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Blick auf den Aktienmarkt : Der Monat der Börsenneulinge

Dessen Darmstädter Namensvetter Merck hat ähnlich wie Bayer in den vergangenen Jahren stark an der Effizienz gearbeitet. In zwei Jahren soll der umfangreiche Stellenabbau abgeschlossen sein. Von 2018 an sollen jährlich 385 Millionen Euro Kosten weniger anfallen. Nun sieht sich Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley in der Lage, den größten Firmenkauf in der Unternehmensgeschichte zu stemmen. 17 Milliarden Dollar lässt er sich den amerikanischen Laborzulieferer Sigma-Aldrich kosten. Dass der Kaufpreis mit dem Neunzehnfachen des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (Ebitda) vergleichsweise teuer ist, hat Anleger nicht geschreckt. Um mehr als 5 Prozent sprang der Kurs am Tag der Ankündigung in die Höhe. Wie einmalig dieser Schritt ist, zeigte eine Aussage Kleys in seiner Telefonkonferenz: „Erwarten Sie in den nächsten Jahren keinen Deal in dieser Größenordnung“, sagte er. Während sich Bayer vom Chemiegeschäft trennt, steht dieses bei Merck nicht zur Disposition. Dafür wird durch die Übernahme die dritte Säule des Konzerns (Life Science) deutlich gestärkt, die Kley durch den Kauf des Laborausrüsters und Biochemiekonzerns Millipore vor vier Jahren aufgebaut hatte.

Roland Koch hat keine Werte geschaffen

Bester Wert im F.A.Z.-Index war im September allerdings der Maschinenbauer Aixtron mit einem Kursanstieg um 20,6 Prozent. Die Aktie erreichte zeitweise einen Wert von 12,30 Euro wie zuletzt im März. Seither war der Kurs bis auf 11,25 Euro gefallen. Die Zahlen im ersten Quartal waren ernüchternd ausgefallen: Einer leichten Auftragssteigerung auf niedrigem Niveau entsprach ein Umsatzwachstum von 9 Prozent auf 44 Millionen Euro. Das Nettoergebnis blieb mit knapp 12 Millionen Euro im Minus. Einen ähnlichen Fehlbetrag wie im ersten Vierteljahr verzeichnete Aixtron dann im zweiten Quartal. Der Vorstand stellte seine Investoren darauf ein, dass auch zum Jahresende kein Gewinn ausgewiesen werde. Allenfalls „eine leicht positivere Grundstimmung“ für LED-Produktionsanlagen wollte er ausgemacht haben. Doch Ende September sollte sich das in unerwartetem Ausmaß bewahrheiten: Am 25. September berichtete das Unternehmen über den größten Einzelauftrag in der Firmengeschichte. Der Umfang des Geschäfts wurde nicht bekanntgegeben. Doch der Aktienkurs schnellte binnen zwei Tagen um ein Viertel in die Höhe. Dennoch war er mit 12 Euro zum Monatsende immer noch weit entfernt von den 33 Euro, die er noch im Januar 2011 erreicht hatte.

Weitaus bedrückender ist die Entwicklung beim Kohlefaserhersteller SGL Carbon. Bis Dezember 2011 galt das Unternehmen als Erfolgsgeschichte. Damals erreichte der Aktienkurs 45 Euro. Karbon ist deutlich leichter, aber ähnlich stabil wie Stahl. Deshalb wurden dem Material große Absatzchancen vorhergesagt. Dabei blieben aber möglicherweise dessen hohe Kosten zu sehr außer Acht. Für Automobilhersteller lohnt sich der Ersatzstoff nicht so sehr wie gedacht. Die Aktie verlor seither 65 Prozent ihres Werts. Allein auf den September entfielen davon 26,4 Prozentpunkte. Nach einem Rekordverlust von 400 Millionen Euro im Vorjahr sah sich das Unternehmen gezwungen, das Kapital um nahezu 270 Millionen Euro zu erhöhen. Jetzt will der noch frische Vorstandsvorsitzende Jürgen Köhler das Unternehmen streng nach Finanzkennzahlen steuern.

Auch der Wechselrichterhersteller SMA Solar entwickelt sich nicht so wie von seiner Führung erhofft. Seit Januar 2010 fiel der Aktienkurs um 81 Prozent. Ende Juli gab es eine Gewinnwarnung und Anfang August ein deutlich verschlechtertes Halbjahresergebnis. Nicht ganz so schlimm sieht die Lage für den Baukonzern Bilfinger aus. Anfang September senkte der Konzern seine Gewinnprognose. Nach 419 Millionen Euro im Vorjahr dürften diesmal nur noch 270 Millionen erreicht werden. Seit Ende Juni verbilligte sich die Aktie um 41 Prozent und ist nun wieder auf dem Stand von September 2010. Somit hat der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch in seiner Ära keine Werte geschaffen.

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