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Biotechnologie : Tissue Engineering-Aktien noch zu riskant

  • -Aktualisiert am

Trotz Laborerfolgen schreiben Tissue-Engineering-Unternehmen noch Verluste Bild: dpa

In der Forschung ist Tissue Engineering weit fortgeschritten. Doch der wirtschaftliche Erfolg lässt auf sich warten, was die Kurse belastet.

          2 Min.

          „Menschliche Ersatzteile“ wie Haut, Knorpel und Knochen aus körpereigenen Zeilen haben Hochkonjunktur. Allerdings nur in der Forschung. Der wirtschaftliche Erfolg kommt frühestens Ende dieses Jahrzehnts.

          Im „Tissue Engineering“ - auch Regenerative Medizin genannt - steckt Potential. Neue Haut für Brandopfer, neue Knorpel als Ohrersatz oder neue Unterkieferknochen für den festen Sitz von Zahnimplantaten sind bereits heute machbar. Es gibt beachtliche klinische Erfolge. Allerdings muss die Branche noch ausgiebige Pionierarbeit leisten. Viel Zeit fließt in die Aufklärung von Patienten, Ärzten und vor allem Krankenkassen.

          Das Hauptproblem ist die fehlende Kostenrückerstattung. Aber auch bei der Geräteentwicklung, in der Automatisierung, sowie bei der Sicherstellung gleichbleibender Produktqualität bedarf es weiterer Verbesserungen.

          Globales Spiel der Kräfte

          Zur Zeit sind im Tissue Engineering weltweit rund 80 meist junge Unternehmen tätig. Knapp ein Viertel ist börsennotiert. Der amerikanische Markt hat einen hauchdünnen Vorsprung. Doch nicht vor jedem Unternehmen liegt eine vielversprechende Zukunft: Diejenigen, die sich nur auf die Umwandlung von Zellen in neue Organe konzentrieren, sind womöglich für dauerhaftes Wachstum aus eigener Kraft nur bedingt gerüstet.

          Ein Beispiel dafür ist Organogenesis. Die Amerikaner erhielten eine der ersten Zulassungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA für ihren Hautersatz Apligraf. Genutzt hat es wenig. Von weit über 30 US-Dollar stürzte der Kurs in den Penny-Stock-Bereich. Von einer Marktkapitalisierung jenseits der Einmilliarden Dollar-Grenze blieb mit 9 Millionen Dollar wenig übrig. Eine zuletzt durchgeführte Privatplatzierung ließ Organogenesis noch einmal an der Insolvenz vorbeischrammen.

          Riskante Aktien

          Nur wenig besser sieht es bei Curis, LifeCell oder Advanced Tissue Science aus. Es mangelt deutlich an guten Fundamentaldaten dieser noch unprofitablen Unternehmen, ganz zu schweigen von den wenig attraktiven Charts der letzten zwölf Monate.

          Besser, weil technologisch breiter aufgestellt sind dagegen Integra LifeSciences oder Genzyme Biosurgery. Sie machen ihr Geschäft neben Tissue Engineering auch mit der Entwicklung eigener Biomaterialien - Komponenten, die ohnehin für das dreidimensionale Zellwachstum benötigt werden. Insbesondere Genzyme Biosurgery weist den Weg in die Zukunft: Das Unternehmen ist Ende 2000 aus dem Zusammenschluß von Biomatrix, Genzyme Tissue Repair und Genzyme Surgical Products entstanden. Genzyme Biosurgery steht zwar erst noch vor der Erreichung der Gewinnschwelle, erzielte jedoch 2001 bereits rund 235 Millionen Dollar Umsatz.

          Regenerative Medizin am Neuen Markt

          Am Neuen Markt zählen allein BioTissue Technologies und co.don zu den Tissue Engineering-Unternehmen. Beide Aktien litten seit Börsengang beträchtlich und verloren in etwas mehr als einem Jahr rund 90 Prozent ihres Wertes. Mit Marktkapitalisierungen von sieben und zehn Millionen Euro gehören sie zu den Leichtgewichten im Nemax Biotechnology Index. Bei nur rund zehn Millionen Euro Liquidität Ende 2001 und einem Liquiditätsaufbrauch von bis zu 500.000 Euro monatlich wird schnell deutlich, dass es ungeachtet hoffnungsvoller Technologien innerhalb der nächsten 18 Monate finanziell eng werden kann.

          Fazit:

          Das Positive an der Forschung im Tissue Engineering: Deutschland kann hier weltweit mithalten. Allerdings sind die meisten Unternehmen noch weit davon entfernt, ein profitables und langfristig tragfähiges Geschäft anzubieten. Zu sehr behindert die nicht vorhandene Kostenerstattung die Entwicklung des Marktes. Anleger mit spekulativer Neigung können durchaus auf die Vision einer revolutionären Technologie setzen. Allerdings muss in diesem frühen Stadium auch der Totalausfall einkalkuliert werden.

          Breiter aufgestellte amerikanische Unternehmen bergen etwas weniger Risiko. Wer jedoch ruhig schlafen will, beweist in diesem Bärenmarkt erst einmal Geduld. Tissue Engineering steht erst ganz am Anfang einer für Patienten und Anleger hoffnungsvollen Entwicklung.

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