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Börse Rußland : Yukos-Aktien gelten als wertlos

  • Aktualisiert am

Bald Vergangenheit? Yukos-Zentrale in Moskau Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Mit einem Plus von 38 Prozent in zwei Tagen sendete die Aktie des russischen Ölkonzerns Yukos in der Vorwoche ein Lebenszeichen. Doch Analysten sind diese Gewinne ein Rätsel. Sie taxieren den Wert der Aktie auf Null.

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          Es scheint immer noch Anleger zu geben, die dem russischen Ölkonzern Yukos eine Überlebenschance zutrauen. Nur so läßt sich das Plus von 38 Prozent erklären, daß in der Vorwoche auch die in Deutschland gehandelten ADRs von Montag bis Mittwoch verbuchten. Doch ob diese Spekulation aufgeht, erscheint mehr als fraglich.

          Zwar handelte es sich bei Yukos einst um den größten Ölproduzenten in Rußland. Aber vom damaligen Glanz ist nicht mehr viel übrig geblieben. Nach einem vom russischen Staat angezettelten schlagzeilenträchtigen Wirtschaftskrimi sitzt Yukos-Gründer Michail Chodorkowskij wegen Betrugs und Steuerhinterziehung für acht Jahre im Gefängnis. Außerdem drückt das Unternehmen noch immer eine zehn Milliarden Dollar schwere Steuerlast (ursprünglich beliefen sich die Steuerschulden auf 33 Milliarden Dollar).

          Bankenkonsortium stellt Konkursantrag

          Die Kursgewinne zu Beginn der Vorwoche waren von der Meldung begleitet worden, wonach der staatliche russische Ölkonzern Rosneft westlichen Banken deren Forderungen an Yukos in Höhe von 485 Millionen Euro abgekauft hat. Die Käufer der Yukos-Aktien spekulierten daraufhin offenbar, Rosneft könnte langfristig Yukos komplett übernehmen. Der Staatskonzern hat sich unter Verweis auf nicht gezahlte Steuern bereits die größte Yukos-Produktionssparte Yugansk einverleibt. Die Analysten von Credit Suisse beispielsweise halten es nicht für ausgeschlossen, daß den Yukos-Aktionären ein Tausch ihrer Anteile in Rosneft-Aktien im Zuge des geplanten Börsengangs angeboten wird.

          Ende eines Konzerns: Yukos-Chef Chodorkowski hinter Gittern

          An diese für die Yukos-Anteilseigner erfreulichste Lösung glauben aber nur wenige andere Marktexperten. So raten die Analysten bei Aton ihren Kunden ausdrücklich von einem Investment in Yukos ab. Bei der Deutschen Bank-Tochter UFG wird das Kursziel rigoros auf Null gesetzt und auch bei Veles Capital wird Yukos keine Überlebenschance eingeräumt. Was die Analysten skeptisch stimmt, ist die Tatsache, daß die Banken, die neben dem Forderungsverkauf auch noch einen Konkursantrag gegen Yukos gestellt haben, dazu überhaupt keine Veranlassung gehabt hätten, weil Yukos mit der Schuldentilgung begonnen habe.

          Großaktionär bereits weitgehend ausgebootet

          Alles andere als die Variante, daß Rosneft den Konkurs von Yukos anstrebe, wäre vor diesem Hintergrund eine Überraschung. Im Falle eines Konkurses stehe Yukos aber endgültig unter Kontrolle von Rosneft und damit des Staates und so sei mit einer weiteren Ausweidung des Konzerns zu rechnen. Abgewendet werden könnte ein Konkurs nach Ansicht der Analysten von Antanta Capital nur dann, wenn der Yukos-Großaktionär GML, hinter dem unter anderem Chodorkowskij steht und der 51 Prozent der Stimmen kontrolliert, seine Anteile zur Begleichung der Schulden tausche.

          Die Chancen von GML, Forderungen gegen den Ölkonzern aus dessen Konkursmasse zu befriedigen, sind nach einem Urteil eines Moskauer Gerichts aber nahezu auf Null gesunken. Ein Schiedsgericht erklärte eine Garantie von Yukos für nichtig, mit der ein Kredit des Mehrheitsaktionärs GML an Yukos unterlegt war. Damit rutscht GML in der Rangfolge der Gläubiger nahezu ans Ende, sollte das Konkursverfahren gegen Yukos eingeleitet werden. Ab dem 28. März soll darüber verhandelt werden.

          Kein seriöses Anlagepapier

          Wie aus Justizkreisen zu hören war, wäre in diesem Fall das wahrscheinlichts Szenario, daß sich der Hauptgläubiger Rosneft die verbliebenen Vermögenswerte einverleibt. Yukos ist mit rund zehn Milliarden Dollar bei Rosneft verschuldet. Unter deisen Umständen bleibt den Aktionären nicht mehr viel Hoffnung. Einer der letzten verbliebenen Strohhalme ist das einst von Staatspräsident Putin abgegebene Versprechen, wonach Yukos nicht zerschlagen werden solle.

          Selbst den Optimisten scheinen inzwischen aber Zweifel gekommen zu sein, inwieweit auf dieses Wort vertraut werden kann. Am Donnerstag und Freitag hat der Yukos-Aktienkurs wieder 14 Prozent an Wert verloren. Und wenn es nach dem Chefstrategen des russischen Broker Sovlink, Eric Kraus geht, ist auch das ein immer noch deutlich zu hoher Kurs. Aus seiner Sicht wird es der Kreml niemals zulassen, daß einer der Hauptakteure bei Yukos künftig „auch nur einen kleinen Kiosk in Moskau betreibt“.

          Wer Yukos-Aktien im Depot halte, laufe große Gefahr, sich die Finger zu verbrennen. Denn auch für Spekulationen ist Yukos praktisch nichts mehr wert. Unter Würdigung aller Aspekte scheint dies derzeit die plausibelste Einschätzung zu sein. Überraschende Wendungen sind in Rußland allerdings niemals komplett auszuschließen. Am Zocker-Charakter der Yukos-Aktie ändert das aber nichts.

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