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Börse : Wall Street gedrückt von neuer Wachstumsskepsis

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Die Unsicherheit an der Börse hält an. Schloss die Wall Street schon wieder im Minus, könnte Intel mit seiner „Enttäuschung“ weitere Kursverluste auslösen.

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          Mit deutlichen Abgaben präsentierte sich der US-Aktienmarkt am Donnerstag. Bis zum Handelsende verlor der Dow Jones 1,76 Prozent oder 172 Zähler auf 9.624 Punkte. Der Nasdaq-Composite-Index gab 2,53 Prozent oder 40 Punkte auf 1.555 Zähler ab. Auch die europäischen Märkte haben ihre ursprünglichen Kursgewinne abgebaut und gingen zum Teil sogar im Minus aus dem Handel. Der Dax konnte immerhin ein Plus von 0,72 Prozent auf 4.675,52 über den Tag retten.

          Die Herabstufung von Intel und einer Vielzahl anderer Halbleiter-Werte durch Merrill Lynch belaste vor allem die Technologiewerte, hieß es. Die Analysten hatten die mittelfristige Bewertung der Intel-Aktie auf “Neutral“ von “Strong Buy“ gesenkt und wollten auch nach dem nachbörslich anstehenden Ausblick des Unternehmens auf das zweite Quartal “konservativ“ bleiben. Wohl zurecht. Denn tatsächlich kam Intel mit einer Umsatzwarnung und der Andeutung auf sinkende Margen. Das dürfte eine verkappt Gewinnwarnung sein.

          Gemischte Signale vom Einzelhandel

          Die am Nachmittag gemeldeten Daten zu den US-Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sind laut Marktbeobachtern gut ausgefallen, hätten jedoch keinen großen Einfluss auf das Marktgeschehen. Die Standardwerte werden dagegen nach Händleraussagen von den zückgegangenen Mai-Umsätzen einiger US-Einzelhändler wie Sears und Gap belastet. So ging der flächenbereinigte Umsatz bei Gap um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Sears begründete den Rückgang ihres flächenbereinigten Umsatzes um 4,4 Prozent mit dem saisonüblichen kalten Wetter im Mai. Am Mittwoch hatte Wal-Mart noch überraschend gute Zahlen gemeldet.

          Unter der neu aufgeflammten Wachstumsskepsis leiden nicht nur die Aktien, sondern auch der Dollar. Waren am Donnerstag Morgen noch knapp 94 Cents notwendig, um einen Euro zu erwerben, so waren dafür im späten Handel 0,9471 Dollar notwendig. Leicht profitieren konnten dagegen die Anleihen am langen Ende. So legte die 30-jährige Treasury mit einem Kupon con 5 3/8 Prozent 15/32 auf 96,496 Prozent zu.

          Mit den Mitteilungen von Intel dürfte die Chipeuphorie vom Anfang des Jahres endgültig verpufft sein. Damals waren noch viele Marktteilnehmer von einer zügigen Konjunkturerholung ausgegangen und davon, dass davon die Halbleiterwerte überproportional profitieren würden. Der Philadelphia-Halbleiterindex stieg daraufhin bis im März auf einen Spitzenwert von knapp 650 Punkten. Mittlerweile hat er aber wieder im Gefolge der immer mehr um sich greifenden Ernüchterung knapp 70 Prozent nachgegeben und liegt am Donnerstag bei 452 Zählern.

          Positive Konjunkturzahlen zeigen sich nicht in Gewinnen

          Denn die nach und nach eintrudelnden Konjunkturzahlen zeichnen zwar ein positives Bild, aber es scheint nicht gut genug zu sein. Der Markt hatte einfach mehr erwartet und die Aktien schon so bewertet, als ob die Unternehmen plötzlich rasante Gewinnsprünge melden könnten. Sollten die nun ausbleiben, dürften viele Werte noch hoch bewertet sein und Potenzial nach unten haben.

          Dasselbe gilt für den Dollar. Der hatte lange Zeit von der „überlegenen Gewinnqualität“ amerikanischer Unternehmen gelebt. Das Zusammenspiel zwischen zögerlichem Wachstum und zweifelhaften Bilanzierungspraktiken dürften die Bäume nicht mehr so schnell in den Himmel wachsen lassen wie in der Vergangenheit. Die US-Börse dürfte in der Folge nicht mehr so viel ausländisches Kapital anziehen - womit die Nachfrage nach Dollar zurückgehen müsste.

          Die jüngsten Kursgewinne des Euro sprechen eine deutliche Sprache. Und hat sich dieser Trend erst einmal etabliert - der langfristige Abwärtstrend ist zumindest überwunden - könnte er eine Weile Bestand haben.

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