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Börse Paris : Im Griff der Griesgrämigkeit

  • Aktualisiert am

Suez-Chef Gérard Mestrallet sieht sich bei Gaz de France nun endlich am Ziel Bild: AFP

Das Verbrauchervertrauen ist in Frankreich so niedrig wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr. Auch Aktien wollen die Franzosen nicht kaufen. Damit steht die Börse Paris im europäischen Vergleich im Abseits. Wenigstens Suez hebt sich aus dem allgemeinen Dunkel ab.

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          Superdupont heißt die französische Parodie auf den amerikanischen Comic-Helden Superman. Sein Leben widmet er im eigenen Land dem Kampf gegen die „morosité“, gegen die permanente Griesgrämigkeit der Franzosen. Allerdings ist auch der gemütliche Superheld mit Bauchansatz, Baskenmütze und Pantoffeln gescheitert. Die „morosité“ hat das Land wieder so fest im Griff, dass im Mai das Verbrauchervertrauen auf den niedrigsten Stand gefallen ist, seitdem das Statistikamt Insee 1987 mit der Datenerhebung begann.

          „Sarkozy hat sich seit seinem Amtsantritt vor über einem Jahr stets als Präsident der Kaufkraft stilisiert, doch seine Rechnung geht nicht auf“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Frankreich-Experten Sebastian Wanke von der Deka-Bank. Immer neue Teuerungsschübe bei Öl und Nahrungsmittel hätten die Bürger tief verunsichert: „Die Verbraucher haben richtig Angst“, sagte Wanke.

          Frankreich ist den Franzosen zu teuer

          Die Elsässer beispielsweise füllen ihren Kühlschrank derzeit am liebsten bei den Discountern auf der deutschen Rheinseite, berichtete ausführlich die Tageszeitung „Le Monde“ in der vergangenen Woche. Tatsächlich sind die Preise für Lebensmittel in Frankreich im Allgemeinen spürbar höher als in Deutschland.

          Bild: F.A.Z.

          Auch heimische Aktien wollen die Franzosen offenbar nicht mehr kaufen. Der Cac 40, der Leitindex der Pariser Börse, fiel in den vergangenen zwölf Monaten um 18 Prozent, während der Deutsche Aktienindex Dax um 9,6 Prozent fiel und der Eurostoxx 50 um 16 Prozent.

          Die französischen Standardwerte, die in diesem Jahr noch Kursgewinne vermelden konnten, sind schnell aufgezählt: Es sind der Stahlkonzern Arcelor-Mittal, die Immobiliengesellschaft Unibail-Rodamco, der TGV-Hersteller Alstom, Gaz de France und der Röhrenproduzent Vallourec.

          Das Verbrauchervertrauen wird schwach bleiben

          Und der Kursverfall auf dem französischen Aktienmarkt scheint noch nicht ausgestanden. Im Gegensatz zur relativen robusten deutschen Wirtschaft schneide Frankreich unterdurchschnittlich ab, urteilen die Volkswirte der französischen Investmentbank Calyon in einer Marktstudie. Die Verbraucherausgaben im Land würden auch vorerst schwach bleiben.

          Wie angeschlagen der französische Aktienmarkt ist, zeigt sich auch an der Entwicklung der Investmentfonds, die ihren Anlageschwerpunkt an der Börse Paris haben. Rund 9 Prozent verloren sie allein in den vergangenen sechs Monaten an Wert. Auf ein Jahr gerechnet beläuft sich der Verlust sogar auf mehr als 16 Prozent.

          Suez und Gaz de France sind ein Lichtblick

          Zu den wenigen Aktien, die sich derzeit den Anlegern empfehlen, zählen die Analysten der schweizerischen Privatbank Sarasin den Industriekonzern Suez (FR0000120529), der zur Zeit den zu 80 Prozent staatlichen Gasversorger Gaz de France übernehmen will. Nun hat auch der Verwaltungsrat von Gaz de France zu Wochenbeginn offiziell sein Plazet gegeben. Damit dürfte Suez nach nunmehr zweijährigem Ringen um das Unternehmen am Ziel sein.

          „Die neue Einheit, die GdF Suez heißen wird, wird allein durch ihre Größe mit einem Umsatz von 72 Milliarden Euro die Wettbewerbsfähigkeit steigern können, über eine starke Bilanz verfügen, einen guten Geschäftsmix aufweisen und regional sehr ausgewogen vertreten sein“, begründen die Sarasin-Analysten ihre Kaufempfehlung.

          Die Deutsche Bank zählt den Übernahmekandidaten sogar zu ihren Favoriten unter den europäischen Versorgern und empfiehlt die Aktie von Gaz de France zum Kauf. Die Analysten trauen dem Titel zu, von derzeit rund 42 Euro auf bis zu 51 Euro zu steigen. Beide Aktien, die von Suez und die von Gaz de France, würden mit einem erheblichen Abschlag auf ihren fairen Wert gehandelt werden. Die neue Einheit könne zweistellige Zuwachsraten beim Gewinn schaffen. So gelingt es wenigstens einigen Titeln in Paris, sich der allgemeinen Griesgrämigkeit im Land zu entziehen.

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