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Börse : Hoffen auf den Osterhaseneffekt

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Goldesel Osterhase Bild: dpa/dpaweb

Studien zeigen, daß die Rendite von Aktienmärkten an Handelstagen, die Feiertagen vorausgehen, signifikant höher ist als an „normalen“ Handelstagen. Was wird aus dem Osterhasen-Effekt in diesem Jahr?

          Feiertage gelten gemeinhin als Ruhetage für die Seele. Doch vor den Feiertagen gilt es zumindest an der Börse, noch einmal richtig Geld zu verdienen. Wer am heutigen Donnerstag zur Eröffnung des Handels kauft und mit der Schlußglocke wieder verkauft, hat gute Chancen, besser abzuschneiden als Anleger, die an normalen Werktagen investieren. „Osterhaseneffekt“ nennt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), dieses Phänomen.

          So schneide der Gründonnerstag im langjährigen Durchschnitt mit einer Wertentwicklung von 0,55 Prozent gegenüber dem Vortag sehr gut ab. Nur in sechs von insgesamt 35 Jahren sei der Dax an diesem Tag zurückgegangen. „Dagegen liegt die durchschnittliche tägliche Wertentwicklung am ersten Handelstag nach Ostern mit nur 0,15 Prozent deutlich unter der vom Gründonnerstag“, erklärt Frau Traud. Etwas allgemeiner kann man sogar von einem „Vorfeiertags-Effekt“ sprechen: Studien zeigen, daß die Rendite von Aktienmärkten an Handelstagen, die Feiertagen vorausgehen, signifikant höher ist als an „normalen“ Handelstagen.

          Verblüffender Gewinn

          Glaubt man an diesen Effekt, so ist auch klar, was zu tun ist: Am Tag vor dem Vorfeiertag oder am Vorfeiertag direkt zu Handelsauftakt Aktien kaufen - und sie mit dem Klang der Schlußglocke wieder versetzen. So esoterisch das klingen mag, so deutlich schlägt dieser Effekt in der Statistik auf. „Die Profitabilität dieser Strategie ist verblüffend: An nur knapp 6 Prozent aller Handelstage konnte man knapp 38 Prozent der Gesamtwertentwicklung des Dax erzielen“, sagt Hendrik Garz von der WestLB. Er hat sich die Entwicklung des Dax in den vergangenen 30 Jahren genauer angesehen und festgestellt, daß der Vorfeiertagseffekt zumindest statistisch existiert. Zudem existiert dieser Effekt auch auf Ebene der Einzeltitel: Nicht nur der Index, sondern auch die einzelnen im Dax vertretenen Aktien schneiden an Vorfeiertagen signifikant besser ab, hat Garz herausgefunden.

          Nun kann man natürlich blindlings der Statistik vertrauen und investieren. Doch was sind die Gründe für diesen Effekt? Die erste Idee klingt plausibel: Daß man, wenn man an Vorfeiertagen kauft, vielleicht ein höheres Risiko eingeht. Klingt gut, deckt sich aber nicht mit den Daten, sagt Garz. Das Risiko, gemessen an den Kursschwankungen, sei über die Jahre hinweg an Vorfeiertagen sogar geringer gewesen. Natürlich kann man auch die Psychologie bemühen. „Psychologische Erklärungsversuche stellen darauf ab, daß Investoren an Vorfeiertagen und Freitagen - wegen der bevorstehenden freien Tage - bessere Kauflaune haben als am Montag, dem ersten Arbeitstag der Woche“, erklärt Frau Traud.

          Privatanleger legen Ruhetag ein

          Eine andere mögliche Erklärung liegt in der Beobachtung, daß die Ordergrößen an Vorfeiertagen im Schnitt größer sind - möglicherweise, weil sich vor allem Privatanleger an solchen Tagen vom Markt fernhalten. Das wiederum kann dann aus zwei Gründen die Kurse treiben: Zum einen stellen die Marktmacher höhere Geld-Brief-Spannen, weil für sie mit dem Kauf großer Aktienpakete auch das eigene Risiko steigt. Zum anderen deutet eine große Kauf-Order darauf hin, daß hier jemand ganz genau weiß, was er tut und den Wert des Aktienpaketes - möglicherweise weil er über Insiderinformationen verfügt - besser kennt als der Verkäufer. Das verleitet den Verkäufer dann dazu, einen höheren Preis zu verlangen.

          Ob plausibel oder nicht - soll der Privatanleger heute Aktien kaufen? „Dieser Effekt tritt nur im Durchschnitt auf - man muß also lange und konsequent diese Vorfeiertagsstrategie verfolgen, damit sie sich auszahlt. Wer nur einmal am Vorfeiertag kauft, wird möglicherweise enttäuscht“, warnt Garz. So richtig Verlaß ist also nicht auf den Börsenosterhasen.

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