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Biotechnologie : Intakte Abwärtstrends bei GPC und Rhein Biotech

  • Aktualisiert am

Auf der Suche nach Wirkstoffen Bild: dpa

Gemischte Zahlen liefern GPC und Rhein Biotech am Dienstag. Trotz gegensätzlicher Kursreaktionen, fehlt beiden die Initialzündung.

          3 Min.

          Neues aus dem Biotech-Bereich: Rhein Biotech und GPC Biotech haben am Dienstag über den Geschäftsverlauf ihres ersten Quartals berichtet. Auch wenn sich die Kurse zunächst gegenläufig entwickeln, bleibt ihnen eines gemein: Die Abwärtstrends bei den Aktien sind intakt.

          GPC Biotech erfreut die Aktionäre damit, dass der Umsatz in den ersten drei Monaten um 78 Prozent auf 5,1 Millionen Euro gestiegen ist. Zu verdanken haben die Martinsrieder diesen Erlösschub den im vergangenen Jahr abgeschlossenen Kooperationen mit Altana und Boehringer Ingelheim. Erfreulich ist auch, dass GPC Biotech den Nettoverlust auf 6,5 Millionen Euro von sieben Millionen Euro im Vorjahr verringern konnte.

          Europäische Marktexklusivität gesichert

          Nach einem Kursplus am Vortag von knapp drei Prozent legen die Aktien von GPC Biotech am Dienstagmittag weitere 1,5 Prozent auf 7,34 Euro zu. Zum Wochenbeginn hatten die Bayern berichtet, dass die Europäische Union dem in Phase II steckenden Krebsmedikament Bryostatin für zehn Jahre die Marktexklusivität sichert. Damit wäre bei einer erfolgreichen Markteinführung das Präparat vorerst vor unliebsamen Nachahmern gefeit. „Trotz der bislang nur schwer abschätzbaren Erfolgsaussichten für Bryostatin sehen wir diese Marktexklusivität als langfristig positiv“, sagt Thomas Brenning, Analyst der Helaba, der zum Übergewichten der Aktie rät.

          Insgesamt zählt GPC Biotech noch zu den Lieblingen der Analysten, denn laut Blomberg raten mehr als 50 Prozent zum Kauf der Aktie. Den Experten gefällt vor allem, dass GPC Biotech bislang die Prognosen immer eingehalten hat. Auch sieht Patrick Fuchs, Analyst bei der GZ Bank, bis zum anvisierten Sprung in die Gewinnschwelle 2006 keinen Liquiditätsengpass, mit dem einige der Wettbewerber zu kämpfen haben. Vielmehr notiert die Aktie sogar nur knapp über dem Barbestand an liquiden Mitteln.

          Rhein Biotech ist noch kein Schnäppchen

          Rhein Biotech dagegen enttäuschte nach den Geschäftszahlen für 2001 nun auch mit den Zahlen zum ersten Quartal. Der Umsatz konnte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal nur leicht auf 17,8 Millionen von 17,4 Millionen Euro erhöhen. Das operative Ergebnis halbierte sich sogar auf 1,1 Millionen Euro. Auch wenn das erste Quartal traditionell schwach für Rhein Biotech ist, reagieren die Analysten verschnupft. Frank Bürger von der WGZ stufte die Aktie von Kaufen auf Akkumulieren zurück und senkte seine Gewinnreihe.

          Rhein Biotech zählt zu den wenigen Branchenvertretern, die bereits einen Gewinn ausweisen. Für das Gesamtjahr ist das Management zuversichtlich, dass die bisherigen Prognosen gehalten werden können. Demnach rechnet der weltweit drittgrößte Produzent von Hepatitis-B-Impfstoffen mit einem um 15 bis 20 Prozent höheren Umatzes und einem Jahresüberschuss auf Vorjahresniveau. Trotz der Kursverluste von sechs Prozent auf 42,50 Euro am Dienstagmittag ist die Bewertung für die Aktie immer noch nicht günstigt.

          „In der qualitativen Bewertung überzeugt Rhein Biotech auf der einen Seite durch die hohe Profitabilität seines Hepatitis-B-Impfstoffes und eine interessante Nischenmarktstrategie“, meint Oliver Schlüter. Allerdings würde der Analyst der GZ-Bank das Unternehmen derzeit auf Grund der Forschungsaktivitäten eher mit einem Pharma- als mit einem Biotechunternehmen vergleichen. Und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2002 und von 20 für 2003 ist die Aktie damit fair bewertet.

          Fazit: Sowohl GPC Biotech als auch Rhein Biotech dürften mittelfristig überleben und sind nicht in existienzieller Bedrängnis. Auf beiden Aktien lastete aber derzeit die allgemein zurück haltende Stimmung gegenüber dem Biotech-Sektor, immerhin sind diese Aktie auf Grund der noch bevorstehenden langen Forschungszeit mit erhöhter Unsicherheit belastet. Da bei beiden Aktien die Abwärtstrends noch intakt sind, drängt sich ein Einstieg noch nicht auf, wobei das Abwärtspotenzial aus Bewertungsgründen begrenzt sein dürfte.

          Kurspotenzial würde sich GPC Biotech sicherlich erschließen, wenn das Unternehmen neue Erfolgsmeldungen aus seinen klinischen Forschungsstudien vorlegt. Bei Rhein Biotech muss vor allem das strapazierte Vertrauen der Aktionäre, die nach einer zugeknöpften Informationspolitik im vergangenen Jahr sauer reagierten, wieder hergestellt werden. Und vor allem muss sich die Stimmung für die Branche drehen, damit die Aktien ihre Abwärtstrends überwinden können.

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