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Saudi-Arabien : Börse will sich Ausländern öffnen

  • -Aktualisiert am

Noch ganz unter sich: Händler der Saudi Investment Bank in Riad. Foto AFP Bild: AFP

Der bisher verschlossene Wüstenstaat will sich öffnen und internationale Investoren zulassen. Aber zunächst gilt dies nur für Araber aus den Golf-Staaten. Dabei wird die Entwicklung der Börsen im Nahen Osten von westlichen Banken gut eingestuft und der Investitionswille ist vorhanden.

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          Saudi-Arabien will sich langsam ausländischen Investoren öffnen und auf Dauer in einem begrenzten Rahmen ausländische Investitionen an seinem Aktienmarkt zulassen. Bisher ist der Kapitalmarkt des Landes ausländischen Anlegern gegenüber versperrt. Auslandskapital ist am Aktienmarkt nur willkommen, wenn der Investor aus einem der fünf anderen Golfstaaten des Kooperationsrates stammt, also aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuweit, Bahrein, Qatar oder Oman.

          Am vergangenen Wochenende äußerte jedoch der Vorsitzende der saudischen Marktaufsichtsbehörde (CMA), Abdulrahman al-Tuwaijri, gegenüber dem arabischen Fernsehsender Al Arabiya: „Nach und nach werden wir erlauben, dass von Lizenz-Instituten Fonds errichtet werden können, über die ausländisches Kapital im Königreich Saudi-Arabien in transparenter Weise investiert werden kann.“ Bei dem Gespräch wurde auch ein Zeitrahmen für die moderate Öffnung des Finanzmarktes genannt.

          Naher Osten ist als Investitionsziel beliebt

          Saudi-Arabien fürchtet kurzfristige Spekulationen an seinem Markt, nachdem der nach außen hin abgeschottete Aktienmarkt nach einer Hausse im Jahr 2005 im Folgejahr um mehr als 50 Prozent einbrach. Auslandsinvestoren haben lange propagiert, dass langfristige Investitionen von ausländischen Fondsmanagern dem Aktienmarkt mehr Stabilität verleihen könnten als die kurzfristigen, heimischen Spekulationen.

          Ausländische Fondsmanager haben großes Interesse, im Nahen Osten, also auch in Saudi-Arabien, zu investieren, da die reichen Öleinnahmen der Region ein kräftiges Wirtschaftswachstum bescheren. Dies ist zum Beispiel in Dubai, Qatar und Oman eindrucksvoll zu sehen. Merrill Lynch betont in seinem Ausblick für die Schwellenländer im kommenden Jahr, dass die Aussichten trotz der Krise in den Vereinigten Staaten für die Schwellenmärkte gut seien. Neben den Bric-Ländern (Brasilien, Russland, Indien und China) favorisiert die Bank als Anlageregion den Nahen Osten, und zwar nicht nur wegen der hohen Öleinnahmen, überschüssiger Liquidität und billiger Aktien, sondern auch, weil die Märkte des Nahen Ostens eine geringe Korrelation aufweisen mit den Aktienmärkten der anderen Schwellenländer und der westlichen Industrieländer.

          Schwellenländer sind besonders stabil

          Zahlreiche Banken haben Investmentfonds mit dem Schwerpunkt Naher Osten aufgelegt und zielen darauf ab, dass sich Saudi-Arabien langsam ausländischen Investoren öffnet. Dieses Jahr zog der Aktienindex der Börse Saudi-Arabiens um 24 Prozent an.

          Die Analysten der Investmentbanken sind optimistisch für die Entwicklung der Schwellenmärkte im kommenden Jahr gestimmt. Die Deutsche Bank warnt zwar, dass noch nicht bewiesen sei, wie weit sich die Schwellenmärkte wirklich von der Entwicklung der westlichen Industrieländer „abgekoppelt“ hätten, aber die starke Weltkonjunktur, die hohen Erlöse der Exporteure aus Asien und dem Nahen Osten und die hohen Rohstoffpreise stützten diese Märkte. Goldman Sachs betont, dass vor allem die Schwellenmärkte am besten mit den Turbulenzen der amerikanischen Konjunkturschwäche und der Finanzkrise fertig würden, die auf einen hohen Leistungsbilanzüberschuss verweisen könnten wie China und die Öl exportierenden Länder.

          Inflation, Gier und hohe Aktienbewertungen

          Die Angst der Anleger ist freilich, dass die Aktienmärkte der Schwellenländer den westlichen Aktienmärkten bei einer Talfahrt folgen könnten, sollten die Vereinigten Staaten doch in eine Rezession abgleiten und auch Europa nicht ungeschoren davonkommen. Dies war in den Jahren 2001/02 der Fall. Morgan Stanley betont jedoch, dass diese Korrelation in den letzten Jahren aufgebrochen sei und die Gewinnerwartungen im Westen zwar zurückgenommen würden, in den Schwellenländern jedoch ein Gewinnwachstum von 14 Prozent erwartet werde. Solange es keine schwere weltweite Rezession gebe, treibe das flache oder sogar positive Gewinnwachstum die Schwellenmärkte daher im kommenden Jahr an.

          Merrill Lynch glaubt, dass alle großen Bullenmärkte letztlich in einer Übertreibungsphase mit Inflation, Gier und hohen Aktienbewertungen enden. „Da die Bewertungen an den Aktienmärkten der Schwellenländer aber gerade mal das Niveau der Industrieländer erreicht haben, sind wir noch nicht in dieser Phase.“

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