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Biotechnologie : Sars-Medikament läßt Biotest-Aktie haussieren

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Ein möglicherweise zur Behandlung der Lungenkrankheit Sars geeignetes Medikament sorgt bei der Aktie von Biotest für fulminante Gewinne. Ob die Vorschußlorbeeren gerechtfertigt sind, muß sich aber erst noch zeigen.

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          Um die Lungenkrankheit Sars, an der bisher weltweit fast 800 Menschen gestorben sind, ist es zuletzt ruhiger geworden. Nachdem China und Hongkong nun schon fünf Tage in Folge keine neuen Krankheiten mehr gemeldet haben, hat die Angst vor neuen Ansteckungsfällen etwas nachgelassen.

          An der Börse sorgt Sars am Montag aber trotzdem für Kurswirbel. Und zwar steigt die Aktie des hessischen Pharmaunternehmen Biotest gegen 16.30 Uhr gleich um 26 Prozent auf 8,00 Euro, was mit der Hoffnung erklärt wird, daß ein Medikament womöglich für die Behandlung von Sars eingesetzt werden kann.

          Einer Unternehmenssprecherin zufolge hat das Biotest-Mittel Pentaglobin, das bislang in der Intensivmedizin, etwa bei Sepsis oder septischem Schock eingesetzt wird, bei einer relativ kleinen Patientengruppe den Krankheitsverlauf erheblich verbessert. Pentaglobin sei von Ärzten der Medizinischen Universität in Hongkong in einer dreistufigen Behandlung eingesetzt worden.

          An der Börse führt das im Xetra-Handel schon bis zum Nachmittag zu einem Handelsvolumen von 227.000 Euro und somit zu einem Vielfachen des im Schnitt des vergangenen Jahres gehandelten Umsatzes von knapp 17.000 Euro.

          Noch relatives vages Datenmaterial zur Anwendbarkeit

          Ob die Vorschußlorbeeren gerechtfertigt sind, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Konkrete Hinweise zum damit verbundenen Umsatzpotenzial gibt es jedenfalls noch nicht. Aus dem Unternehmen hieß es bisher lediglich etwas lapidar, mit dem aus menschlichem Plasma gewonnenen Präparat könnten sicherlich künftig durch die Behandlung von Sars zusätzliche Umsätze generiert werden. Einschränkend wird aber auch gleich darauf hingewiesen, daß zunächst die klinische Anwendung ausgeweitet werden müsse.

          Ein Durchbruch mit einem Medikament würde Biotest gut zu Gesicht stehen. Denn im Vorjahr wurde der Umsatz zwar um 3,6 Prozent auf 258 Millionen Euro gesteigert, im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen ergab sich aber auch erstmals ein Konzernverlust in Millionenhöhe. Das Unternehmen rechnet früheren Angaben zufolge jedoch damit, zum Jahresende wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Diese Hiobsbotschaft hatte den schon länger anhaltenden Abstieg des Aktienkurses weiter beschleunigt und alleine im Vorjahr zu einem Kursrückgang von 13,40 auf im Tief 3,18 Euro geführt.

          Auf genauere Angaben des Unternehmens zu den Zukunftsaussichen warten

          Daran gemessen hat sich der Titel zuletzt im Gefolge allgemein steigender Biotech-Aktie zwar wieder um fast 150 Prozent verbessert, aber bis zu dem im Jahr 1997 erreichten Rekordhoch von über 48 Euro ist es noch immer weit. Eine weitere Annäherung an dieses Niveau wäre aber dann gerechtfertigt, wenn demnächst wieder eine Rückkehr zu dem im Jahr 2001 erreichten Gewinnniveau von 1,30 Euro je Aktie gelingen sollte. Ob das machbar ist, läßt sich auf Basis der aktuellen Datenbasis aber noch nicht hinreichend beantworten.

          Nachdem die Gesellschaft in den vergangenen Jahren schon manches Mal enttäuscht hat, sollten vorsichtig agierende Anleger besser erst einmal abwarten, was der Vorstand bei der Hauptversammlung am 10. Juli über die Zukunftsaussichten zu berichten hat. Stimmen da aber die Angaben, würde eine gemessen am Umsatz noch immer geringe Marktkapitalisierung von 32 Millionen Euro weiteres Kurspotenzial zulassen.

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