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Biotechnologie : Fusionen machen Unternehmen greifbarer

  • -Aktualisiert am

Biotech-Analyst Christian Garbe Bild: @unit mit Bildmaterial von comchem.de

Die Konsolidierung des Biotechnologiesektors schreitet voran. Die Vorreiterrolle übernimmt wieder einmal Skandinavien.

          2 Min.

          Seit September 2000 kennen die Biotechnologie-Indizes nur noch eine abwärts gerichtete Entwicklung. Im September 2000 hatte der Nemax-Biotech-Index mit 256 Punkten seinen Höchststand erreicht. Auch wenn die Kurse sich nach dem Terroranschlag vom 11. September leicht erholen konnten und der Nemax-Biotech-Index auf fast 90 Punkte anzog, liegt er inzwischen wieder bei ungefähr 60 Punkten.

          Ähnlich entwickelte sich auch der amerikanische Biotechnologiesektor mit dem Nasdaq-Biotech-Index als Benchmark. Dieser erreichte im März 2000, kurz vor der Entschlüsselung des Human Genoms seinen Höchststand von 1.620 Punkten. Einen Tiefpunkt erreichte der Index nach den Terroranschlägen mit 687 Punkten. Dies bedeutete ein Verlust von fast 60 Prozent, während der Nemax Biotech Index fast 80 Prozent nachgab. Inzwischen hat der Nasdaq-Biotech-Index einen neuen Tiefstand mit 630 Punkten erreicht, der fast wieder auf dem Niveau liegt, der vor dem Biotech Hype mit 570 Punkten im Jahr 1999 bestand.

          Wohin geht die Reise?

          Welche Entwicklung wird der Biotechnologiesektor nun in der Zukunft nehmen? Viele Investoren scheuen inzwischen das Engagement in Biotechnologiewerten, weil die vollmundigen Renditeversprechungen der Analysten nicht eingehalten werden konnten. Für viele Investoren hat sich das Engagement in der Biotechnologie nicht als nachhaltig herausgestellt. Die Zeit, als jedes kleine Unternehmen einen Börsengang innerhalb kürzester Zeit realisieren wollte, gehört wahrscheinlich für lange Zeit der Vergangenheit an.

          Die nächsten Monate und Jahre werden den Fusionen und Akquisitionen gehören. Die schlagzeilenträchtige Akquisition wie die von Immunex durch Amgen werden sich fortsetzen, aber auch viele kleine Unternehmen oder Technologien werden aufgekauft oder zusammengelegt. Diese Konsolidierung ist in vielen europäischen Ländern dringend notwendig. Denn häufig sind die Unternehmen zu klein, um ein Produkt bis zur Marktreife zu entwickeln und dann auch noch zu vermarkten.

          Skandinavien schafft den idealen Rahmen

          In den skandinavischen Ländern ist dieser Trend frühzeitig erkannt und entsprechend in der Politik umgesetzt worden. Es wurden in den dortigen Innovations- und Technologieparks Rahmenbedingungen geschaffen, die die Unternehmen ermutigen, gemeinsam die Marktherausforderungen zu meistern, anstatt einzeln mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Die finnischen Unternehmen BioTie Therapies und Control Pharma wollen zusammengehen, um das größte Biotechnologieunternehmen Finnlands aufzubauen.

          Die Unternehmen ergänzen sich ideal, denn Bio Tie Therapies verfügt über interessante Projekte in einem fortgeschrittenen Stadium während Control Pharma eine Stärke in den frühen Stadien der Entwicklung hat. Die Produkte sind auf die wachstumsstarken Indikationsgebiete der Entzündungshemmung ausgerichtet.

          Nicht auf Luftschlösser bauen

          Die Biotechnologie bietet auch in der Zukunft interessante Investmentmöglichkeiten, nur sollte sich der Investmentstil ändern. Als Investmentgrundlage sollten reale Leistungen eines Unternehmen stehen und nicht ideengetriebene Illusionen. Die nun einsetzende Konsolidierungswelle lässt eine Vielzahl von Unternehmen entstehen, die vor dem geschilderten Hintergrund wesentlich greifbarer sind.

          Als problematisch könnte sich herausstellen, wenn man bei kleinen Unternehmen ein Investment in der Hoffnung eingeht, dass sie ein Übernahmeobjekt werden und dadurch eine hohe Prämie gezahlt wird. Denn häufig kann bis zur Ankündigung der Übernahme der Aktienkurs noch so weit fallen, so dass die potenziell gezahlte Prämie den Kursverlust gerade kompensiert. Ein Einstieg sollte daher - wenn überhaupt - erst kurz vor einer potenziellen Übernahme erfolgen.

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