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Biotechnologie : Wer frisst wen als nächstes?

  • -Aktualisiert am

Christian Garbe, Biotech Analyst Bild: @unit mit Bildmaterial von comchem.de

Celltech und Protein Design Labs könnten die nächsten Übernahmekandidaten sein, meint Experte Garbe.

          2 Min.

          In den letzten Wochen nimmt die Konsolidierung in der Biotechnologie in den USA immer mehr an Fahrt auf. Zunächst meldete MedImmune Ende November, dass sie für rund 1,5 Milliarden Dollar Aviron übernehmen will. Damit erwirbt MedImmune, die bereits einen Verkaufsschlager mit Synagis haben, die Rechte am nasalen Grippe-Impfstoff FluMist.

          Zu den Umsatzzahlen von Synagis, das kurz vor dem Zenit im Produktlebenszyklus steht, kann damit ein Umsatzpotenzial von über eine Milliarde Dollar hinzu kommen und die Produktpipeline von MedImmune vervollständigen.

          Aufschläge von 77 Prozent

          Der Kapitalmarkt reagierte auf die Ankündigung zunächst mit erheblichen Kursabschlägen für MedImmune und Aviron, aber nach wenigen Tagen kehrte sich das Bild dramatisch um. Aviron stieg von 35 Dollar auf 49 Dollar; MedImmune fiel zunächst von 44 Dollar auf 38 Dollar und hat inzwischen wieder ein Niveau von 46 Dollar erreicht.

          Danach unterstrich Millennium Pharmaceuticals die Wachstumsdynamik in der amerikanischen Biotechnologiebranche und akquirierte Cor Therapeutics. Millennium Pharmaceuticals gilt als eines der innovativsten Unternehmen in der Entwicklung von neuen Medikamenten zur Bekämpfung von verschiedenen Krebserkrankungen. Nun gewinnt Millennium durch die Akquisition eine weitere Kompetenz im Bereich der Herzerkrankungen hinzu. Der Zugriff auf Cor Therapeutics ist Millennium einen Aufschlag von 77 Prozent auf den letzten Cor-Börsenkurs vor Bekanntgabe der Übernahme wert.

          Wachstumsstory einkaufen

          Ein besonders großes Interesse gilt hier dem Produkt Integrilin von Cor, das bereits auf dem Markt ist. Millennium wird durch den Zukauf voraussichtlich im Jahr 2002 einen Umsatz von 400 Millionen Dollar erreichen. Der Kapitalmarkt reagierte auf die Übernahme mit erheblichen Abschlägen für Millennium und einer Kursexplosion bei Cor Therapeutics, die von 20 Dollar auf 28 Dollar schnellten.

          Die fulminanteste Akquisition hat diese Woche Amgen angekündigt. Für einen Kaufpreis von rund 16 Milliarden Dollar soll Immunex integriert werden. Auch hier kauft Amgen eine Wachstumsstory zu dem schon vorhandenen Produktportfolio zu. Denn Immunex hat mit Enbrel ein Arthritismittel, dass eine so hohe Nachfrage ausgelöst hat, dass Immunex mit der Produktion nicht nachkommen konnte. Amgen musste allerdings erhebliche Kursabschlägen hinnehmen, während Immunex von 25 Dollar auf 29 Dollar stieg.

          Keine Chance für Einproduktunternehmen

          Die in den letzten Tagen getätigten Zukäufe waren durchweg sehr teuer. In der Zukunft wird der Trend zu Akquisitionen und Fusionen weiter anhalten, es werden aber vornehmlich kleinere Unternehmen sein, die von großen Biotechnologieunternehmen oder Pharmaunternehmen aufgekauft werden. Langfristig werden kleinere Einproduktunternehmen keine Chance haben, in dem wettbewerbsstarkem Pharmamarkt zu überleben.

          Wie die Erfahrung aus den vergangenen Wochen gezeigt hat, kann es für Investoren sehr lukrativ sein, auf potenzielle Übernahmekandidaten zu setzen. Kursgewinne von 30 Prozent und mehr sind dann keine Seltenheit. Es ist aber auffällig, dass nur Unternehmen auf der Wunschliste stehen, die bereits über signifikante Produktumsätze verfügen oder aber in absehbarer Zeit realisieren können. Unternehmen wie Biogen, Serono könnten typische Übernehmer sein, während Protein Design Labs und Celltech Group Übernahme- oder Fusionskandidaten sein könnten.

          Der Abstand zwischen Europa und den USA wird durch die Elefantenhochzeiten dabei immer größer, denn zu den wissenschaftlichen Erfolgen kommen bei den genannten Unternehmen die kommerziellen hinzu.

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