https://www.faz.net/-gv6-8aque

Internetaktien : Reich werden mit Social Media

Am Google-Hauptquartier im kalifornischen Mountain View. Bild: AP

Können Google, Facebook & Co. für die Geldanlage nützlich sein? Der größte Vermögensverwalter der Welt glaubt fest daran.

          3 Min.

          Es ist ein uralter Börsentraum, dem 90 Mitarbeiter des Vermögensverwalters Blackrock mit modernsten Mitteln hinterherjagen. Ihr Auftrag lautet: in möglichst jedem Moment Geld verdienen - unabhängig davon, ob die Börsenkurse gerade steigen oder fallen. Ein nicht gerade bescheidener Anspruch, der aber zum Unternehmen passt. Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt, und dies soll nach dem Willen der Firma auch tunlichst so bleiben.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In London und New York hat man darum eine Spezialeinheit aufgebaut, die den Traum vom ständigen Börsengewinn wahr machen soll. Gelingen soll dies, indem man den wichtigsten Rohstoff des Internetzeitalters ausbeutet: Daten. Wer die besseren Daten hat, hat bessere Informationen, und wer bessere Informationen hat, kauft am Ende auch die besseren Aktien - das ist das Erfolgsprinzip, an das die Blackrock-Leute glauben. Mit klassischer Aktienanalyse kommt man da nicht weit. Stattdessen basteln die Blackrock-Mitarbeiter stetig an neuen Algorithmen - also an Computerformeln, mit denen sich die Datenströme im Netz noch schneller auswerten lassen. Sieht so die Geldanlage der Zukunft aus?

          Simon Weinberger, der Blackrocks Spezialabteilung in Europa leitet, ist selbstredend davon überzeugt: „Wir erarbeiten uns einen Informationsvorsprung gegenüber anderen Investoren, der sich in höheren Erträgen auszahlen soll.“ Das klingt gut, macht aber auch misstrauisch. Schließlich hält an der Börse jeder seinen Investmentansatz für den einzig richtigen. So viel zumindest lässt sich sagen: Die Erkenntnisse, zu denen Weinberger mit Hilfe der Algorithmen gelangt, sind ziemlich ungewöhnlich.

          Ein Beispiel gefällig? Alle drei Monate stellen sich die Vorstände von Aktiengesellschaften den Fragen der Analysten, das ist ein festes Ritual. Weinberger stellt keine Fragen, sondern überlässt die Auswertung stattdessen seinen Computerprogrammen. Dabei hat er festgestellt: Je mehr konkrete Zahlen die Vorstände nennen, umso besser geht es dem Unternehmen üblicherweise. Fehlt es dagegen an solchen Zahlen, mögen die Aussagen der Vorstände zwar optimistisch klingen - in Wahrheit aber geht es der Firma oft gar nicht so gut. Ein Verkaufssignal, das anderen Analysten verborgen bleibe, behauptet Weinberger.

          Über die Google-Suche zur lukrativen Aktie

          Seine Programme durchforsten auch Facebook und Twitter regelmäßig, klare Signale zum Ein- oder Ausstieg lassen sich daraus allerdings meist nicht ableiten. Hilfreicher ist aus Sicht der Blackrock-Leute da schon die Suchmaschine Google. Vier bis fünf Millionen Suchanfragen gibt die Menschheit dort pro Minute ein. Fällt dabei der Name eines bestimmten Produktes besonders häufig, ist das meist ein Zeichen für einen neuen Trend. In die Aktie der Firma zu investieren, die dieses Produkt herstellt, sollte sich also lohnen. Als negativ interpretieren es die Blackrock-Spezialisten dagegen, wenn eine Aktie zu häufig in speziellen Anleger-Foren im Internet genannt wird. Dann hat, so ihre Interpretation, eine zu große Zahl von Investoren bereits von der Aktie gehört, ihr Kurspotential ist also möglicherweise ausgereizt.

          Zahlt sich der ungewöhnliche Ansatz in Heller und Pfennig aus? Das lässt sich am besten anhand der Wertentwicklung des Fonds „European Diversified Equity Absolute Return“ überprüfen, in dem Weinberger seine Strategie bereits seit einiger Zeit anwendet. 2013 betrug das Plus 18 Prozent, 2014 waren es dagegen nur knapp vier Prozent, 2015 sind es bislang 3,5 Prozent. Kein schlechtes Ergebnis, aber auch nicht gerade überragend.

          Zwar kann Weinberger ganz wie ein Hedgefonds sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen und darum theoretisch an jeder Kursbewegung verdienen. Seit den Arbeiten des Nobelpreisträgers Eugene Fama ist allerdings bestens bekannt, wie schwer es ist, den Markt auf Dauer zu schlagen. Dieser Regel kann sich auch der weltgrößte Vermögensverwalter nicht entziehen.

          Hinzu kommt ein weiterer Nachteil: Blackrocks Strategie ist teuer. Die Computerprogramme müssen ständig verbessert werden, was nicht nur höhere Rechenleistung, sondern auch immer spezialisiertes Personal erfordert. Einige der Blackrock-Leute haben vorher bei Google gearbeitet. Kein Wunder, dass die Anleger für den Fonds fast zwei Prozent laufende Gebühren zahlen müssen und eine Erfolgsgebühr von 20 Prozent. Sie wird dann fällig, wenn der Fonds eine bessere Wertentwicklung erzielt als der Geldmarktzins Libor (mit dreimonatiger Laufzeit), was derzeit nicht schwierig ist: Der Libor notiert aktuell bei null Prozent. „Exorbitant hohe Gebühren“ seien das, kritisiert das Analysehaus Morningstar. So faszinierend Blackrocks Ansatz auch ist: Die Zauberformel zum schnellen Reichtum dürften sich die Anleger dann doch anders vorgestellt haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dicke Luft in Stuttgart

          Klimagipfel : Mit Verzichtspanik wird nichts erreicht

          Als müsste in einer klimafreundlicheren Welt jemand aufs Auto, aufs Heizen, Fliegen oder auf Kinder verzichten! Das Vertrauen in die Technik ist bei denen, die den Innovationsgeist am lautesten für sich reklamieren, am geringsten.

          Zukunft der Groko : „Stabilität ja, Siechtum nein“

          Einen grundlegend neuen Kurs der Koalition werde es nicht geben, warnt die Union die SPD. Beim Klimapaket, das am Abend im Vermittlungsausschuss beraten wird, erwartet der Unionsfraktionschef aber eine schnelle Einigung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.