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Börse Moskau : Der Ausverkauf nimmt kein Ende

  • Aktualisiert am

Auch an den russischen Finanzmärkten - hier die Börse Micex in Moskau - geht die Krise nicht spurlos vorbei Bild: dpa

Das Kursdesaster am Moskauer Aktienmarkt geht auch in dieser Woche ungebremst weiter. Zum Wochenausklang wurde wegen dem Schlamassel der Handel sogar wieder einmal unterbrochen.

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          An der russischen Börse geht es weiter drunter und drüber. Alleine an diesem Freitag ist der RTS-Index um 14,2 Prozent auf nur noch 513,62 Punkte eingebrochen. Dabei belief sich das Jahresminus schon am Vortag auf drastische 72,2 Prozent. Wobei sich die Kursverluste alleine in den vergangenen 30 Tagen auf mehr als 50 Prozent summierten. Und was das Ganze noch alarmierender macht: Auch im übrigens Osteuropa brennt die Hüte. So hat der MSCI Emerging Markets Europe Index bis gestern ebenfalls unglaubliche 69,3 Prozent verloren.

          Wie schon in einigen Fällen zuvor haben die Verantwortlichen in Russland am Freitag entschieden, den Handel einzustellen. Bis Dienstag kann der Handel damit nicht ohne Genehmigung der russischen Regulierungsbehörde wieder aufgenommen werden, wie die Börse mitteilte. Aufhalten konnten aber auch diese Handelsunterbrechungen den Abwärtsstrudel bisher nicht.

          Der sinkende Ölpreis verschärft die Probleme

          Ähnlich wie die ganze Welt leidet inzwischen auch Russland unter den negativen Auswirkungen der Kreditkrise. Erschwerend kommt noch der drastisch gefallene Ölpreis hinzu. Dadurch nimmt das Land täglich 400 Millionen Dollar weniger durch Öl und Gas ein als noch Anfang Juli. Selbst reiche Oligarchen wie Oleg Deripaska sind in finanzielle Schwierigkeiten geraten und sahen sich gezwungen, Beteiligungen zu verkaufen.

          Bild: F.A.Z.

          Weil auch andere Marktteilnehmer kreditfinanzierte Engagements haben, stehen auch sie unter Verkaufsdruck und je weiter die Kurse fallen, um so verstärkt sich der Zwang zu Liquidationen. Die Notenbank und die Regierung haben zwar bereits mehrere Rettungspakete gestrickt, bislang haben die Hilfen aber ihre Wirkung verfehlt. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für die Bonität russischer Staatsanleihen deswegen am Freitag sogar von stabil auf negativ gesenkt. Zur Begründung hieß es, Moskau habe bereits bis zu 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Stützung der Finanzbranche bereitgestellt und die Kosten für die Stabilisierungsmaßnahmen würden voraussichtlich noch steigen.

          Am einfachsten wäre der Abwärtstrend am Aktienmarkt kurzfristig zu stoppen, wenn sich der Ölpreis wieder erholen würde. Wegen der eingetrübten Aussichten für die Weltwirtschaft sieht es danach derzeit aber nicht aus. Für Chris Weafer, Stratege beim Broker Uralsib, hat ein weiter fallender Ölpreis und der damit verbundene Druck auf die Landeswährung Rubel nur eine Konsequenz zur Folge: „Der Abwärtsdruck wird sich dadurch nur verstärken und die Chancen auf eine Rally hinauszögern.“

          Bewertungsrelationen sind extrem niedrig

          Allerdings ist der Markt angesichts der erwähnten herben Verluste längst völlig überverkauft und eigentlich reif für eine Gegenbewegung. Dafür sprechen normalerweise auch die erreichten Bewertungsrelationen. So wiesen die russischen Aktien schon auf Basis der Schlusskurse vom Donnerstag und den Gewinnschätzungen der Unicredit für 2009 nur noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 2,5 und ein Verhältnis von Unternehmenswert zum Ebitda von 2,0 auf. Garniert wird dies noch durch ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,5.

          Das sind alles extrem niedrige Bewertungskennziffern und an dieser Bestandsaufnahme würde sich selbst dann wenig ändern, wenn die Unternehmensergebnisse im kommenden Jahr sinken sollten. Wie tief die Bewertungen sind, zeigt sich übrigens auch am Beispiel von AFK Sistema. Der Mischkonzern wurde so stark abgestraft, dass der Börsenwert nur noch einem Drittel von dem entspricht, was die am Mobilfunkunternehmen MTS gehaltene Beteiligung wert ist. Alle anderen Konzernteile gibt es somit noch gratis oben drauf.

          Kein Eigenleben zu erwarten

          Aber das Geschehen ist derzeit ganz einfach von Panik geprägt. Wie könnte es auch anders sein, wenn Gerüchte um eine Abwertung des Rubel kursieren und viele Unternehmen um die Refinanzierung ihrer kurzfristigen Dollar-Kredite zittern müssen. In Zeiten wie diesen traut sich kaum jemand, in das fallende Messer zu greifen und oft fehlen dazu inzwischen auch ganz einfach die finanziellen Mittel.

          Somit kann sich vermutlich auch die russische Börse erst dann wieder erholen, sobald sich auch die Weltbörsen wieder stabilisieren. Fliegt uns allerdings das Finanzsystem nicht komplett um die Ohren und kommt auch die russische Volkswirtschaft halbwegs heil aus der Krise, dann bieten die erreichten niedrigen Bewertungen enormes Erholungspotenzial.

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