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Blick auf den Aktienmarkt : Die Zinswende stoppt die Aktienhausse

Fed-Chef Bernanke überraschte die Anleger mit einer klaren Ansage Bild: AFP

Erstmals in diesem Jahr hat der F.A.Z.-Aktienindex einen Monat im Minus beendet. Immer noch bestimmt die Geldpolitik das Geschehen. Bange Blicke gehen weiterhin nach Italien.

          5 Min.

          Erstmals in diesem Jahr ist der F.A.Z.-Aktienindex in einem Monat gefallen. Der Rückschlag um 4,3 Prozent im Juni ist so stark, dass der Jahresgewinn auf 1,5 Prozent geschmolzen ist. Gleichwohl ist auch die Bilanz des zweiten Quartals noch positiv. Zwischen März und Juni legte der Index, der die 100 wichtigsten deutschen Aktien abbildet, um 0,8 Prozent zu und erreichte Ende Mai mit 1791 Punkten das bisherige Jahreshoch. Aber die Anzeichen mehren sich, dass am deutschen Aktienmarkt nun eine schwächere saisonale Phase begonnen hat, die in der Vergangenheit häufig bis September andauerte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Juni standen die Aktienmärkte rund um den Globus unter Verkaufsdruck. Der Präsident der amerikanischen Notenbank Fed überraschte die Anleger mit einer klaren Ansage: Schon in einem Jahr werde die Fed ihre Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar im Monat eingestellt haben. Die Bedingung allerdings, die Ben Bernanke daran knüpfte, ging zuweilen unter: Die amerikanische Wirtschaft, insbesondere der Arbeitsmarkt, muss sich wie erwartet erholen. Daran aber kann man zweifeln. So stieg die Arbeitslosenquote zuletzt leicht von 7,5 auf 7,6 Prozent, und das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal musste von 2,4 auf 1,8 Prozent korrigiert werden. Dennoch fürchten Anleger, dass die Fed im September damit beginnen könnte, das Ausmaß ihrer Anleihekäufe zu drosseln. Umso mehr zeigten sie sich enttäuscht, dass in Japan die Notenbank ihre Käufe nicht noch weiter ausweiten will.

          Insbesondere Bankaktien leiden

          Die Aussicht, dass es künftig weniger zusätzliches billiges Geld auf der Welt geben könnte, führte zu einem Ausverkauf an den Schwellenländerbörsen, in die viel Geld aus Amerika und Japan geflossen war. Auch Anleihen in Amerika, Japan und im Euroraum standen unter Abgabedruck. Im Gegenzug stiegen die Renditen: Die Renditen für amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit kletterten im Verlauf des Juni von 2,1 auf 2,5 Prozent - das höchste Niveau seit fast zwei Jahren. Die Renditen für Bundesanleihen mit dieser Laufzeit legten etwas moderater von 1,5 auf 1,7 Prozent zu und verharrten in einem langjährigen Korridor. Bei kürzeren Laufzeiten aber zeichnet sich klarer ab, dass die Zinswende in Deutschland vollzogen sein dürfte. In China gab es sogar Gerüchte über eine Kreditklemme. Die Interbankenzinsen schnellten in die Höhe. Die Kurse am chinesischen Aktienmarkt fielen auf das tiefste Niveau seit vier Jahren. Insofern schlägt sich der deutsche Aktienmarkt im internationalen Vergleich noch gut.

          Aber die Zinswende macht auch den deutschen Aktien zu schaffen. Insbesondere Bankaktien leiden, weil Banken nicht nur Kredite vergeben, sondern auch Spareinlagen in Anleihen anlegen. Diese aber erleiden mit steigenden Zinsen Kursverluste. Außerdem reißen die schlechten Nachrichten vom Schiffsmarkt nicht ab. Davon ist die Commerzbank, hinter der HSH Nordbank mit 19 Milliarden Euro zweitgrößter Schiffsfinanzierer, stark betroffen. Um Notverkäufe zahlungsunfähiger Kunden und Abschreibungen in ihrer eigenen Bilanz zu vermeiden, betreibt sie inzwischen einige Schiffe selbst. Im Juni verlor die Commerzbank-Aktie 11 Prozent und hält nun mit einem Kursverlust von 40 Prozent in diesem Jahr mit klarem Abstand vor Salzgitter und Lanxess die rote Laterne im F.A.Z.-Aktienindex.

          Aktien müssen mehr aus eigener Stärke überzeugen

          Die Zinswende aber macht nicht nur einzelnen Aktien zu schaffen, sondern dem gesamten Aktienmarkt. Mit steigenden Zinsen und noch rückläufigen Inflationsraten werden Anleihen attraktiver. Darunter leidet Gold, dessen größter Nachteil, ein fehlender Jahresertrag, mit höheren realen Zinsen stärker ins Gewicht fällt. Aber auch Aktien, die vor allem wegen ihrer Dividende gekauft werden, dürften sich künftig schwertun. Davon ist allerdings noch wenig zu spüren. Im Juni schnitten die für ihre Dividendenstärke bekannten Versorger und Telekommunikationswerte noch am besten ab. Ursächlich für die stabile Entwicklung dieses Branchenindexes ist aber die gute Kursentwicklung der Aktie von Kabel Deutschland. Um den größten deutschen Kabelnetzbetreiber entbrannte ein Bietergefecht, in dem die Mobilfunkgesellschaft Vodafone den Medienkonzern Liberty Global ausstach. Einen derart kurstreibenden Übernahmekampf - im Juni ging es für die Kabel-Aktie um 16 Prozent aufwärts - hat es um ein deutsches Unternehmen schon lange nicht mehr gegeben. Kein Wunder, dass die Börsianer auf weitere Übernahmeofferten spekulieren.

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