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Biotechnologie : Versprechungen müssen in Profite gewendet werden

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Christian Garbe, Biotech Analyst Bild: @unit mit Bildmaterial von comchem.de

Durch die Verwendung der Bio- und Gentechnologie sind Einsparungen von bis zu 300 Millionen Dollar möglich, meint Biotech-Analyst Christian Garbe.

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          Es besteht kein Zweifel, dass die Bio- und Gentechnologie angetreten ist, das alte Paradigma der Pharmaforschung in Frage zu stellen. Die Frage, wann dieser Paradigmenwechsel auch zu einem ökonomischen Vorteil wird, ist noch offen. Eine Studie der Boston Consulting Group kommt zu der Auffassung, dass die Erkenntnisse der Bio- und Gentechnologie zu signifikanten Kosteneinsparungen bei den Ausgaben für die Medikamentenentwicklung führen wird.

          Entwicklungskosten auf die Hälfte reduzieren

          Durch die Verwendung der Bio- und Gentechnologie könnten Einsparungen von bis zu 300 Millionen Dollar und eine Zeitersparnis von zwei Jahren pro Medikament erreicht werden. Dies ist bei den gesamten Entwicklungskosten von 880 Millionen Dollar ein beachtliche Komponente. Sollte dem Bereich der Pharmacogenetics in der Zukunft eine noch größere Bedeutung zukommen, könnten die Entwicklungskosten für ein Medikament auf die Hälfte reduziert werden, so die Ansicht der Boston Consulting Group.

          Damit stehen die Aussagen der Boston Consulting Group im Widerspruch zu den Vermutungen der Lehmann Brothers, die davon ausgehen, dass die Kosten für Forschung und Entwicklung in den nächsten Jahren signifikant ansteigen werden. In einem „worst case“-Szenario berechneten Lehmann Brothers, dass ein Medikament, das basierend auf den bio- und gentechnologischen Erkenntnissen entwickelt worden ist, nur einen Net Present Value (NPV) von circa 50 Millionen Dollar erreicht, während die traditionellen, in der Pharmaindustrie entwickelten Substanzen auf einen NPV von über 250 Millionen Dollar ausweisen. Auch ein negativer NPV ist denkbar, wenn die Industrie während der Adaption der innovativen Technologien insolvent wird.

          Sparpotenziale aus der Verwendung neuer Technologien

          Die Kosteneinsparungen sollen insbesondere aus der Verwendung der neuen Technologien im Screening und der Bioinformatik resultieren. Demgegenüber müssen aber auch die Kosten gesehen werden, die diese neuen Technologien verursachen. Es kann davon ausgegangen werden, dass circa 100 Millionen Dollar pro Jahr in der Life Science Industrie investiert werden, um die neuen Technologien aufzubauen. Eine Faustregel besagt, dass der Entwicklungsprozess für ein Medikament ohne den Einfluss der Bio- und Gentechnologie circa 15 Jahre in Anspruch nimmt, und dass 75 Prozent der Kosten durch Fehlschläge entlang des gesamten Entwicklungsprozesses entstehen.

          Damit ist klar, dass insbesondere die Rate der Fehlschläge zu reduzieren ist. Denn wird alleine eine von 10 Zielstrukturen in einem frühen Stadium der Entwicklung eliminiert, können die durchschnittlichen Entwicklungskosten pro Medikament um 200 Dollar reduziert werden.

          Marktpotenziale der Technologieausstatter begrenzt

          Zwei Schlüsse können gezogen werden: Einerseits wird deutlich, dass die Marktpotenziale der Technologieausstatter in der Biotechnologie durch die Forschungs- und Entwicklungsbudgets der Pharmakonzerne sehr stark limitiert sind. Die katastrophalen Quartalszahlen des Technologieausstatters CyBio hat dies in der vergangenen Woche eindrucksvoll gezeigt.

          Andererseits kann der Einsatz der Bio- und Gentechnologie im Bereich der Pharmacogenomics zu einer Optimierung des Entwicklungsprozesses führen, die zu neuen, bahnbrechenden Erkenntnissen in der Therapie von Krankheiten führen. Es ist nur noch ein weiter Weg bis eine signifikante Zahl an Produkten (ab 2004) auf den Markt kommen wird, die mit diesen Erkenntnisfortschritten entwickelt worden sind. Beispielsweise Millennium Pharmaceuticals ist ein Unternehmen, dass die neuen Technologien aus der Bio- und Gentechnologie konsequent in den Medikamenten-Entwicklungsprozess einbaut.

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