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Börse : Japans Aktienmarkt ohne Perspektive

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Wieder einmal nur Minuszeichen in Japan Bild: dpa

Japan steckt weiter in der Krise. Klares Indiz hierfür ist die Börse, an der der Topix-Index auf ein 39-Monats-Tief fiel.

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          Wie das Land, so der Aktienmarkt. Ähnlich wie die Wirtschaft Japans befindet sich auch der Aktienmarkt in einer Sackgasse. Und aktuell ist weder eine konjunkturelle Belebung noch eine Kurserholung in Sicht.

          Am Dienstag fiel der Nikkei 225 Index um 2,2 Prozent auf 10.208,05 Yen. Der marktbreitere Topix Index büßte zwei Prozent auf 980,32 Punkte ein. Er markierte damit ein neues 39-Monats-Tief. Dabei hatten sich die Japaner in den Vorjahren noch immer versucht, sich damit halbwegs zu trösten, dass die Malaise an ihrem Aktienmarkt durch die alleinige Fokussierung auf den Nikkei 225 überzeichnet werde. Die Entwicklung beim Topix zeigt aber, dass in Japan trotz aller eingeschränkten Aussagekraft des Nikkei 225 Feuer unter dem Dach ist.

          Yen-Abwertung nicht ohne Folgeprobleme

          Da die Verantwortlichen mehr oder weniger öffentlich eingestanden haben, dass sie mit ihrem Latein bei der Bekämpfung der Deflation am Ende sind, ist zunächst auch keine Besserung in Sicht. Der letzte Rettungsanker wird in einer anhaltenden Abwertung des Yen gesehen. Einfach nur auf diese Politik zu vertrauen, erscheint aber fragwürdig. Schließlich leiden darunter die anderen asiatischen Länder, so dass es letztlich zu einem regelrechten Abwertungswettlauf kommen könnte.

          Nach dem inzwischen jahrelang anhaltenden Kursdruck gibt es am japanischen Aktienmarkt, namentlich im Exportsektor, natürlich einige interessante Kaufkandidaten. Unter dem Strich stehen dem Gesamtmarkt aber weiterhin sehr schwierige Monate bevor. Dies zeigt sich auch an der negativen Grundstimmung am Dienstag. Da wurde wieder einmal ersichtlich, dass die japanischen Aktien am Tropf der Wall Strreet hängen. Machen sich dort aber Konjunktur- und Gewinnsorgen breit, mündet dies sofort auch am japanischen Aktienmarkt in Kursverlusten.

          Mit am schlimmsten erwischte es diesmal Telefonhersteller wie Kyocera, nachdem die Investmentbank ABN Amro ihre Prognose für den weltweiten Absatz von Handys zurückgeschraubt hat. Kyocera fielen daraufhin um 5,5 Prozent auf 7.850 Yen. Auch Sony, ein Titel also, in dem viele ausländische Anleger angagiert sind, gab um 5,5 Prozent auf 6.050 Yen nach. Verstärkt wurde der Druck durch die erste Pleite eines gelisteten Unternehmens in diesem Jahr. Es handelt sich um den Wohnungsbau- und Immobilienkonzern Shokusan Jutaku Sogo, der Gläubigerschutz beantragte.

          Keine Besserung in Sicht

          Ähnlich wie die meisten anderen Weltbörsen können nun auch die Anleger in Japan eigentlich nur darauf hoffen, dass die nun in Schwung kommende Quartalsberichtssaison in den USA mit besser als erwarteten Geschäftsausblicken für etwas Erholung sorgen wird. Die hausgemachten japanischen Probleme, die aus Deflation, rekordhohen Unternehmenspleiten, Konsumflaute, notleidenden Bankenkrediten in Höhe von offiziell 151 Billionen Yen und einer hohen Staatsverschuldung bestehen, werden sich aber selbst bei positiven Nachrichten aus den USA nicht in Luft auflösen.

          Es sind daher weitere Kursverluste am japanischen Aktienmarkt zu befürchten. Rutscht der Topix-Index dabei auch noch auf Notierungen unter 980,11 Punkte ab, dann sprechen wir nicht mehr von eher harmlos klingenden 39-Monats-Tiefs, sondern ähnlich wie teilweise beim Nikkei im Vorjahr von 17-Jahres-Tiefs. Für Privatanleger bedeutet dies, am besten weiterhin einen weiten Bogen um japanische Aktien zu machen.

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