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Biotechnologie : Entscheidungen der FDA belasten Aktien

  • -Aktualisiert am

Christian Garbe, Biotech Analyst Bild: @unit mit Bildmaterial von comchem.de

Herbe Kursverluste mussten die Biotechnologie-Aktien im Juli hinnehmen. Der Sektor bleibt volatil, meint Biotech-Analyst Garbe.

          Im Juli verloren viele Biotechnologiewerte an Boden, weil Kooperationsabkommen aufgehoben, negative Bescheide der amerikanischen Zulassungsbehörde (FDA) gegeben und enttäuschende Umsatzzahlen gemeldet worden sind. Jetzt tritt noch Präsident Bush hinzu, der die Stammzellforschung in den USA in weiten Bereichen unterbinden will.

          Auch wenn die Stammzellforschung noch keinen kommerziellen Effekt hat und die Bedeutung dieses Teilbereiches der Bio- und Gentechnologie heute relativ klein ist, so ist der Investor doch auf die inhärenten Risiken in diesem Business wieder aufmerksam geworden. Insbesondere die FDA Entscheidungen haben für massive Kursstürze bei einigen Biotechnologiewerten geführt.

          Herbe Kursverluste

          Die Aktien von Titan Pharmaceuticals verloren über 50 Prozent, nachdem der Zulassungsantrag für das Schizophrenie-Produkt Zomaril ein Jahr später als vorgesehen eingereicht wird. Analysten waren davon ausgegangen, dass bereits Ende des Jahres das Produkt in den Verkauf gelangen würde. Auch Aviron hat eine substanzielle Korrektur von 33 Prozent seines Börsenwertes hinnehmen müssen. Die FDA will noch weitere Angaben zu der Sicherheit des Grippemittels FluMist haben. Damit dürfte FluMist nicht mehr zur Grippesaison 2001/02 auf den Markt kommen. Das Diabetes Produkt des Unternehmens Amylin Pharmaceuticals wurde gänzlich von der FDA abgelehnt, was zu einem Kursverlust von 25 Prozent führte.

          Drohen dem Investor nun weitere Enttäuschungen oder ist der Boden bereits erreicht? Generell bietet der Biotechnologiesektor interessante Wachstumsperspektiven, von Rückschlägen wird er aber nicht verschont bleiben. Denn durch das Voranschreiten der Produktkandidaten in den klinischen Phasen bis hin zur Produktzulassung steigt die Wahrscheinlichkeit von Rückschlägen sehr stark.

          Neue Substanzen bereiten FDA Probleme

          Hinzu kommt, dass viele Biotechnologieunternehmen sich auf neue Substanzen und Wirkstoffe (New Chemical Entities) konzentrieren, wie beispielsweise monoklonale Antikörper. Häufig sind diese neuen Produktgruppen noch nicht ausreichend dokumentiert, so dass die FDA zwangsläufig eine hohe Zahl von Rückfragen hat. Genentech verlor durch die Verzögerung der Zulassung des monoklonalen Antikörpers Xolair, das mit Novartis zusammen entwickelt wird, ungefähr 23 Prozent des Aktienkurses. Weitere Unternehmen mit einem Fokus auf monoklonale Antikörper gerieten ebenfalls unter Druck: Abgenix sanken um 35 Prozent, und Corixa büßte 32 Prozent ein.

          Es gibt aber auch erfreuliche Nachrichten: Invitrogen meldete Quartalszahlen, die die Erwartungen der Analysten bei weitem übertrafen. Der Aktienkurs von Invitrogen legte gleich 15 Prozent zu. Curagen und Celera hingegen dehnten ihre Verluste weiter aus. Die Folge: Celera verlor 23 Prozent und Curagen 38 Prozent.

          Volatilität bleibt erhalten

          Die hohe Volatilität im Biotechnologiesektor wird erhalten bleiben, weil der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg (Zulassung/Nichtzulassung) sehr dicht beieinander liegt. Auch halten viele Businessmodelle einer kritischen Überprüfung nicht Stand. Häufig ist fraglich, ob und wann Gewinne aus den operativen Einheiten erzielt werden können. Investoren sollten daher nicht auf einzelne Werte setzen. Vielmehr ist es ratsam, Unternehmen aus verschiedenen therapeutischen Bereichen (Krebs, Psychopharmaka etc.), Technologie und Businessmodellen zu wählen. Für den in der Biotechnologie unerfahrenen Investor empfiehlt sich daher ein Investment in Zertifikate und Fonds.

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