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Biotechnologie : Der Markt verliert die Geduld mit den Biotechs

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Auch gute Stockpicker haben derzeit kaum Chancen Bild: dpa

Biotech-Werte im Abwärtsstrudel - jetzt geht es auch etablierten Flaggschiffen wie Amgen oder Biogen verschärft an den Kragen.

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          Nach dem Biotech-Boom der Crash in Raten. Auch die Biotech-Branche machte natürlich die allgemeine Baisse mit. Spätestens seit April geht es aber auch den etablierten, bereits profitabel arbeitenden Biotech-Riesen aus Amerika verstärkt an den Kragen.

          Mit Beginn des dritten Quartals verschärft sich dieser Abwärtstrend dramatisch: Der Nasdaq Biotechnology Index verlor am Montag herbe 8,94 Prozent auf 464,43 Punkte, den tiefsten Stand seit drei Jahren. Die gescheiterte Zulassung eines Wirkstoffs hatte die Titel von Alkermes 59 Prozent auf 6,64 Dollar abstürzen lassen und den Markt mitgerissen.

          Negativmeldungen schlagen auf alle Titel durch

          Am Dienstag setzt das wichtige Branchenbarometer diesen Trend fort. Amgen, Biogen, Genentech, Medimmune, Protein Design, Imclone - die Liste der prominenten Verlierer ist lang. Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen für 2002 von 28,1 bei Amgen oder 25,8 bei Biogen scheinen diese Schwergewichte einen Großteil ihrer Überbewertung abgebaut zu haben. Doch die Charts deuten bei beiden mit dem Unterschreiten der Unterstützungen nahe der 40 Dollar-Marke auf weitere Verluste hin.

          „Negative Nachrichten von Einzelwerten wie gescheiterte Zulassungen sind völlig normal in der Branche. Neu ist aber, dass ein ganzer Markt dafür abgestraft wird, wie es jetzt geschieht“, beschreibt Raimund Stummer, Mitglied des Anlageausschusses beim DG Lux Lacuna Apo Biotech-Fonds, die derzeitige Lage.

          Hoffen auf den Herbst

          Der Lacuna-Experte hält eine Prognose im augenblicklichen Marktumfeld für schwierig, setzt aber seine Hoffnung auf den Herbst, da in der Vergangenheit die Saison der Fachkonferenzen von September bis Januar meist für einen Kursschub in der Branche gesorgt habe.

          Der Fonds hat im ersten Halbjahr rund drei Prozent besser als der Nasdaq Biotechnology Index abgeschnitten - bei einem Verlust von rund 50 Prozent ist das aber nur begrenzt tröstlich. Aber auch in Zeiten steigender Kurse hat der Fonds mit einer konsequenten Mid-Cap-Strategie, also der Auswahl als relativ unterbewertet geltender mittelgroßer Einzeltitel, leicht besser als der Markt abgeschnitten.

          Markt verliert die Geduld mit Biotechs

          Doch auch den besten Stockpickern lässt dieser Markt kaum eine Chance. Solide Wachstumsraten und erwartete Riesengewinne haben ihre Anziehungskraft verloren. Was derzeit zählt , sind zunächst markttechnische Überlegungen. Und diese weisen eindeutig weiter nach unten.

          Grundsätzlich bestimmen mindestens zwei eherne „Gesetze“ das Verhalten der Börse gegenüber so genannten Zukunftstechnologien. Einerseits wird am Aktienmarkt buchstäblich „die Zukunft gehandelt“ - vielversprechende Geschäftsmodelle werden mit Vorschusslorbeeren und damit dem dringend benötigten Kapital bedacht.

          Doch wehe, es dauert zu lange, bis sich nachhaltige Erfolge zeigen. Denn dann tritt das zweite Gesetz in Kraft: Die begrenzte Geduld der Börse, die selten weiter als ein paar wenige Jahre reicht. Abseits von dem üblichen Gezeitenwechsel zwischen Zulassung oder Scheitern von Wirkstoffen trifft dieses „Gesetz“ nun auch den Biotech-Sektor mit seiner vollen Härte. Anleger sollten auf jeden Fall warten, bis sich der augenblickliche Tumult gelegt hat und der Sektor - mindestens - in eine längere Seitwärtsbewegung übergegangen ist.

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