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Biotechnologie : Fusion könnte Crucell-Aktie weiter beflügeln

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Bild: FAZ.NET

Phantasie ist, was die Crucell-Aktie treibt. Mit der Fusion mit Berna Biotech könnte weitere Phantasie hinzukommen.

          3 Min.

          Hand hoch, wer sich noch an Rhein Biotech erinnert! Seit 1999 ist die Aktie der niederländischen Firma börsennotiert und in den guten alten Börsenzeiten flog sie auf hohen Hoffnungen bis auf 171 Euro. Seit 2002 gehört sie allerdings mehrheitlich zur Schweizer Berna Biotech.

          Doch wie das eben im Übernahme-Geschäft so ist - Fressen und gefressen werden, heißt die Devise. Jetzt ist es auch für Berna Biotech soweit. Mit Rhein Biotech im Magen soll Berna jetzt wiederum von der niederländischen Crucell verspeist werden. Diese hat ein Übernahmeangebot vorgelegt, das auch vom Schweizer Unternehmen unterstützt wird.

          Der größte unabhängige Impfstoffhersteller soll entstehen

          Für die Aktien der Berna Biotech bietet Crucell eine Prämie von 25,4 Prozent, gemessen am Durchschnittspreis der letzten drei Monate. Nach Abschluß der Transaktion werden die heutigen Aktionäre von Crucell und Berna, unter der Annahme einer vollständigen Andienung der Anteile, 72,7 Prozent respektive 27,3 Prozent der neuen Gesellschaft halten. Die neue Gesellschaft wird den Namen Crucell NV behalten, auch der Hauptsitz bleibt in den Niederlanden.

          Aus dem Zusammenschluß würde der größte unabhängige Impfstoffhersteller mit einer breiten und attraktiven Produktpipeline entstehen. Die beiden Unternehmen versprechen sich aus Impfstoffverkäufen und Lizenzgebühren wachsende Umsatzzahlen.

          Im Jahr 2004 setzte Berna Biotech umgerechnet insgesamt 132 Millionen Euro um, 114 Millionen davon im Kerngeschäft der Human-Impfstoffe. Durch die Trennung vom Geschäft mit Pocken- und Plasmaverkäufen sank der Umsatz um 20 Prozent. Im Kerngeschäft dagegen betrug das Wachstum 42 Prozent.

          Beide Unternehmen schreiben rote Zahlen...

          Crucell dagegen ist viel kleiner. Im vergangenen Geschäftsjahr setzten die Niederländer 22,62 Millionen Euro um. Das war immerhin eine Steigerung um das Dreifache.

          Gewinne machten beide Unternehmen zuletzt nicht. Allerdings unter unterschiedlichen Vorzeichen: Während Crucell seit Jahren operativ relativ konstant - mit Tendenz zur Besserung - Verluste zwischen 20 und 30 Millionen Euro einfährt, rutschten die Schweizer aufgrund der Konzentration auf das Kerngeschäft, dem sie größeres Potential zusprechen, auch operativ in die roten Zahlen.

          Auch die jüngsten Ergebnisse geben kein anderes Bild ab. Bei Berna stiegen die Umsätze im Kerngeschäft gegenüber der Vorjahresperiode um 12,5 Prozent. Der Betriebsverlust sank gegenüber dem Vorjahr, dennoch blieben die Zahlen bei fast neun Millionen Euro Minus deutlich rot.

          Auch Crucell gibt kein anderes Bild ab: Zwar stiegen die Umsätze um die Hälfte auf sechs Millionen Euro, doch unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 5,3 Millionen. Immerhin waren dies 24 Prozent weniger als im Vorjahr und gegenüber diesem schon mal wenigstens ein Verlust, der niedriger war als der Umsatz.

          ... wohl auch künftig

          Rasche Gewinne von der neuen Crucell zu erwarten, erscheint unter den gegeben Umständen wohl vermessen. Auch die Analysten tun das nicht. Genauer gesagt, rechneten diese bisher im kommenden Geschäftsjahr bei Crucell mit einer leichten Verringerung der Verluste und einer Rückkehr von Berna in die Gewinnzone.

          Nichtsdestoweniger würde der Verlust bei Crucell doppelt so hoch ausfallen wie der Gewinn von Berna. Selbst wenn man also an sofortige Synergien glaubt, würde das wohl nicht reichen, damit sich das neue Unternehmen in der Gewinnzone vorkämpfen kann. Zumal einige Analystenprognosen recht optimistisch erscheinen. Das Gros der Zunft rechnete bei Crucell eher mit einer zum Teil deutlichen Ausweitung der Verluste.

          Immerhin, so die Mitteilung der Unternehmen, verfügten Crucell und Berna Biotech per Mitte 2005 über eine gemeinsame Position an liquiden Mitteln von über 200 Millionen Euro.

          Das Erfolgspotential sieht man bei den Niederländern langfristiger: „Die Kombination unserer Unternehmen wird uns in die Lage versetzen, effektiv zu konkurrieren und die kritische Masse als führender, unabhängiger Impfstoffhersteller zu erreichen“, sagt Crucell-Chef Ronald Brus. Die neue Firma werde eine völlig integrierte Infrastruktur zur innerbetrieblichen Entwicklung, Produktion und Vermarktung der zukünftigen Produkte haben.

          Strategisch scheint die Fusion Sinn zu ergeben - zumindest weckt sie die Phantasie, daß hier eine neue Erfolgsgeschichte entstehen könnte. Und Phantasie ist das, was auch die Crucell-Aktie bislang angetrieben hat. Stand das Papier Anfang 2003 noch bei 1,38 Euro so erreichte sie Anfang Oktober ein Allzeithoch von 24,77 Euro. Seitdem hat sie etwas konsolidiert. Heute legt sie indes wieder 3,5 Prozent auf 23 Euro zu.

          Damit sie indes nachhaltig aus dem Konsolidierungstrend ausbrechen und einen neuen Angriff auf das Allzeithoch kann, müßte sie die Marke von 23,09 Euro nachhaltig überwinden, auf die es in der vergangenen Woche zweimal schloß.

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