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Blick auf den Finanzmarkt : Woche der Stressbewältigung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Egal, wie die europäischen Bankenaufseher die Stresstests für die Banken ausgestalten - ein Tadel ist ihnen sicher. Wenn sich die europäischen Großbanken am Freitag rühmen können, den Test bestanden zu haben, wird er für wertlos erklärt.

          Ganz egal, wie die europäischen Bankenaufseher die Details des Stresstests für die Banken ausgestalten - ein Tadel ist ihnen sicher. Wenn sich alle 91 europäischen Großbanken am kommenden Freitag rühmen können, dass sie den Test bestanden haben, wird er für wertlos erklärt. Wird die Prüfung der Banken in einer hypothetischen Krise dagegen zu hart gestaltet, könnte das die Märkte unter Druck setzen und den Aufsehern den Vorwurf der Fahrlässigkeit einbringen.

          Am Freitag wird der europäische Ausschuss der Aufsichtsbehörden das Ergebnis des Belastungstests veröffentlichen. Die Banken mussten in den vergangenen Tagen offenlegen, ob ihr Kapital auch dann ausreichen würde, wenn die Wirtschaft abermals in eine Rezession fällt und um etwa 2 Prozent schrumpft. Verbunden wäre dies mit steigender Arbeitslosigkeit und zusätzlichen Kreditausfällen. In einem zweiten Schritt mussten sie zeigen, dass sie in einer solchen Situation außerdem eine abermalige Verschärfung der Schuldenkrise und damit verbundene Kursverluste von Anleihen der finanzschwachen Euro-Staaten aushalten können.

          Ist der Banken-Stresstest „scharf“ genug?

          Es ist anzunehmen, dass die Aufsichtsbehörden sich im Zweifel lieber für eine vorsichtige Gangart entscheiden - also lieber den Vorwurf der übertriebenen Rücksichtnahme als den der Fahrlässigkeit hinnehmen. Darauf deutete in den vergangenen Tagen schon hin, dass das Stress-Szenario für die Anleihemärkte entschärft wurde. Nun sieht der Test nur noch einen Wiederanstieg der Risikoprämien auf das im Mai erreichte Niveau und geringfügig darüber hinaus vor. Ein allgemeiner Kursverfall aller Anleihen - auch von Bundesanleihen - wurde dagegen wieder gestrichen.

          Das dürfte dazu beigetragen haben, dass nun damit gerechnet wird, dass alle 14 deutschen Banken - einschließlich der Landesbanken - die Prüfung bestehen. Trotz der Aufweichung der Annahmen könnte der Test jedoch für die Märkte aufschlussreiche und für einige Banken peinliche Informationen öffentlich machen. Deshalb dürfte bis zum Schluss hinter den Kulissen darüber gestritten werden, welche Details nach außen gegeben werden.

          Manche Analysten vermuten schon, dass sich bei einem einigermaßen mutigen Auftritt die Bewertung der nationalen Bankensysteme verschieben könnte. Die wegen der Immobilienkrise und der zu befürchtenden Kreditausfälle ins Gerede gekommenen spanischen Großbanken haben gute Chancen, ein paar Punkte gutzumachen. Denn in einem wirklich schlechten Zustand sind in Spanien eher die kleineren Banken, die an dem Stresstest nicht teilnehmen. Umgekehrt, so lautet die Erwartung einiger Marktbeobachter, könnte sich die Wahrnehmung der deutschen Landesbanken durch den Test verschlechtern. Zu hoffen ist nur, dass die Europäer die Chance auf mehr Transparenz nicht ungenutzt verstreichen lassen - aus Sorge, dass Ehrlichkeit die Märkte überfordern könnte. Die Verfassung des Finanzsystems ist zwar immer noch nicht über jeden Zweifel erhaben. Aber die Rahmenbedingungen waren schon seit einigen Monaten nicht mehr so gut wie heute.

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