Gedanken vertraut machen, dass es bei einem ungünstigen Verlauf der Berichtssaison dringend erforderlich sein könnte, bestehende Positionen glatt zu stellen.

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