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Aktienbörse : Neue Börse will Hochfrequenzhändlern Handwerk legen

Der Handelsraum der IEX-Börse in New York Bild: COLE WILSON/The New York Times/R

Die Plattform der „Flash Boys“ feiert ihr Debüt. Sie will es mit der New York Stock Exchange und der Nasdaq aufnehmen. Wehren sich die Etablierten?

          3 Min.

          Der Name klingt sperrig, aber die Mission ist einfach: Die IEX Group hat sich vorgenommen, den berüchtigten Hochfrequenzhändlern, die Wertpapiergeschäfte mit Hilfe von Supercomputern und ausgeklügelten Softwarealgorithmen abwickeln, das Handwerk zu legen. Sie sagt etablierten Börsen wie der New York Stock Exchange (Nyse) und der Nasdaq den Kampf an, denen sie vorwirft, mit diesen Hochfrequenzhändlern unter einer Decke zu stecken. Sie will den Handel fairer machen, indem sie durch einen in ihrem elektronischen System eingebauten Bremsmechanismus Transaktionen bewusst verzögert und damit den etwaigen Zeitvorsprung der Blitzhändler eliminiert. Am Freitag wird die IEX nun ihr offizielles Debüt feiern. Der Weg dafür wurde frei, nachdem sie im Juni gegen den Widerstand von Börsen wie der Nyse und der Nasdaq die offizielle Zulassung der Aufsichtsbehörde SEC bekommen hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die IEX ist einer breiteren Öffentlichkeit durch das 2014 erschienene Buch „Flash Boys“ des Bestsellerautos Michael Lewis bekannt geworden, das eine Diskussion über Hochfrequenzhandel angestoßen hat. In dem Buch wird beschrieben, wie sich Blitzhändler mit ihren in Milli- und Mikrosekunden abgewickelten Geschäften gegenüber Kleinanlegern und auch Profis bei Fondsgesellschaften Vorteile verschaffen. Der heute 37 Jahre alte IEX-Gründer Brad Katsuyama ist einer der Helden des Buches, weil er sich auf die Fahnen geschrieben hat, mit seinem Kampf gegen den Hochfrequenzhandel faire Bedingungen für alle Anleger zu schaffen. Dazu haben ihn seine eigenen Erlebnisse gebracht. Als Aktienhändler für die Royal Bank of Canada in New York war Katsuyama im Jahr 2007 Eigentümliches aufgefallen. Auf einmal konnte er nicht mehr wie früher ein Aktienpaket auf Knopfdruck zu einem bestimmten Preis kaufen. Stattdessen bekam er nur noch einen Teil der Aktien zu diesem Preis, der Rest des Pakets verschwand vom Bildschirm, und der Kurs stieg. Katsuyama und seine Kollegen fanden heraus, dass dies mit der unterschiedlichen Dauer zu tun hatte, die Aktienaufträge benötigen, bis sie an verschiedenen Börsen eintreffen. Diese Differenz machten sich die Computerprogramme der Hochfrequenzhändler zunutze. Sie registrierten, wenn ein Auftrag bei der ersten Börse einging, stornierten dann sofort Angebote für den Verkauf der Wertpapiere auf anderen Plattformen und boten sie stattdessen teurer an. Den etablierten Börsen warf Katsuyama vor, dieses Treiben zu unterstützen, indem sie Hochfrequenzhändlern gegen Bezahlung erlauben, Computer neben ihren eigenen Rechenzentren aufzustellen. Damit wird die Übertragungsdauer verkürzt und ein Zeitvorsprung ermöglicht.

          Wettbewerber gegen IEX-Börse

          2013 gründete Katsuyama dann die IEX, der Name steht für „Investor’s Exchange“, also Börse für Anleger. Das zentrale Element dieser Plattform ist eine Barriere, die jede Transaktion um 350 Mikrosekunden, also Millionstelsekunden, verzögert. Das ist zwar extrem kurz, soll aber reichen, um einen etwaigen Vorteil von Hochfrequenzhändlern zu neutralisieren. Über die IEX konnten auch schon bisher Aufträge abgewickelt werden, allerdings war sie ein sogenannter „Dark Pool“, über den Wertpapiere anonym gehandelt werden.

          Die Zulassung durch die SEC adelt die Plattform nun und hebt sie auf eine Stufe mit den etablierten Börsen. Aufträge müssen nun zu ihr geleitet werden, wenn sie den besten Preis im Verbund der insgesamt 13 offiziellen amerikanischen Aktienmärkte bietet. IEX kann sich somit also größere Hoffnungen machen, den anderen Handelsplätzen Marktanteile abzunehmen. Bislang entfallen weniger als zwei Prozent des Volumens am amerikanischen Wertpapierhandel auf die Plattform.

          Wettbewerber wie die Nasdaq und die Nyse haben mit allen Mitteln versucht, die Zulassung der IEX zu verhindern. Dass sie die junge Börse als Bedrohung sehen, zeigt sich auch daran, dass die Nasdaq nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ eine Option für Anleger plant, die nach einem ähnlichen Prinzip wie die IEX etwaige Nachteile gegenüber Hochfrequenzhändlern wettmachen soll. Nach ihrer Zulassung konkurriert die IEX nicht nur verstärkt um Wertpapiertransaktionen, sondern sie kann sich auch um Börsennotierungen bemühen. Der Kasinobetreiber Wynn Resorts hat angekündigt, seine Notierung von der Nasdaq auf die IEX zu verlagern. Dessen Gründer Steve Wynn gehört zum Investorenkreis der PIattform. Auch von anderen prominenten Stellen hat die IEX Unterstützung bekommen. Der bekannte Hedgefondsmanager David Einhorn zählt ebenfalls zu den Investoren, und die Bank Goldman Sachs hat die Plattform bei ihren Bemühungen um die Zulassung durch die SEC unterstützt. Dabei ist die IEX auch ein Wettbewerber für die hauseigene Handelsplattform der Bank.

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