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Börse : Europäische Bankaktien sind nicht mehr billig

An der Spitze: Banco Santander verdient viel Geld in Schwellenländern. Bild: dpa

Die Aktienkurse vieler Banken gerade aus der Peripherie sind stark gestiegen. Viele Anleger haben diese Hausse verpasst. Jetzt sind einige Bewertungen hoch.

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          Fast 40 Milliarden Euro Erträge hat der spanische Banco Santander für das vergangene Jahr in seinen Büchern verzeichnet. Dabei war 2013 nicht nur ein gutes Jahr: Die Großbank aus dem Norden Iberiens musste rund 11 Milliarden Euro für Wertberichtigungen auf schlechte Kredite wegstecken. Trotz aller Belastungen erwirtschaftete die Bank einen Reingewinn von knapp 4,4 Milliarden Euro. Der Lohn der Börse drückt sich in einem Marktwert von mehr als 70 Milliarden Euro aus.

          Damit ist der Banco Santander de facto die wertvollste Bank im Euroraum und hinter dem britisch-asiatischen Koloss HSBC die zweitgrößte Bank in Europa. Auf dem Papier übertrifft zwar die Allied Irish Bank den Marktwert des Banco Santander noch um ein paar Milliarden Euro, aber da sich die irische Bank zu gut 99,8 Prozent in Staatsbesitz befindet und die freien Aktien nur mit geringen Umsätzen gehandelt werden, lässt sich aus dem Kurs dieser Bank kein seriöser Marktwert berechnen.

          Bild: F.A.Z.

          Das Ansehen vieler europäischer Banken an den Finanzmärkten ist im Verlauf der vergangenen Monate deutlich gestiegen, nachdem besonders Banken aus der Europeripherie lange Zeit in keinem hohen Ansehen standen. Doch gerade Banken aus der Peripherie haben in der Gunst internationaler Investoren sehr stark zugelegt. Das gilt nicht nur für die großen Häuser aus Spanien, Italien und Frankreich, deren Marktwerte jenen der Deutschen Bank übertreffen, sondern auch für viele kleinere Banken. So halten amerikanische Investoren heute rund ein Viertel aller notierten italienischen Bankaktien; amerikanische Hedgefonds haben sich in griechische Häuser wie die Piräus Bank eingekauft, und Investoren aus dem Norden wie aus dem Süden Amerikas haben in den vergangenen Monaten Anteile an spanischen Banken erworben. Als die spanische Regierung kürzlich Anteile an der Bankia, einer mit mehr als 20 Milliarden Euro geretteten Regionalbank mit lange Zeit sehr fragwürdigem Ruf, verkaufte, griffen nahezu 100 internationale Großanleger zu. Die Bankia, deren Altaktionäre in der Krise fast ihr ganzes Geld verloren, ist an der Börse mit 17 Milliarden Euro heute mehr wert als die Commerzbank. Sogar der Piräus Bank, die als griechisches Haus an den internationalen Märkten nicht gerade größte Wertschätzung genießt, ist es kürzlich gelungen, eine mehrfach überzeichnete Anleihe im Volumen von 500 Millionen Euro zu plazieren.

          Zurückgeblieben ist bisher die Deutsche Bank

          Eine Mischung aus externen Hilfen und eigenen Anstrengungen hat vielen europäischen Banken bei ihrem Wiederaufstieg an den internationalen Finanzmärkten geholfen. Zu den externen Helfern zählt fraglos die Europäische Zentralbank. Mario Draghis Zusicherung, die EZB werde ihre Möglichkeiten nutzen, um den Euro zu erhalten, hat zur Stabilisierung der Staatsanleihenmärkte und damit auch der Banken in der Peripherie beigetragen. Ferner bieten die sehr niedrigen Leitzinsen den Banken die Gelegenheit, sich billig Geld bei der Zentralbank zu leihen, und dafür höher verzinsliche Staatsanleihen zu kaufen. In den vergangenen Jahren war dies ein sicheres Verfahren, um Geld zu verdienen. Banken in Irland, Portugal, Spanien und Griechenland haben daneben von Hilfsprogrammen profitiert.

          Aber die Börse honoriert auch eigene Anstrengungen der Banken. Viele Häuser - dies gilt für einen Riesen wie den Banco Santander ebenso wie für die deutlich kleineren portugiesischen Banken - haben ihre Abhängigkeit von Kapitalmarktfinanzierungen reduziert, die in den vergangenen Jahren zu ihrer Krisenanfälligkeit wesentlich beigetragen haben. Manche Banken haben sich von nichtstrategischen Betriebsteilen getrennt, andere wollen vor den für dieses Jahr vorgesehenen Tests durch die Aufseher reinen Tisch machen: Die Entscheidung des Unicredit, die Rechnung des Jahres 2013 mit Wertberichtigungen über rund 15 Milliarden Euro zu belasten, führte zum Ausweis eines hohen Jahresverlustes - und zu einem Kursgewinn an der Börse, die es schätzt, wenn Banken für Transparenz sorgen.

          Bild: F.A.Z.

          Über dem wachsenden Interesse internationaler Anleger an den Aktien europäischer Banken sind viele Bewertungen aber doch recht hoch geworden, so dass sich die Frage stellt, ob die Hausse nicht mindestens eine Unterbrechung verdient. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse vieler Aktien liegen bei mindestens 15, in manchen Fällen auch deutlich über 20. Im historischen Vergleich sind die Aktien damit teuer. Für die beiden spanischen Großbanken zeigen dies die Analysten von JP Morgan Cazenove. Der Banco Santander und BBVA verdanken den Höhenflug ihrer Aktien vor allem ihrer starken Präsenz in Schwellenländern, deren Erträge geholfen haben, über die Belastungen auf dem spanischen Heimatmarkt hinwegzusehen. Das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung vieler Schwellenländer hat aber in den vergangenen Monaten gelitten, und etwaige Eintrübungen der Konjunktur gerade in Lateinamerika würden die spanischen Großbanken treffen. Für alle europäischen Großbanken gilt zudem, dass sie sich in den kommenden Monaten Tests durch Aufseher stellen müssen, die nach Einschätzung aus den Banken streng ausfallen könnten. Die genaue Überprüfung könnte auch negative Überraschungen bringen.

          Zurückgeblieben ist im Wettrennen der großen europäischen Banken um die Gunst der Anleger bisher die Deutsche Bank, die einen Platz unter den führenden Universalbanken in der Welt anstrebt. Die jüngsten Zahlen der Bank sind durch viele Sondereinflüsse verzerrt, aber auch im operativen Geschäft wird sie sich noch erheblich steigern müssen, um unter die allerersten europäischen Häuser vorzustoßen.

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