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Wahlen in Amerika : Finanzmärkte hoffen auf Hillary Clinton

  • -Aktualisiert am

Duell an der Wallstreet: Börsianer verfolgen die Debatte von Donald Trump und Hillary Clinton. Bild: Reuters

Nach dem ersten TV-Duell der beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten reagiert die Börse erleichtert auf eine solide Leistung von Clinton.

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          An der Wall Street scheinen Marktteilnehmer nach der ersten Fernsehdebatte der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten mit einem Wahlsieg der Demokratin Hillary Clinton zu rechnen. Die Aktienkurse an den amerikanischen Börsen reagierten am Dienstag im frühen Handel mit leichten Aufschlägen. Dazu wertete der mexikanische Peso gegenüber dem amerikanischen Dollar deutlich auf. Der Peso ist besonders sensibel, weil der republikanische Kandidat Donald Trump das Freihandelsabkommen zwischen Mexiko, Kanada und den Vereinigten Staaten kritisiert hat und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten will. Clinton wird an den Finanzmärkten bevorzugt, weil sie als berechenbarer gilt als Trump. „Clinton wird als Fortsetzung des Status quo empfunden“, kommentierte James Athey, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Vor der Debatte, die angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens der beiden Kandidaten in den jüngsten Umfragen als möglicherweise wahlbeeinflussend galt, war die Nervosität an der Wall Street deutlich gestiegen. Am Montag waren die Aktienkurse um knapp ein Prozent gefallen. Schon in der Woche zuvor hatten die Kurse ähnlich starke Ausschläge verzeichnet. Solche Schwankungen sind in der Regel zwar nicht dramatisch, aber die Aktienkurse waren seit Juni nicht mehr derart volatil gewesen. Damals hatte das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union, der sogenannte Brexit, für Unsicherheit an den Märkten gesorgt. „Trump gilt weithin als unverantwortlich, und Clinton gilt in gleichem Maße als Freundin der Wall Street“, sagt Chris Irons, Analyst bei der auf Aktienanalyse spezialisierten Gesellschaft Geoinvesting. Trump sei daher „ganz klar derjenige“, der für Schwankungen im Markt sorgen könnte. Analysten der französischen Bank Société Générale sprechen bereits von einen „Trump-Faktor“ in den Märkten. Sie erklärten die jüngsten Kursverluste amerikanischer Staatsanleihen mit dem enger gewordenen Rennen zwischen Clinton und Trump. Dieser Trend habe auch für zusätzliche Unsicherheit im Aktienmarkt gesorgt.

          Sorge um Trumps Wirtschaftsplan

          Die Aktienkurse an der Wall Street befinden sich seit März 2009, abgesehen von einigen kurzfristigen Rückschlägen, auf Haussekurs. Der Dow-Jones-Index liegt in diesem Jahr um rund 4 Prozent im Plus. Der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 ist seit Anfang des Jahres um 5 Prozent gestiegen. Trump hatte in der Debatte mit Clinton am Montagabend von einer „großen, fetten, hässlichen spekulativen Blase“ an den Aktienmärkten gesprochen. Er warf der Notenbank Fed und ihrer Vorsitzenden Janet Yellen vor, diese Blase mit niedrigen Zinsen geschaffen zu haben. Sobald die Fed die Zinsen erhöht, werde die Blase platzen und die Aktienkurse werden abstürzen, warnte Trump. In einem Interview vor der Fernsehdebatte hatte Trump eine Zinserhöhung gefordert. Gleichzeitig charakterisierte Trump die amerikanische Wirtschaft aber wiederholt als „Desaster“ – was eigentlich für weiterhin niedrige Zinsen sprechen würde. Die Notenbank hatte die Zinsen im Zuge der Finanzkrise gesenkt, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Im Frühjahr hatte Trump noch gesagt, dass eine Anhebung der Zinsen „furchterregend“ wäre. „Was ist es nun?“, fragt sich Josh Brown, der Vorstandsvorsitzende des Vermögensverwalters Ritholtz Wealth Management. „Ich weiß nicht, was der Dollar im Falle eines Siegs von Trump wert ist. Ich weiß nicht, welche Auswirkungen es auf den Kapitalfluss aus dem Ausland hat.“ Werden ausländische Unternehmen amerikanische Dollar besitzen wollen, wenn ein derart unberechenbarer Mann im Weißen Haus residiert?, fragt sich Brown.

          Laut einer Umfrage des Wirtschaftssenders CNBC unter Ökonomen, Fondsmanagern und Anlagestrategen, hält die Mehrheit (53 Prozent) Clinton aus Sicht des Aktienmarktes für eine bessere Wahl, weil sie Stabilität verspricht und Erfahrung im Umgang mit dem Spitzenpolitikern ausländischer Staaten hat. Nur 26 Prozent der Befragten halten Trump für die bessere Alternative.

          Einige Analysten gehen aber davon aus, dass bestimmte Branchen nach den Wahlen unterschiedlich reagieren werden. Die Aktienfachleute der Schweizer Bank UBS glauben, dass Aktien der Einzelhändler und Restaurantketten von einem Sieg Trumps profitieren würden. Der Grund: Die von Trump avisierten Steuersenkungen würden es Verbrauchern erlauben, mehr einzukaufen und auszugehen. Auch Bankaktien würden von Trump profitieren, heißt es bei der UBS. Zwar war Clinton von Trump und in den Vorwahlen der Demokraten auch von ihrem innerparteilichen Konkurrenten Bernie Sanders wiederholt wegen ihrer Kontakte zur Wall Street kritisiert worden. Allerdings ist es Trump, der im Gegensatz zu Clinton das 2010 in Folge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise verabschiedete Finanzmarktreformgesetz (Dodd-Frank-Act) kippen will. Banken wie JP Morgan Chase hatten die gestiegenen Kosten wegen der verschärften Regulierung wiederholt kritisiert. Auch die Energiebranche und die Tabakindustrie könnten unter einem Präsidenten Trump einen Aufschwung erleben, weil er auch in diesen Bereichen die Regulierung lockern will. Aber auch die UBS glaubt, dass die Aktien- und Anleihekurse allgemein unter Druck geraten würden, sollte Trump im November die Präsidentschaftswahlen gewinnen.

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