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Biotechnologie : Deutsche Biotechs hinken den amerikanischen weiter hinterher

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Die Nase eingehüllt, aber nicht vorn - die deutsche Biotech-Industrie Bild: dpa

Am Dienstag Cybio, vergangene Woche MWG Biotech - die deutsche Biotechbranche scheint derzeit die Seuche zu haben. Ist der Vorspung der US-Konkurrenz wenigstens kleiner geworden?

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          Gerade erst hatte MWG Biotech einen miserablen Ausblick abgeliefert, da kommt auch schon Biotech-Zulieferer Cybio mit einem Geschäftseinbruch und einer Umsatzwarnung hinterher. Die deutsche Biotechbranche bietet derzeit ein jammervolles Bild. Mit 67 Prozent Minus in den vergangenen zwölf Monaten steht der Nemax Biotechnology-Index allerdings nicht ganz so verheerend da wie der Nemax All Share-Index, der um 81 Prozent eingebrochen ist.

          Ein Zeichen, dass deutsche Biotechs gegenüber der ausländischen Konkurrenz Boden gut machen konnten? Betrachtet man die Branche jenseits des großen Teichs, wird man rasch eines Besseren belehrt. Besonders die Charts der großen Titel wie Amgen oder Genzyme sehen aus, als hätte es die Baisse nie gegeben.

          Finanzierung ungesichert - „Vorsprung der USA überhaupt nicht verringert“

          Michael Fischer, der den DG Lux MMI-Lacuna Apo Biotech-Fonds berät, meidet deutsche Biotech-Titel nach wie vor: „Zwar sind manche deutsche Titel deutlich zurückgekommen. Viele dieser Firmen werden aber in den nächsten zwei Jahren weiteres Geld brauchen - zu welchen Konditionen der Kapitalmarkt dies zu geben bereit ist, ist im derzeit schwierigen Umfeld noch nicht abzusehen.“

          Der Anlageschwerpunkt seines Fonds, der im vergangenen Jahr rund 90 Prozent Wertzuwachs erzielte, liegt weiterhin in den USA. „Der Vorsprung der amerikanischen Biotech-Unternehmen und einiger britischer Werte gegenüber den deutschen Firmen hat sich überhaupt nicht verringert. Die Produktpipelines sehen einfach besser aus“, erläutert der Branchenexperte.

          Fondsmanager Helmut-Joachim König, dessen Hornblower Life Science-Fonds im vergangenen Jahr ähnlich hervorragend abschnitt, ist ebenfalls noch nicht in deutschen Titeln investiert. „Auf dem derzeitigen Preisniveau beginnen wir aber, uns einzelne deutsche Werte sehr genau anzuschauen“, verrät König. Besonders von GPC Biotech zeigt sich der Experte angetan, außerdem nennt er Evotec als potenzielles Investment.

          Erste deutsche Wirkstoffe nicht vor 2004 auf dem Markt

          Auch Petra Meyer, Biotech-Analystin bei Sal. Oppenheim hat GPC und Evotec auf ihrer Empfehlungsliste stehen. Doch konstatiert auch sie, dass viele US-Firmen in der Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle den deutschen Unternehmen schlicht noch Jahre voraus sind. „Während US-Werte bereits eigene Produkte auf dem Markt haben, werden die ersten deutschen Produkte aus eigener Entwicklung nicht vor 2004 auf den Markt kommen.“

          Dazu kommen die nach wie vor unverändert bestehenden Unterschiede des regulativen Umfelds. Zwar floss auch in die deutsche Gentechnik-Debatte der Gesichtspunkt der Wettbewerbsfähigkeit ein - doch wie man das auch werten mag, in den USA sind die administrativen Beschränkungen der Biotech-Forschung einfach geringer.

          Große US-Titel genießen noch „Seltenheitsprämie“

          Gegenüber den großen US-Titeln ist Fondsexperte Fischer allerdings skeptisch: „Als einer der wenigen großen Titel hat etwa Amgen deutlich von der Flucht in sichere, große Titel profitiert und ist recht hoch bewertet.“ Bei zunehmender Zahl der großen Player in den USA könne sich diese Seltenheitsprämie in den nächsten drei Jahren verringern.

          Potenzial sieht Fischer derzeit vor allem in den amerikanischen Titeln Neurocrine Bioscience und Medarex, sowie in den britischen Firmen Celltech und Cambridge Antibody Technology. Natürlich bleibt das Risiko von Investments in Einzelaktien bei dieser traditionell volatilen Branche sehr hoch. „Wie das Beispiel Bayer zeigt, kann es bei Einzeltiteln immer wieder Überraschungen geben“, betont Fischer. Bietet das Depot also keine ausreichenden Streuungsmöglichkeiten, ist ein Fondsinvestment meist die bessere Lösung.

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